The 11 most instagrammable places during my worldtrip

During my worldtrip in India, Nepal, Sri Lanka, New Zealand, The Cook Islands, Indonesia and Singapore (Sept 17 until July 18) I explored many wonderful places, extraordinary waterfalls, amazing sunsets, beautiful beaches and astonishing mountains. Of course at every destination you get to see some remarkable „Instagram spots“, which I don’t want to withhold from you. Here is my personal TOP 11 of Instahotpots:

1. Pura Lempuyang Luhur Temple, Bali, Indonesia

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2. Roys Peak, Wanaka, New Zealand

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3. Taj Mahal, Agra, India

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4. Rice Terraces, Tegallalang, Bali

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5. Nine Arches Bridge, Ella, Sri Lanka

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6. Emerald Lakes, Tongariro Nationalpark, New Zealand

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7. Adams Peak, Sri Lanka

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8. Mitre Peak, Milford Sound, New Zealand

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9. Kelingking Beach, Nusa Penida, Indonesia

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10. Maori Rock Carvings, Taupo, New Zealand

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11. Heart, Gili Trawangan, Lombok

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Copyright: All pictures are my own (Laura Schindler).

Instagram vs. Reality

Wie soziale Netzwerke und ihr verzerrtes Weltbild zum Klimawandel beitragen (Archivtext von Juni 2018 überarbeitet)

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Alleine über den Wolken? No way. 100 andere Backpacker waren mit mir auf dem Adams Peak.

Ich weiß nicht, wie ich mit diesem Artikel beginnen soll. Es sind Gedanken, die mich seit längerem beschäftigen und immer wieder erkenne ich meine eigene Rolle in dem Ganzen und wie ich selbst Teil des Problems bin. Ich weiß nicht einmal, wie ich das Thema benennen soll. Ist es unsere Gesellschaft, unsere Generation? Der Fortschritt oder die Technologie? Ist es unsere Ungeduld, unser Hunger nach mehr. Ich versuche euch zu erklären, was ich meine. Ich war 2017-2018 knapp zehn Monate auf “Weltreise” (ich hasse dieses Wort, weil es in meinem Kopf ein reiches Kind suggeriert, das nach seinem Abitur Geld und ein Around-The-World-Ticket von den Eltern geschenkt bekommen hat und nun unbekümmert Selfies von überall postet, aber dazu später mehr.)

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In Indien (meine zweite Heimat) hat unsere Weltreise begonnen. Bucket List: Das Taj Mahal.

Wir sind Mitte September mit einem One-Way-Ticket nach Indien geflogen. Nein, nicht um in ein Ashram zu gehen und nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Ich habe mich bereits im Vorfeld unserer Reise schlecht dabei gefühlt, dafür so viel fliegen zu müssen. Dazu muss man sagen, dass ich aus einer sehr lebendigen Familie komme, in der viel diskutiert wird und jeder starke Standpunkte vertritt. Mein Bruder und meine Schwester steigen nicht mehr in ein Flugzeug, um die Umwelt zu schützen. Mein Vater lebt vegan und predigt Thesen über den Klimawandel. Ich vertrete dieselben Standpunkte wie meine Geschwister, versuche so gut es geht auf Fleisch zu verzichten und mich umweltbewusst zu ernähren und verhalten. Dennoch will ich mir nicht die Freiheit nehmen lassen, unsere Welt zu entdecken und bereisen. Ich weiß, das ist ein Widerspruch. Und mit meinem Verhalten trage ich nicht gerade zu einer Besserung des Problems bei, im Gegenteil. Ich beschleunige es. Ich poste schöne Urlaubsbilder auf Instagram, die meinen Freunden und Followern suggerieren, was für ein tolles Jetset-Life ich doch führe und wie schön es an all diesen Orten ist. Der ein oder andere möchte sich dann vielleicht auch das Recht herausnehmen, dasselbe erleben zu dürfen und bucht sein Flugticket. Klick.

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Die berühmte Bodnath Stupa im Herzen von Kathmandu, Nepal. (alle Fotos: Laura Schindler)

Darauf möchte ich eigentlich hinaus. Die Welt und wie wir sie wahrnehmen. Denn was meine Freunde auf Instagram sehen, sind die schönen Bilder am Pool, vor dem Taj Mahal, am Gipfel eines Berges oder auf einer einsamen, paradiesischen Insel. Was sie jedoch nicht sehen, sind die höllischen Fahrten in einem schwülen Bus, eingequetscht mit anderen, schwitzenden Reisenden, die wartende Schlange am „Instagram-Fotopunkt“, den anstrengenden Weg bis zum Gipfel oder das Schleppen des schweren Rucksacks quer durch die Stadt bis zur Unterkunft bei 40 Grad plus.

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Pflichtbild am Strand von Gili Trawangan (Indonesien) – die Herzen sind ein Tourimagnet.

Die Bilder vermitteln aber noch viel mehr. Sie sagen: Schau her, was ich mir leisten kann, was ich aus meinem Leben mache. Guck dir an, wie toll das ist. Was ich habe und du nicht. Du stehst links und ich rechts. Und irgendwo ist es ja genau das, was wir unterbewusst (unbewusst) wollen. Wir wollen wahrgenommen, geschätzt, respektiert, akzeptiert, bewundert und geliebt werden. Das liegt in der menschlichen Natur. Ist es also verwerflich, diese Bilder auf Instagram zu posten? Ich weiß es nicht. Ich möchte einerseits, dass meine Freunde sehen, wo ich bin und andererseits möchte ich unsere Umwelt schützen. Das passt nicht zusammen. Wenn ich radikal wäre, dann müsste es heißen: ganz oder gar nicht. Entweder kein Instagram oder keinen auf Umweltschützer machen. ‚Aber geht nicht auch beides?‘, würde jetzt mein verzweifeltes Ego sagen.
Eine richtige Zwickmühle. Momentan poste ich jedenfalls noch fleißig auf Instagram und jedes Bild ist ein Stich in die Magengrube für mein gespaltenes Ich. Denn bei jedem Mal schießen mir auch diese Gedanken in den Kopf: Vor drei Jahren war an diesem Ort noch nichts los und es lag vermutlich längst nicht so viel Plastikmüll herum wie jetzt.

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Nach mir die Sintflut: Ich weiß, dass ich Teil des Problems war und wohl immer noch bin.

Und: Auch ich bin hauptsächlich durch Instagram an diesen Ort navigiert worden.
Ich mache das Ganze mit meinem Verhalten kein Stück besser und trage eher dazu bei, dass es in Zukunft noch schlimmer werden wird. Nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut! Scheiß drauf, ich hab’s ja schon gesehen.“ Dieser Gedanke widert mich an. Touristen widern mich an. Asiaten, die jeden Preis für das eine perfekte Foto zahlen und in Scharen in Touribussen alle Instagram-Punkte abklappern. Und doch muss ich mir eingestehen: Du bist auch hier und du bist Teil des Problems. Was mich an dem Ganzen am meisten schockiert, ist das Tempo des Tourismus sowie die Gleichgültigkeit der Touristen, aber auch der Einheimischen. Mittlerweile geht alles so unglaublich schnell und unkompliziert. Das Flugticket hat man innerhalb weniger Minuten am Handy gekauft, wofür man früher wohl zwei Stunden im Reisebüro gesessen wäre. Das Essen wird ebenso per App ins Airbnb bestellt. Dasselbe mit Sightseeing und Transport. Wollen wir etwas wissen, googeln wir es. Innerhalb von Sekunden bekommen wir die gewünschte Antwort. Das Gehirn kennt den Reiz, richtig zu grübeln und überlegen, um ans Ziel zu kommen, schon gar nicht mehr. Wollen wir uns über einen Ort informieren, suchen wir nach dem Hashtag auf Instagram. Wie „leicht“ uns das Leben mittlerweile gemacht wird. Wir werden immer ungeduldiger und schon fast nervös, wenn wir mal kein WLAN oder Netz haben. Wir haben verlernt zu warten, uns miteinander zu unterhalten, ohne aufs Handy zu sehen.

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Die Touristenschlange für das perfekte Instabildchen vor dem Pura Lempuyang Tempel auf Bali.

Zurück zum Tourismus. All diese technischen Fortschritte, die uns das Leben heutzutage so sehr erleichtern, führen dazu, dass das Reisen an sich schneller und einfacher wird. Die logische Konsequenz ist, dass immer mehr Menschen reisen wollen. Da Fliegen und Reisen immer günstiger wird und auch viele Menschen mehr Geld für ihre Freizeit zur Verfügung haben, wächst der Tourismus stetig an. Besonders stark ist mir dies in Neuseeland und auf Bali (Indonesien) bewusst geworden. Viele Chinesen aus dem Mittelstand und auch Neureiche entdecken momentan die Welt für sich. Sie haben nicht viel Zeit, um Urlaub zu machen und sind bereit, ungeheure Preise zu zahlen. Unter anderem ein Grund, warum Aktivitäten und Ausflüge in Neuseeland teilweise unbezahlbar für „normale“ Touristen aus Europa geworden sind.

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Der Kelingking Beach auf Nusa Penida (Indonesien) von oben, und ohne Touristenmassen.

Warum nur wollen wir das? Reisen, anderen zeigen, wo wir sind? Manchmal scheint es so, als wolle man die Welt für sich, wenn auch nur für bestimmte Zeit, an sich reißen. Wenn ich ans Reisen denke, dann kommen mir diese Gedanken in den Kopf: „Vielleicht ist in 20 Jahren schon alles kaputt, gerodet, vermüllt. Ich möchte die Welt jetzt noch sehen, bevor sie zu Grunde geht. Ich will auch sehen können, was meine Freundin, Schwester, Tante gesehen hat. Man lebt nur einmal. Jetzt hast du die Chance dazu, das zu tun, ergreife sie! Es gibt so viel zu entdecken auf der Welt.“ – Wie selbstsüchtig und egoistisch, ich weiß. Und trotzdem einfach die bittere Wahrheit. Und dabei bin ich sicher nicht die Einzige, die so denkt.

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Früh aufstehen lohnt sich: Hier am Milford Sound auf der Südinsel Neuseelands.

Reisen ist ein Luxus, den man sich gönnen möchte. Es ist eine Art materieller Wert, der immer bleibt, der einem nicht mehr genommen werden kann. Es ist, als würde man sich Erinnerungen kaufen. Ich muss dabei an Instagram-Sprüche wie „Travel as much as you can“, „Travel is the only thing you can buy that makes you richer” oder “The world is a book and those who do not travel, only read a page of it” denken, bei denen sich mir der Magen verdreht.

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Sonnenuntergänge in den Backwaters von Kerala, im Süden Indiens (Vembanad Lake Alleppey).

Was mich neben der Schnelligkeit am meisten schockiert, sind die Massen an Touristen und der Müll, der produziert wird. Frühere Paradies-Inseln wie Ibiza, Mallorca oder Gili Trawangan in Indonesien haben sich innerhalb weniger Jahre zu vermüllten Partyinseln entwickelt. Es hat mich angewidert, die hauptsächlich männlichen, schmierigen Partytouristen auf den Gili-Inseln zu beobachten. Es sah aus, als würden sie mit dem Anspruch anreisen, sich hier alles nehmen zu können, was sie wollen. Egal ob Alkohol, Sex oder Frauen. Alles gehört ihnen und nichts ist ihnen peinlich. Zwei Wochen voll einen drauf machen und dann weg. Dieser Anspruch, sich mit Geld alles erkaufen und erlauben zu dürfen, macht dabei einiges kaputt. Da die Lebensunterhaltskosten in fast allen Ländern in Südostasien (noch) extrem günstig sind, ist es in den letzten Jahren zu einem beliebten Pilgerziel für sogenannte Backpacker (Rucksacktouristen) aus Europa und westlich geprägten Ländern geworden, die nach dem Abitur oder Studium noch einmal etwas „erleben“ wollen, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Die schönen Maori Rock Carvings am Lake Taupo auf der Nordinsel Neuseelands.

Wenn ich meinen ehemaligen Schulfreunden von meinem Austauschjahr in Indien, Begriffe wie „gap year“ und „work and travel“ versuche zu erklären, verstehen sie nicht, was ich meine und sehen mich ratlos an. Für 99,9 Prozent meiner Freunde dort würde so etwas nie in Frage kommen. Nicht unbedingt wegen dem Kostenpunkt, sondern weil die Prinzipien ihrer Gesellschaft es nicht zulassen würden, sich einfach mal so ein Jahr auf die faule Haut zu legen. Schule, College, Arbeit, Heirat, Kinder kriegen und großziehen – so sieht deren Lebensplanung aus. Kein Platz, keine Zeit für Persönlichkeitsentwicklung und „Horizont erweitern“. Ich fühle mich schlecht bei dem Gedanken, dass ich mir so etwas leisten kann und sie nicht. Und gleichzeitig genieße ich die Zeit und bin stolz auf mich, dass ich es durchziehe und so fleißig dafür gespart habe. Man stirbt ja eh viel zu früh.

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Schaukeln über den Reisterassen in Tegalalang. Na, wer von euch war auch schon hier? Ertappt.

Was mit der heutigen Schnelllebigkeit und dem Massentourismus einher geht sind schlechtere Bildungs- und Entwicklungschancen für Einheimische. Klar, den Ländern geht es durch den anwachsenden Tourismus auf den ersten Blick gut, die vielen Arbeitsplätze in der Gastronomie kurbeln die Wirtschaft an. Doch viele sehen in dem Tourismus auch das schnelle Geld, was oft dazu führt, das Kinder, die eigentlich zur Schule gehen sollten, an Sehenswürdigkeiten Postkarten und Schmuck verkaufen und gebildete Jugendliche kein Studium aufnehmen, sondern lieber als Barkeeper arbeiten, weil sie so gut Englisch sprechen.

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Na, wo ist dieses Bild entstanden? Richtig: Im (teuren) Land der Hobbits, Matamata Movie Set.

Ich weiß, mein Text kommt mal wieder wie eine Moralpredigt daher und man kann diese ohnehin nicht ernst nehmen, weil ich genau das gemacht habe, was ich hier gerade so kritisiere. Doch – kitschig wie es klingen mag – die letzten zehn Monate haben mir die Augen geöffnet. Könnte ich die Reise noch einmal machen und hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich nur über Land und per Zug, Bus oder Anhalter gereist. Ich hätte darauf geachtet, ökologische Anbieter bei Touren zu unterstützen und ich würde keine günstige Dolphin oder Whale Watching Tour mit hundert anderen Booten auf dem Wasser mehr mitmachen. Ich würde darauf achten, wenig bis gar keinen Müll mehr zu produzieren und zu recyceln. Die Reise hat mich auch viel gelehrt, wie ich zuhause in Zukunft leben möchte. Ich will bewusster und achtsamer mit meiner Umwelt umgehen. Mit mir. Ich möchte darauf achten, nachhaltig und verpackungsfrei einzukaufen und zu leben. Faire Mode zu tragen. So viel wie möglich selbst machen und herstellen. Second Hand Kleidung und Möbel einkaufen (scheiß auf IKEA, das hat echt jeder!).

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Nächster Touristenmagnet: Die Nine Arch Bridge in Demodara bei Ella, im Herzen Sri Lankas.

Ich weiß, das mag vielleicht sehr hipster und nach „oh, sie kommt erleuchtet aus ihrem Auslandsjahr zurück“ klingen. Aber denkt mal drüber nach, was ihr in eurem Alltag umstellen könnt. Es gibt so viele kleine Dinge, die nicht viel Zeit und Umdenken in Anspruch nehmen, und die jeder Einzelne von uns machen kann. Nimm einen Korb mit zum Einkaufen, fahr mit dem Rad in die Uni oder Arbeit, häng deine Wäsche mit der Hand auf anstatt sie schnell in den Trockner zu stopfen, dusche fünf anstatt zehn Minuten oder iss einmal weniger pro Woche Fleisch, und es wäre schon so viel getan! Ich weiß, viele von euch denken sich „was kann ich als Einzelner schon ändern“ oder „es bringt der Welt auch nichts, wenn wir Europäer uns ändern, Amerikaner und Asiaten aber weiterhin die Umwelt vermüllen“.

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Sunrise am Adams Peak: Die warmen Sonnenstrahlen belohnen den Aufstieg im Dunklen.

Aber dem ist nicht unbedingt so! Überlegt mal, was wir Europäer für einen Einfluss auf die anderen haben. Zum einen kann man Vorbild sein und eine Message an andere übertragen. Zum anderen tragen wir mit unserem Verhalten dazu bei, wie es in diesen Ländern in Zukunft aussehen wird. Denn wenn wir weiterhin nach Malle und Co. pilgern, um unsere eine Woche 500 Euro-Pauschalurlaub im Jahr einzufordern, sind wir mitunter verantwortlich für die Umweltverschmutzung dort.

Wir können mit entscheiden und beeinflussen, welche Ware wir aus Asien oder Amerika kaufen und dorthin exportieren. Wir können durchsetzen, ob wir diesen zerstörerischen Massentourismus und die damit einhergehenden Folgen weiter unterstützen wollen oder nicht. Hört auf Entschuldigungen für euer bequemes Verhalten zu finden und fangt endlich an, zu handeln! Danke.

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Um den Menschenmassen zu entgehen, muss man Sonnenaufgangwanderungen in Kauf nehmen. Dieses Bild ist am Roys Peak in Wanaka (Neuseeland) entstanden, gegen 4 Uhr morgens.

 

Nahtlos reisen

Der Flughafen München will die Digitalisierung nutzen, um die Servicequalität zu steigern und neue Geschäftsmodelle zu erschließen

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Mit der App „Passngr“ soll das Reisen am Flughafen noch angenehmer werden.            Quelle: Flughafen München

„Die Digitalisierung ist ein Schritt, den wir machen wollen, um unser Bestandsgeschäft abzusichern und neues Geschäft zu ermöglichen“, sagt Michael Zaddach, Leiter des Servicebereichs IT am Münchner Flughafen. Zusammen mit anderen Abteilungen hat er eine Digitalisierungsstrategie für den Flughafen erarbeitet, durch die man neue Geschäftsmodelle erschließen, das Kundenerlebnis verändern und Umsatzpotenziale ausschöpfen möchte. Unter anderem wurde dabei für die Kunden eine Reise-App konzipiert, die den Aufenthalt am Flughafen noch angenehmer machen soll.

Täglich passieren rund 110 000 Reisende den Flughafen München, mittlerweile sind es 41 Millionen pro Jahr. Als zweitgrößter Flughafen Deutschlands nach Frankfurt zählt er zu den größten Luftfahrt-Drehkreuzen Europas. Eine gute Organisation ist dabei gefragt. Diese steht und fällt mit der Digitalisierung: „Sämtliche Prozesse am Flughafen werden effektiv durch die IT unterstützt, seien es Softwareprogramme oder die Informationen zu startenden und landenden Flugzeugen“, erklärt Zaddach. „Für einen reibungslosen Ablauf am Flughafen sind wir auf die hundertprozentige Verfügbarkeit der IT angewiesen.“ Mittlerweile spielt jedoch nicht nur die interne, sondern auch die externe Digitalisierung eine wichtige Rolle für den Flughafen. Das bedeutet, dass die digitale Entwicklung nicht nur für die internen Arbeitsprozesse im Unternehmen genutzt wird, sondern auch, um den Endkunden „digital“ ansprechen zu können.

Entspannteres Reisen mit der AppPassngr

Dies will man erreichen, indem man personalisierte, relevante Informationen, die man beispielsweise über das Flugticket oder den Parkschein erhält, nutzt, um den Aufenthalt des Kunden am Flughafen durch effizientere Prozesse noch entspannter zu machen. Mit der Reise-App „Passngr“, die übergreifend für mehrere Flughäfen konzipiert ist, werden Passagiere demnächst so alles Organisatorische – von der Planung über die Bezahlung bis hin zur Navigation im Flughafen – mobil erledigen können. Eine erste Version der App ist bereits verfügbar, es wird aber schon an weiteren Funktionen gearbeitet. Die App dient dem Kunden gleichsam als „Wegweiser“: Sie meldet Änderungen der Flugzeiten oder des Gates, gibt Infos zu Warteschlangen und zum Wetter am Reiseziel, zeigt Restaurants und Läden in der Nähe an. Der Reisende kann seine Flüge so bequem verwalten und ist immer auf dem neuesten Stand.

Michael Zaddach nennt dazu folgendes Beispiel: „Ein Geschäftsmann landet um 5.30 Uhr morgens am Flughafen München. Die App bietet ihm zum Beispiel an, eine Dusche zu buchen, um wieder fit fürs nächste Meeting am Vormittag zu sein.“ Die Reise-App passe sich so immer an die jeweilige Situation des Passagiers an. Dieses Konzept nennt sich „Seamless Travel“, was auf Deutsch nicht mehr als „nahtlos reisen“ bedeutet.

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Michael Zaddach (links) und Manfred Zötl sind sich sicher, dass durch die App „Passngr“ ein entspannteres Reisen möglich ist. 

Ein weiteres Ziel, das man mit der Reise-App ins Auge fasse, sei das Pilotprojekt, den Kunden durch seine Flugnummer zu dem am günstigsten gelegenen Parkhaus zu navigieren, sodass er nur einen kurzen Fußweg zurücklegen müsse, sagt Zaddach. „Bisher kannten wir unseren Kunden, den Passagier, nicht wirklich“, erzählt der IT-Chef: „Man hat sein Ticket gebucht, hat am Flughafen geparkt und sich auf die Reise gemacht.“ Damals waren Vorgänge wie das Parken, der Check-in, die Sicherheitskontrolle oder das Einkaufen an sich einzelne, voneinander getrennte Stationen. Nun wurde all dies verknüpft, um die Reiseinfos und Daten für die Kunden und die digitalen Kanäle wie die „Passngr“-App integrativ nutzen zu können.
„Es war eine große Herausforderung für den IT-Bereich, all diese Infos zu verbinden“, erklärt Zaddach. Doch die Arbeit soll sich lohnen: Mit der Verknüpfung erhofft sich die FMG, bessere Informationen an die Kunden weitergeben und neue Geschäftsmodelle erschließen zu können. Die Kundenansprache über digitale Kanäle ist deshalb sehr wichtig: Durch auf den Passagier individuell zugeschnittene Informationen lassen sich Abfertigungsprozesse verbessern, die wiederum zu einem entspannteren Reisevorgang führen, was die Kaufbereitschaft der Kunden steigern und ein außergewöhnliches Erlebnis am Flughafen schaffen soll.

Digitalisierung als neues Geschäftsmodell

Dies könnte sich für den Flughafen auszahlen, da das Non-Aviation-Business (jeglicher Umsatz, der nicht durch das reine Fluggeschäft erwirtschaftet wird, wie zum Beispiel Parken, Gastronomie und Einzelhandel) mittlerweile 49 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmacht; dieser Bereich bietet die größten Wachstumschancen in der Zukunft. Umsatzquelle ist hier der Passagier. Durch die Digitalisierungsstrategie will man so nicht nur die Qualität für Kunden steigern, sondern auch das Geschäft ankurbeln. Beide Komponenten sollen jedoch in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, andernfalls funktioniere das Konzept „Seamless Travel“ nicht, meint Zaddach. Aus diesem Grund wird auf der App auch nicht aktiv Werbung geschaltet, schließlich möchte man den Kunden nicht nerven und mit Spam belasten. Schlüssel zur Kommunikation mit dem mobilen Nutzer ist das unbegrenzte Free-WiFi-Angebot am Flughafen.

Nicht nur über die App, sondern auch über andere digitale Kanäle will der Flughafen seine Kunden erreichen. So werden Informationen zudem über Internetportale, per E-Mail oder SMS und auf Bildschirmen im Terminal weitergegeben. Auch bei Letzterem schwebt Zaddach bereits ein Geschäftsmodell vor: „Wenn Chinesen nach Deutschland reisen, steht häufig ganz oben auf ihrer Einkaufsliste ein Topf von WMF.“ Sollte also ein Flugzeug aus Peking landen, könnte man gleich mit den entsprechenden Angeboten auf den Monitoren in der Nähe des Ankunftsgates werben und die Kunden ins Geschäft locken.

Hohe Servicequalität durchInfoGates

Ein weiteres Instrument, das der Flughafen zur Kommunikation mit seinen Kunden nutzt, sind die „InfoGates“. Dies sind digitale Schalter, die an unterschiedlichen Plätzen in den Terminals stehen. Über einen Knopf kann man sich einen persönlichen Berater in seiner Muttersprache auf den Bildschirm zuschalten, der einem beispielsweise hilft, den Weg zu finden oder einen Lageplan mit der Wegbeschreibung ausdruckt. Zudem kann man sein Ticket scannen, um Infos zum Gate oder zu Shops zu erhalten.

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An den „InfoGates“ erhalten Passagiere Infos über ihren Flug sowie zu Shops im Flughafengebäude.     Quelle: Flughafen München

Damit wurde ein innovatives System zur Kundeninformation und Wegeführung für den Flughafen entwickelt, welches sich bewährt hat und heute sogar als modulares Infosystem für viele Branchen zur Verfügung steht. Als Tochterfirma der FMG verkauft die InfoGate Information Systems GmbH mittlerweile sogar Geräte an andere Flughäfen sowie diverse Einkaufszentren in Deutschland und der Welt. Manfred Zötl, Geschäftsführer der Info Gate Information Systems GmbH, unterstreicht die Vorteile der InfoGates: „Das System ist bestens auf die Bedürfnisse und Anforderungen von morgen ausgerichtet. Neue Informationspunkte können ohne zusätzliches Personal geschaffen werden, wobei die Informationsdichte und Servicequalität erhöht werden.“

Für die Zukunft heißt es nun, all die Inhalte, die mittels der Digitalisierungsstrategie entwickelt wurden, zu pflegen und Services zu definieren. „Die Digitalisierung ist keine reine IT-Sache“, sagt Michael Zaddach. Auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Prozesspartnern am Flughafen wird sich verändern. Die Nutzung aller Passagierinformationen muss ermöglicht und organisiert werden. Zudem will man die Systeme und Apps ständig optimieren.

Für die FMG und die IT-Abteilung war der Schritt zur externen Digitalisierung „kein Riesen-Projekt, kein Big-Bang“, wie Zaddach es formuliert. Man habe sich mit kleinen Schritten vorangearbeitet und vieles ausprobiert. Für die Reise-App, die seit Juli in Betrieb ist, habe man deshalb auch noch nicht aktiv geworben, sondern teste die Akzeptanz zunächst in einem eingeschränkten Nutzerkreis. Das sei wichtig, sagt Zaddach, denn man könne die Passagierakzeptanz nicht immer vorhersehen und müsse Dinge ausprobieren. Die Digitalisierung sei nur ein kleiner, weiterer Teil, der zu dem großen Puzzle „Erlebniswelt Airport“ beitrage, meint Zaddach, denn „wir wollen immer einen Schritt voraus sein“.

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Mit der Reiseapp „Passngr“ werden Passagiere demnächst alles Organisatorische – von der Planung über die Bezahlung bis hin zur Navigation im Flughafen – mobil erledigen können.      Quelle: Flughafen München