Instagram vs. Reality

Wie soziale Netzwerke und ihr verzerrtes Weltbild zum Klimawandel beitragen (Archivtext von Juni 2018 überarbeitet)

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Alleine über den Wolken? No way. 100 andere Backpacker waren mit mir auf dem Adams Peak.

Ich weiß nicht, wie ich mit diesem Artikel beginnen soll. Es sind Gedanken, die mich seit längerem beschäftigen und immer wieder erkenne ich meine eigene Rolle in dem Ganzen und wie ich selbst Teil des Problems bin. Ich weiß nicht einmal, wie ich das Thema benennen soll. Ist es unsere Gesellschaft, unsere Generation? Der Fortschritt oder die Technologie? Ist es unsere Ungeduld, unser Hunger nach mehr. Ich versuche euch zu erklären, was ich meine. Ich war 2017-2018 knapp zehn Monate auf “Weltreise” (ich hasse dieses Wort, weil es in meinem Kopf ein reiches Kind suggeriert, das nach seinem Abitur Geld und ein Around-The-World-Ticket von den Eltern geschenkt bekommen hat und nun unbekümmert Selfies von überall postet, aber dazu später mehr.)

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In Indien (meine zweite Heimat) hat unsere Weltreise begonnen. Bucket List: Das Taj Mahal.

Wir sind Mitte September mit einem One-Way-Ticket nach Indien geflogen. Nein, nicht um in ein Ashram zu gehen und nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Ich habe mich bereits im Vorfeld unserer Reise schlecht dabei gefühlt, dafür so viel fliegen zu müssen. Dazu muss man sagen, dass ich aus einer sehr lebendigen Familie komme, in der viel diskutiert wird und jeder starke Standpunkte vertritt. Mein Bruder und meine Schwester steigen nicht mehr in ein Flugzeug, um die Umwelt zu schützen. Mein Vater lebt vegan und predigt Thesen über den Klimawandel. Ich vertrete dieselben Standpunkte wie meine Geschwister, versuche so gut es geht auf Fleisch zu verzichten und mich umweltbewusst zu ernähren und verhalten. Dennoch will ich mir nicht die Freiheit nehmen lassen, unsere Welt zu entdecken und bereisen. Ich weiß, das ist ein Widerspruch. Und mit meinem Verhalten trage ich nicht gerade zu einer Besserung des Problems bei, im Gegenteil. Ich beschleunige es. Ich poste schöne Urlaubsbilder auf Instagram, die meinen Freunden und Followern suggerieren, was für ein tolles Jetset-Life ich doch führe und wie schön es an all diesen Orten ist. Der ein oder andere möchte sich dann vielleicht auch das Recht herausnehmen, dasselbe erleben zu dürfen und bucht sein Flugticket. Klick.

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Die berühmte Bodnath Stupa im Herzen von Kathmandu, Nepal. (alle Fotos: Laura Schindler)

Darauf möchte ich eigentlich hinaus. Die Welt und wie wir sie wahrnehmen. Denn was meine Freunde auf Instagram sehen, sind die schönen Bilder am Pool, vor dem Taj Mahal, am Gipfel eines Berges oder auf einer einsamen, paradiesischen Insel. Was sie jedoch nicht sehen, sind die höllischen Fahrten in einem schwülen Bus, eingequetscht mit anderen, schwitzenden Reisenden, die wartende Schlange am „Instagram-Fotopunkt“, den anstrengenden Weg bis zum Gipfel oder das Schleppen des schweren Rucksacks quer durch die Stadt bis zur Unterkunft bei 40 Grad plus.

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Pflichtbild am Strand von Gili Trawangan (Indonesien) – die Herzen sind ein Tourimagnet.

Die Bilder vermitteln aber noch viel mehr. Sie sagen: Schau her, was ich mir leisten kann, was ich aus meinem Leben mache. Guck dir an, wie toll das ist. Was ich habe und du nicht. Du stehst links und ich rechts. Und irgendwo ist es ja genau das, was wir unterbewusst (unbewusst) wollen. Wir wollen wahrgenommen, geschätzt, respektiert, akzeptiert, bewundert und geliebt werden. Das liegt in der menschlichen Natur. Ist es also verwerflich, diese Bilder auf Instagram zu posten? Ich weiß es nicht. Ich möchte einerseits, dass meine Freunde sehen, wo ich bin und andererseits möchte ich unsere Umwelt schützen. Das passt nicht zusammen. Wenn ich radikal wäre, dann müsste es heißen: ganz oder gar nicht. Entweder kein Instagram oder keinen auf Umweltschützer machen. ‚Aber geht nicht auch beides?‘, würde jetzt mein verzweifeltes Ego sagen.
Eine richtige Zwickmühle. Momentan poste ich jedenfalls noch fleißig auf Instagram und jedes Bild ist ein Stich in die Magengrube für mein gespaltenes Ich. Denn bei jedem Mal schießen mir auch diese Gedanken in den Kopf: Vor drei Jahren war an diesem Ort noch nichts los und es lag vermutlich längst nicht so viel Plastikmüll herum wie jetzt.

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Nach mir die Sintflut: Ich weiß, dass ich Teil des Problems war und wohl immer noch bin.

Und: Auch ich bin hauptsächlich durch Instagram an diesen Ort navigiert worden.
Ich mache das Ganze mit meinem Verhalten kein Stück besser und trage eher dazu bei, dass es in Zukunft noch schlimmer werden wird. Nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut! Scheiß drauf, ich hab’s ja schon gesehen.“ Dieser Gedanke widert mich an. Touristen widern mich an. Asiaten, die jeden Preis für das eine perfekte Foto zahlen und in Scharen in Touribussen alle Instagram-Punkte abklappern. Und doch muss ich mir eingestehen: Du bist auch hier und du bist Teil des Problems. Was mich an dem Ganzen am meisten schockiert, ist das Tempo des Tourismus sowie die Gleichgültigkeit der Touristen, aber auch der Einheimischen. Mittlerweile geht alles so unglaublich schnell und unkompliziert. Das Flugticket hat man innerhalb weniger Minuten am Handy gekauft, wofür man früher wohl zwei Stunden im Reisebüro gesessen wäre. Das Essen wird ebenso per App ins Airbnb bestellt. Dasselbe mit Sightseeing und Transport. Wollen wir etwas wissen, googeln wir es. Innerhalb von Sekunden bekommen wir die gewünschte Antwort. Das Gehirn kennt den Reiz, richtig zu grübeln und überlegen, um ans Ziel zu kommen, schon gar nicht mehr. Wollen wir uns über einen Ort informieren, suchen wir nach dem Hashtag auf Instagram. Wie „leicht“ uns das Leben mittlerweile gemacht wird. Wir werden immer ungeduldiger und schon fast nervös, wenn wir mal kein WLAN oder Netz haben. Wir haben verlernt zu warten, uns miteinander zu unterhalten, ohne aufs Handy zu sehen.

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Die Touristenschlange für das perfekte Instabildchen vor dem Pura Lempuyang Tempel auf Bali.

Zurück zum Tourismus. All diese technischen Fortschritte, die uns das Leben heutzutage so sehr erleichtern, führen dazu, dass das Reisen an sich schneller und einfacher wird. Die logische Konsequenz ist, dass immer mehr Menschen reisen wollen. Da Fliegen und Reisen immer günstiger wird und auch viele Menschen mehr Geld für ihre Freizeit zur Verfügung haben, wächst der Tourismus stetig an. Besonders stark ist mir dies in Neuseeland und auf Bali (Indonesien) bewusst geworden. Viele Chinesen aus dem Mittelstand und auch Neureiche entdecken momentan die Welt für sich. Sie haben nicht viel Zeit, um Urlaub zu machen und sind bereit, ungeheure Preise zu zahlen. Unter anderem ein Grund, warum Aktivitäten und Ausflüge in Neuseeland teilweise unbezahlbar für „normale“ Touristen aus Europa geworden sind.

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Der Kelingking Beach auf Nusa Penida (Indonesien) von oben, und ohne Touristenmassen.

Warum nur wollen wir das? Reisen, anderen zeigen, wo wir sind? Manchmal scheint es so, als wolle man die Welt für sich, wenn auch nur für bestimmte Zeit, an sich reißen. Wenn ich ans Reisen denke, dann kommen mir diese Gedanken in den Kopf: „Vielleicht ist in 20 Jahren schon alles kaputt, gerodet, vermüllt. Ich möchte die Welt jetzt noch sehen, bevor sie zu Grunde geht. Ich will auch sehen können, was meine Freundin, Schwester, Tante gesehen hat. Man lebt nur einmal. Jetzt hast du die Chance dazu, das zu tun, ergreife sie! Es gibt so viel zu entdecken auf der Welt.“ – Wie selbstsüchtig und egoistisch, ich weiß. Und trotzdem einfach die bittere Wahrheit. Und dabei bin ich sicher nicht die Einzige, die so denkt.

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Früh aufstehen lohnt sich: Hier am Milford Sound auf der Südinsel Neuseelands.

Reisen ist ein Luxus, den man sich gönnen möchte. Es ist eine Art materieller Wert, der immer bleibt, der einem nicht mehr genommen werden kann. Es ist, als würde man sich Erinnerungen kaufen. Ich muss dabei an Instagram-Sprüche wie „Travel as much as you can“, „Travel is the only thing you can buy that makes you richer” oder “The world is a book and those who do not travel, only read a page of it” denken, bei denen sich mir der Magen verdreht.

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Sonnenuntergänge in den Backwaters von Kerala, im Süden Indiens (Vembanad Lake Alleppey).

Was mich neben der Schnelligkeit am meisten schockiert, sind die Massen an Touristen und der Müll, der produziert wird. Frühere Paradies-Inseln wie Ibiza, Mallorca oder Gili Trawangan in Indonesien haben sich innerhalb weniger Jahre zu vermüllten Partyinseln entwickelt. Es hat mich angewidert, die hauptsächlich männlichen, schmierigen Partytouristen auf den Gili-Inseln zu beobachten. Es sah aus, als würden sie mit dem Anspruch anreisen, sich hier alles nehmen zu können, was sie wollen. Egal ob Alkohol, Sex oder Frauen. Alles gehört ihnen und nichts ist ihnen peinlich. Zwei Wochen voll einen drauf machen und dann weg. Dieser Anspruch, sich mit Geld alles erkaufen und erlauben zu dürfen, macht dabei einiges kaputt. Da die Lebensunterhaltskosten in fast allen Ländern in Südostasien (noch) extrem günstig sind, ist es in den letzten Jahren zu einem beliebten Pilgerziel für sogenannte Backpacker (Rucksacktouristen) aus Europa und westlich geprägten Ländern geworden, die nach dem Abitur oder Studium noch einmal etwas „erleben“ wollen, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Die schönen Maori Rock Carvings am Lake Taupo auf der Nordinsel Neuseelands.

Wenn ich meinen ehemaligen Schulfreunden von meinem Austauschjahr in Indien, Begriffe wie „gap year“ und „work and travel“ versuche zu erklären, verstehen sie nicht, was ich meine und sehen mich ratlos an. Für 99,9 Prozent meiner Freunde dort würde so etwas nie in Frage kommen. Nicht unbedingt wegen dem Kostenpunkt, sondern weil die Prinzipien ihrer Gesellschaft es nicht zulassen würden, sich einfach mal so ein Jahr auf die faule Haut zu legen. Schule, College, Arbeit, Heirat, Kinder kriegen und großziehen – so sieht deren Lebensplanung aus. Kein Platz, keine Zeit für Persönlichkeitsentwicklung und „Horizont erweitern“. Ich fühle mich schlecht bei dem Gedanken, dass ich mir so etwas leisten kann und sie nicht. Und gleichzeitig genieße ich die Zeit und bin stolz auf mich, dass ich es durchziehe und so fleißig dafür gespart habe. Man stirbt ja eh viel zu früh.

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Schaukeln über den Reisterassen in Tegalalang. Na, wer von euch war auch schon hier? Ertappt.

Was mit der heutigen Schnelllebigkeit und dem Massentourismus einher geht sind schlechtere Bildungs- und Entwicklungschancen für Einheimische. Klar, den Ländern geht es durch den anwachsenden Tourismus auf den ersten Blick gut, die vielen Arbeitsplätze in der Gastronomie kurbeln die Wirtschaft an. Doch viele sehen in dem Tourismus auch das schnelle Geld, was oft dazu führt, das Kinder, die eigentlich zur Schule gehen sollten, an Sehenswürdigkeiten Postkarten und Schmuck verkaufen und gebildete Jugendliche kein Studium aufnehmen, sondern lieber als Barkeeper arbeiten, weil sie so gut Englisch sprechen.

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Na, wo ist dieses Bild entstanden? Richtig: Im (teuren) Land der Hobbits, Matamata Movie Set.

Ich weiß, mein Text kommt mal wieder wie eine Moralpredigt daher und man kann diese ohnehin nicht ernst nehmen, weil ich genau das gemacht habe, was ich hier gerade so kritisiere. Doch – kitschig wie es klingen mag – die letzten zehn Monate haben mir die Augen geöffnet. Könnte ich die Reise noch einmal machen und hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich nur über Land und per Zug, Bus oder Anhalter gereist. Ich hätte darauf geachtet, ökologische Anbieter bei Touren zu unterstützen und ich würde keine günstige Dolphin oder Whale Watching Tour mit hundert anderen Booten auf dem Wasser mehr mitmachen. Ich würde darauf achten, wenig bis gar keinen Müll mehr zu produzieren und zu recyceln. Die Reise hat mich auch viel gelehrt, wie ich zuhause in Zukunft leben möchte. Ich will bewusster und achtsamer mit meiner Umwelt umgehen. Mit mir. Ich möchte darauf achten, nachhaltig und verpackungsfrei einzukaufen und zu leben. Faire Mode zu tragen. So viel wie möglich selbst machen und herstellen. Second Hand Kleidung und Möbel einkaufen (scheiß auf IKEA, das hat echt jeder!).

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Nächster Touristenmagnet: Die Nine Arch Bridge in Demodara bei Ella, im Herzen Sri Lankas.

Ich weiß, das mag vielleicht sehr hipster und nach „oh, sie kommt erleuchtet aus ihrem Auslandsjahr zurück“ klingen. Aber denkt mal drüber nach, was ihr in eurem Alltag umstellen könnt. Es gibt so viele kleine Dinge, die nicht viel Zeit und Umdenken in Anspruch nehmen, und die jeder Einzelne von uns machen kann. Nimm einen Korb mit zum Einkaufen, fahr mit dem Rad in die Uni oder Arbeit, häng deine Wäsche mit der Hand auf anstatt sie schnell in den Trockner zu stopfen, dusche fünf anstatt zehn Minuten oder iss einmal weniger pro Woche Fleisch, und es wäre schon so viel getan! Ich weiß, viele von euch denken sich „was kann ich als Einzelner schon ändern“ oder „es bringt der Welt auch nichts, wenn wir Europäer uns ändern, Amerikaner und Asiaten aber weiterhin die Umwelt vermüllen“.

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Sunrise am Adams Peak: Die warmen Sonnenstrahlen belohnen den Aufstieg im Dunklen.

Aber dem ist nicht unbedingt so! Überlegt mal, was wir Europäer für einen Einfluss auf die anderen haben. Zum einen kann man Vorbild sein und eine Message an andere übertragen. Zum anderen tragen wir mit unserem Verhalten dazu bei, wie es in diesen Ländern in Zukunft aussehen wird. Denn wenn wir weiterhin nach Malle und Co. pilgern, um unsere eine Woche 500 Euro-Pauschalurlaub im Jahr einzufordern, sind wir mitunter verantwortlich für die Umweltverschmutzung dort.

Wir können mit entscheiden und beeinflussen, welche Ware wir aus Asien oder Amerika kaufen und dorthin exportieren. Wir können durchsetzen, ob wir diesen zerstörerischen Massentourismus und die damit einhergehenden Folgen weiter unterstützen wollen oder nicht. Hört auf Entschuldigungen für euer bequemes Verhalten zu finden und fangt endlich an, zu handeln! Danke.

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Um den Menschenmassen zu entgehen, muss man Sonnenaufgangwanderungen in Kauf nehmen. Dieses Bild ist am Roys Peak in Wanaka (Neuseeland) entstanden, gegen 4 Uhr morgens.

 

Sleeping Cities: Mein Oaky hat Semesterferien …

Man sagt, Eichstätt bestünde nur aus Studenten und Dozenten, aus Rentnern und Professoren. Zwischendrin vielleicht ein paar Familien, aber mehr auch nicht. Das Leben im Herzen Eichstätts wird seit Jahren von wenigen Nischenläden, Cafés und Bäckereien aufrecht erhalten, daneben gibt es viele Restaurants, die fast immer voll besetzt sind. Recht viel mehr gibt es hier sonst nicht.

Für Studenten spannend sind die Theke, der Nachtwächter und wenn man wirklich eskalieren möchte, die Dorfdisco DASDA. „Eichstätt ist, was du draus machst“, sagen die Studenten, und so ist es. Die wahren Partys finden im Untergrund statt.

Und dennoch ist Eichstätt liebenswert. Insbesondere, wenn man Münchens lautem Verkehr und Stress entgehen möchte – kurzum, wenn man Zeit zum Runterfahren braucht. Insbesondere zu Corona-Zeiten bietet sich ein Aufenthalt in Eichstätt an (vorausgesetzt man wohnt in der Stadt), denn geändert hat sich hier nicht viel.

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Hier geht’s zum Original-Artikel der Fotoserie auf Zeitjung.de.

 

30 celebrities with bipolar disorder

You thought you’re alone? The only one with these crazy mood swings? No, let me calm you down. Today morning I woke up with this idea: I’ll go and google all celebrities I know and like who are affected with bipolar disorder. Here are my personal VIPs.

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1. Prinz Pi (Friedrich Kautz – german rapper).

2. Kurt Cobain (singer/songwriter for Nirvana).

3. Vincent Van Gogh (dutch painter).

4. Jimi Hendrix (american legend).

5. Dolores O’Riordan (lead singer of The Cranberries).

6. Kanye West (american rapper).

7. Ernest Hemingway (american author).

8. Yo Yo Honey Singh (indian multi talent).

9. Amy Winehouse (british heroine).

10. Winston Churchill (former british prime minister).

11. Sia Furler (australian singer/songwriter).

12. Charlie Sheen (american actor).

13. Britney Spears (american singer).

14. Robert Schumann (german musician).

15. Lily Allen (british singer).

16. Sting (singer, The Police).

17. Pete Wentz (Fall Out Boy).

18. Marilyn Monroe (american hollywood star).

19. Sinéad O’Connor (irish musician).

20. Russel Brand (british multi talent).

21. Frank Sinatra (american singer/entertainer).

22. Mel Gibson (american actor).

23. Edvard Munch (norwegian painter).

24. Demi Lovato (american singer).

25. Mariah Carey (american singer).

26. Carrie Fisher (american actrice).

27. Catherine Zeta-Jones (british actrice).

28. Chris Brown (american singer).

29. Ben Stiller (american actor).

30. Halsey (american singer).

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Living in the filter bubble

Seifenblasenwelt // Filter Bubble – heute aktueller denn je (Archivtext 2016)

Egal ob Flüchtlingsdebatte, Klimakrise oder jetzt Corona. Ihr kennt sie alle und seid mittlerweile gut mit ihr vertraut – der sogenannten Filter Bubble, die Blase, die wir uns in unserem Umfeld einerseits virtuell (durch soziale Netzwerke), aber auch in der Realität bilden. Lasst uns heute doch mal kurz ausbrechen aus der Blase!

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Auf meiner letzten Fortbildung gab es einen Tag, der sich dem Thema „Online-Journalismus“ widmete. Im Laufe des Tages stolperten wir dabei über den Begriff „Filter Bubble“. Dieser bedeutet, dass wir in den sozialen Medien alle mehr oder weniger in unserer eigenen „Seifenblasenwelt“ leben. Warum? Ganz einfach. Durch Facebook, Twitter und Co. manipulieren wir uns quasi selbst bzw. werden manipuliert. Wir steuern, was wir sehen wollen und umgekehrt werden uns die Inhalte zugesteuert. Uns werden hauptsächlich nur Inhalte von Seiten und Posts angezeigt, denen wir mal unser „Gefällt mir“ gegeben haben, die wir also „geliket“ haben. Was wir liken, merkt sich Facebook und schaltet uns so gezielt Werbung und ähnliche Inhalte zu. So bilden wir quasi unsere eigenen Filter und unsere Seifenblasenwelt. In einer Gesellschaft, in der sich die meisten jungen Menschen aber fast nur noch durch die Kanäle sozialer Medien über das aktuelle Tagesgeschehen informieren, ist das mehr als bedenklich. Ein Beispiel: Ein rechtsgesinnter Jugendlicher bekommt immer wieder flüchtlingsfeindliche Inhalte auf seiner Startseite angezeigt, Facebook merkt sich sein Like-Verhalten und reagiert dementsprechend. Auch sein soziales Umfeld auf Facebook teilt dieses Gedankengut. Der Jugendliche wird in seiner Haltung also immer wieder bekräftigt, da 90 Prozent der Artikel eine negative Haltung proklamieren – auch wenn die Realität vielleicht ganz anders aussieht.

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Stößt er mal auf einen anders bewerteten Artikel (die restlichen zehn Prozent), so ist er ganz klar der Meinung, dass das, was da drin steht, ja gar nicht stimmen kann, denn die 90 Prozent würden schließlich etwas ganz anderes behaupten (Lügenpresse ahoi). Dieser junge Mensch wird dann nur schwer von seiner Meinung abzubringen sein. Doch was heißt das konkret für uns? Das Phänomen der „Filter Bubble“ stellt eine große Gefahr für den Journalismus im Allgemeinen dar. Ist Objektivität im Zeitalter sozialer Medien überhaupt noch möglich? Sogar ich selbst habe mich an dem Tag dabei erwischt, in meiner eigenen „Filter Bubble“ festzusitzen. Zwar habe ich sehr viele Nachrichtenkanäle abonniert, aber mit Sicherheit nicht alle. Und dann wird mir trotzdem immer wieder meine Meinung zugespielt. Manchmal ist es dann vielleicht doch besser, wieder zur guten alten Printausgabe zu greifen und von hinten bis vorne objektive „nicht gesteuerte“ Nachrichten zu lesen.

Leben mit Migräne…

… oder: Wie mein erstes Konzert (One Republic) zum Horrortrip wurde.

(Die Migräne begleitet mich nun seit vielen Jahren durch mein tägliches Leben. Oft kann ich durch schwere Attacken nur beschränkt Leistung abrufen, schaffe weniger als an „normalen“ Tagen und als die anderen. An manchen Tagen legt mich die Migräne auch komplett lahm, sodass gar nichts mehr geht. Meist verlaufen diese Tage recht unspektakulär: Ich liege nur im Bett, mit dem Kopf auf der Seite des pochenden Schmerzes, mein Zimmer abgedunkelt. An einen Tag kann ich mich jedoch gut erinnern, weil ich im Nachhinein auch gerne darüber lache – ja, man glaubt es kaum!)

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Ich hatte mit einer guten Freundin Karten für ein One Republic Konzert in Nürnberg. Kurz bevor es so weit war, entschlossen wir uns dazu, mit einem Bekannten, den ich zuvor auf einem Festival kennengelernt hatte, auf das Konzert zu fahren. Seine Cousine wohnte zu der Zeit in Nürnberg, und er lud uns ein, dort mit ihm zu übernachten. Wir hatten einen richtig guten Abend, feierten zur Musik und tranken ein, zwei Bier und Jägermeister. Ein, zwei für mich zu viel. Denn ich hatte seit Wochen nichts mehr getrunken und war nicht mehr an den Alkohol gewöhnt, mein Kopf wohl auch nicht. Am nächsten Morgen gab er mir das auch zu spüren. Mir war übel (nein, kein Kater!) und ich konnte nicht aufstehen. Ich musste nur den kleinen Finger an meiner rechten Hand anheben und mir wurde kotzübel. Also erst mal liegen bleiben, abwarten und weiter ausruhen. Nach einiger Zeit, als ich mich wieder etwas bewegen konnte, stand ich auf und ging zum Klo. Natürlich war es schon wieder zu spät. Natürlich musste ich mich übergeben. In einer völlig fremden Wohnung. Gott, das war mir so peinlich! Nachdem unsere Gastgeberin uns a) völlig fremd und b) trotzdem unfassbar herzlich zu uns war.

Und wenn es einmal losgeht, dann hört es einfach nicht mehr auf. Es will nicht aufhören. Unsere liebe Gastgeberin machte Frühstück, wir saßen gemeinsam am Tisch und alle meinten, ich solle unbedingt etwas essen, das helfe. Bestimmt. Nein, sagte mein Kopf, den die Erfahrung etwas anderes gelehrt hatte. Aber gut, ich aß einen Bissen von meinem Toast mit Marmalade. Bumm. Ich musste aufstehen und direkt zum Klo. Ich kam zurück. Und musste wieder aufs Klo. Das ging so ein paar Stunden, bis sich mein Magen irgendwann etwas stabilisiert hatte und ich wieder in der Lage war, mein Auto sicher nach Hause zu fahren. Und all das geschah auch noch zwei Tage vor meiner Abgabe der Seminararbeit im Abiturjahr… Holy Migraine.

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Drei Wochen Delirium…

… oder: Wie es wirklich ist, stationär in der Psychiatrie (Klapse) zu chillen.

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Kathi hat Panikattacken. Philipp hat chronische Schmerzen an Auge, Nase und Mund – ihm tut alles weh, beim Sehen, Riechen und Sprechen. Simon hat Depressionen und Existenzängste, seine Freundin hat ihn bereits elf Mal betrogen, mit seinem besten Freund, dem Nachbarn und seinem Cousin. Mit ihr hat er zwei Söhne, zwölf und eineinhalb Jahre alt. Er hat Angst sie zu verlieren, sie droht ihm an, dass er seine Kinder nie wiedersehen darf, wenn er die Miete nicht bezahlt. Milena hat Schizophrenie und eine sehr ausgeprägte Zwangsneurose. Sie ist fast schon katatonisch, Mimik und Gestik sind nicht mehr vorhanden. Wenn sie spricht, bewegen sich nur ihre Lippen, der Rest bleibt starr, manchmal sieht sie aus wie ein Geist. Sie kann aus Angst vor Bakterien kaum etwas anfassen, hat deshalb große Schwierigkeiten sich auf einen Stuhl zu setzen, sich die Zähne zu putzen oder zu duschen. Manchmal braucht sie eine Stunde, um solche leichten Dinge zu bewältigen. Lisa hat vieles. Sie isst kaum etwas, leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, selbstverletzendem Verhalten und Depressionen. Mittlerweile wurde sogar Borderline bei ihr diagnostiziert. Thomas hat soziale Phobie. In seiner ersten Morgenrunde gab es deswegen gleich Streit, weil er nichts sagen wollte, er verließ anschließend wütend und genervt den Raum. Marina hat Depressionen und ist Nymphomanin. Sie ist das Küken auf unserer Station. Und ich? Bei mir vermuten sie eine bipolare Störung. Vom extremen Hoch ins extreme Tief und umgekehrt.

Wir sind alle hier wegen einer Diagnose. Einem Wort, das unser Leben verändert hat. Wir sind hier, um es wieder in den Griff zu bekommen, um draußen in der großen weiten Welt wieder zu funktionieren, wieder ins System zu passen. Das verbindet uns. Es ist nicht mein erster Aufenthalt in einer Psychiatrie. Letzten Winter war ich bereits drei Monate in teilstationärer Behandlung wegen einer schweren Depression. Die Tagesstruktur in der Klinik (mit Ergotherapie, Holztherapie, Sport, Yoga, Einzelgesprächen, Gruppentherapie, Achtsamkeitsübungen) und dem Zusammenhalt zwischen den Patienten halfen mir, wieder auf die Beine zu kommen. Ich konnte Aufgaben übernehmen, konnte für die Station kochen und backen und hatte mich wieder im Griff. Meine Stimmung wurde besser und ich war so stabil, dass ich Mitte Februar entlassen werden konnte. Doch der Status Quo sollte nicht lange bleiben. Vielleicht war es das hochdosierte Antidepressivum, vielleicht war es ich, vielleicht waren es die Gene, doch Anfang April ging es mir wieder viel zu gut. Ich war aufgedreht, komplett verändert, hatte wieder 1000 Ideen, war sehr selbstbewusst und fühlte mich unglaublich stark. Ich hatte das Gefühl, alles schaffen zu können. Mir selbst war das gar nicht so bewusst, doch mein Umfeld, meine Familie, meine Freunde und mein damaliger Freund schlugen Alarm. Die Kritik habe ich nicht ernst genommen und nicht an mich rangelassen. Ich wollte nicht einsehen, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich krank sein könnte, mir ging es ja gut. Meine Eltern bestanden darauf, dass ich mich wieder stationär in Behandlung begab, doch ich fühlte mich gesund und wollte nicht noch ein Semester wegwerfen und im Sommer endlich studieren. Mein Freund trennte sich von mir, weil ich so verändert war und er mein Verhalten nicht verstehen konnte. Nach der Trennung holte ich mir Tinder und stürzte mich in viele Dates und Bekanntschaften, aus Selbstschutz, um abgelenkt zu sein. Ich drehte durch auf Social Media und redete wie ein Wasserfall. Ich ging kaum zur Uni und schlief jeden Tag bis mittags. Der Kompromiss war dann, nach unzähligen Notfallgesprächen mit dem psychiatrischen Krisendienst und meiner Psychiaterin, dass ich mich in den Semesterferien einweisen ließ. Und hier bin ich nun. Um in dem Dschungel von Depression, Psychose, Schizophrenie und bipolarer Störung Klarheit zu finden und medikamentös richtig eingestellt zu werden.

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Die Klinik sieht von außen aus, wie man sich eine klassische Psychiatrie vorstellt, und doch so harmlos irgendwie. Ein steinerner Eingang mit großer, alter Holztür und der Aufschrift „Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie“ begrüßt einen und verrät, wo man sich hier befindet. Innen gibt es einen gläsernen Kasten, in dem der Pförtner sitzt und die Überwachungskameras checkt. Die Gänge sind weiß und hell, lichtdurchströmt von einer Fensterfront. Es gibt einen Innenhof mit Cafeteria, Garten, Bäumen und einem Bach, in dem die Patienten rauchen dürfen und sich mit Angehörigen und Besuch treffen können. Meine Station sieht ebenfalls sehr harmlos aus. Die Türen sind aus Holz und der Boden mit Teppich ausgelegt. Links sind Waschraum, Gruppenraum, Küche und Esszimmer sowie der Stationsstützpunkt der Pflege und die Büros der Ärzte und Psychotherapeuten. Rechts befinden sich die Zimmer der Patienten, die Toiletten und Badezimmer. In meinem Zimmer sind wir zu viert, ich teile es mir mit Marina, Samira und Lisa. Samira, ein kleines aufgedrehtes Mädchen mit tamilischen Wurzeln, begrüßt mich sofort mit ihrer impulsiven Art und überfällt mich mit Fragen „Wer bist du, wie heißt du, warum bist du hier?“, mit großen, weit aufgerissenen Augen sieht sie mich voller Erwartung an. Dann fängt sie lauthals an, einen tamilischen Song, der gerade auf ihrem Handy abgespielt wird, mitzusingen und scheint sich nicht mehr für mich zu interessieren, nachdem ich brav ihre Fragen beantwortet habe. Lisa ist sehr groß und hat langes, schönes, braunes Haar. Warum sie hier ist, weiß ich noch nicht. Bei meinem Bett kann man die Höhe verstellen, ich habe ein Nachtkästchen und einen Schrank zugewiesen bekommen.

„Aufstehen!“ – Der erste richtige Tag in der Klinik beginnt für mich mit einem Weckruf um 7 Uhr. Von 7.30 bis 8.10 Uhr darf man frühstücken. Danach findet die Morgenrunde statt, in der jeder Patient kurz erzählen soll, wie es ihm geht und was seine Pläne für den heutigen Tag sind. Um 9 Uhr habe ich das erste Mal Ergotherapie mit den anderen. Diese ist leider so ganz anders, wie ich es aus meinem alten Klinikaufenthalt gekannt habe. Wir dürfen nicht in die Werkstatt und etwas Schönes basteln, denn die Urlaubsvertretung unseres Ergotherapeuten hat sich etwas Besseres einfallen lassen. Der Mann, mit dem wir uns nun beschäftigen müssen, hat kurzes grauweißes Haar, eine schmale, silberne Brille und den Blick eines Lehrers. Wir fühlen uns zurückversetzt in die Schulzeit, als er uns sagt, dass wir die kommenden drei Wochen an einem Projekt arbeiten werden, für das wir eine Präsentation samt Flyer und Plakat erstellen sollen. Immerhin haben wir uns ein interessantes Thema einfallen lassen: Aufklärung über psychische Krankheiten. Doch präsentieren dürfen wir unsere Ergebnisse letztendlich nicht. (Für mich als Journalistin unverständlich.) Ich sehe keinen Sinn in dem Projekt und es fällt mir schwer, mich dafür zu motivieren. Nach der Ergotherapie ist erst mal eine lange Pause, in der ich mich langweile, faul im Bett liege und Netflix gucke. Dann ist Visite. Meine Ärztin, eine junge, sympathische Frau mit roten Haaren und einem modernen Kleidungsstil, frägt mich wie es mir geht. „Ich sehe, Sie haben sich schon gut hier eingelebt, Frau Schindler, und Kontakt zu den anderen Patienten geknüpft, das freut mich.“ Beim Sport darf ich noch nicht mitmachen, weil es dauert, bis ich im System für alle Gruppen und Programme angemeldet bin. Also langweile ich mich sehr viel und versuche mir die Zeit zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen irgendwie zu vertreiben. Ich gehe viel in den Garten und rauche, unterhalte mich dort mit anderen Patienten. Im Garten trifft man auf die unterschiedlichsten Charaktere und Diagnosen. Zum Beispiel auf Malte, der mir erzählt, dass er in seiner manischen Phase 3000 Euro im Monat im Puff gelassen hatte, obwohl er verheiratet sei und ein Kind habe. Er hatte sich ein neues Motorrad und ein Auto gekauft, und sich damit enorm verschuldet. In einer Manie ist die Libido gesteigert und man gibt sehr viel Geld aus, muss man dazu sagen. Manche Betroffene sind bis in die Millionen verschuldet. Auch ich habe viel Geld in meiner Hypomanie, die Vorstufe einer Manie, ausgegeben. Zum Glück habe ich keine Schulden aufgebaut, denke ich mir, als Malte mir seine Geschichte erzählt. Und dann ist da Marvin, auch bipolar, der jedem die Hand gibt und sich bei allen vorstellt, er erinnert mich an den Charminbär aus der Werbung für Toilettenpapier. Oder Kevin, ein klassischer Borderliner, der schon unzählige Klinikaufenthalte hinter sich hat. Obwohl er behauptet einen tiefen Selbsthass in sich zu haben, kommt er mir oft selbstverliebt und rechthaberisch vor, er mischt sich überall ein und meint, alles besser zu wissen. Natürlich gibt es auch Klinikpärchen, wie Ahmed und Nathalie, eine absolut verrückte Kombination. Alle sind sich einig, dass die beiden sich draußen, in der normalen Welt, nie gefunden hätten. Nathalie ist sehr impulsiv, ich weiß nicht, weshalb sie hier ist, doch sie braucht viel Aufmerksamkeit, trägt fast täglich eine neue Haarfarbe und zertrümmert mindestens genau so oft eine Tasse der Cafeteria im Garten. Und Ahmed, ein Türke, der stets Hoodie, Röhrenjeans und angesagte Sneaker trägt, scheint sie zu lieben.

Langeweile sollte auch die folgenden Tage und Wochen mein ständiger Begleiter sein, denn wirklich viel Programm gab es auf meiner Station nicht. Manchmal kam ich mir vor, wie ein Versuchskaninchen, an dem ein neues Medikament ausprobiert wird und das nun zur Beobachtung hier festgehalten wird. Highlights für mich waren das gemeinsame Kochen mit anderen Patienten und einer Pflegerin oder ein Beautyabend für die Mädchen auf unserer Station, bei dem wir uns Gesichtsmasken auftrugen und uns die Nägel lackierten.

Ich war auf der Station für junge Erwachsene. Das bedeutet, dass fast niemand älter als 30 Jahre war. Es bedeutet aber auch strengere Regeln. Um Punkt 20 Uhr mussten wir wieder auf Station sein und uns zurückmelden. Bis 21 Uhr durfte man nochmal in den Garten, und von 21 bis 22 Uhr gab es noch einmal drei Mal fünf Minuten, in denen man raus durfte, um zu rauchen. Um 22.30 Uhr sollte man auf dem Zimmer sein, um 23 Uhr das Licht ausmachen und weder Handy noch Laptop benutzen. Für alles Mögliche musste man auf einem ausgeteilten Wochenplan Unterschriften sammeln. Und hatte man nicht alle Unterschriften beisammen, durfte man am Wochenende nicht nach Hause fahren, so die Drohung. Ich geriet oft in Schwierigkeiten wegen der Regeln und stritt mit der Pflege. Gleich an meinem zweiten Abend bekam ich eine Verwarnung, eine „gelbe Karte“, weil wir bis 23 Uhr im Garten geblieben waren. So war ich von Anfang an bereits mit einem Fuß draußen.

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In der ersten Woche stand ich noch brav morgens um 7 Uhr auf, ging mit Philipp joggen und schaffte es, die strikten Frühstückszeiten sowie die Morgenrunde einzuhalten. In der zweiten Woche bekam ich jedoch ein neues Medikament, Quetiapin, das mich morgens unglaublich müde machte. Trotz drei Weckern und geweckt werden, schaffte ich es nicht, pünktlich aufzustehen. Ich verpasste das Frühstück und die Morgenrunde. Wenn ich manchmal heimlich noch nach 8.10 Uhr frühstücken wollte und erwischt wurde, bekam ich einen Riesen Ärger. In der Visite erwähnte ich den Ärzten gegenüber immer wieder, dass das Medikament mich so müde machte, doch es schien sie nicht zu interessieren. Schuld war nicht das Medikament, sondern ich, die nicht aus dem Bett kam. Die Pfleger verhielten sich uns gegenüber bis auf wenige Ausnahmen sehr rau und bestimmt.

Die Atmosphäre auf der Station verschlechterte sich von Tag zu Tag. Regelmäßig gab es jemanden, der ausrastete oder zusammenbrach, unter all dem Druck. Einmal, spät abends, schrie Philipp die Pflegerin so laut an, dass es die ganze Station mitbekam. Das ging zehn Minuten so und wir hatten Angst, er würde auf die Geschlossene verlegt werden. Auch ich selbst hatte mich einmal nicht unter Kontrolle. Und ich rebellierte gegen die strengen Regeln, einmal zu viel. Bis ich rausflog, aus der Psychiatrie. „Ich habe eine schlechte Nachricht für sie“, meinte meine eigentlich so nette Ärztin zu mir an meinem letzten Tag. Ich sei entlassen, weil ich nicht zur Morgenrunde und in die Vitalwertkontrolle kommen würde, weil ich mich nicht an die Regeln halten würde, weil ich ein Unruhestifter und eine Grauzonentesterin sei. Uff. In Wirklichkeit wollten sie wahrscheinlich ein neues Bett frei haben, die Warteliste ist lang, und Neuaufnahmen brachten Geld, dachte ich mir. Denn gegen Regeln hatten wir alle verstoßen. Nur war meine Behandlung bereits so gut wie abgeschlossen, ich kam stabil in die Klinik und ging stabil raus, meinte meine Ärztin, und den anderen würde es noch nicht so gut gehen, dass sie die Psychiatrie verlassen konnten.

Nun bin ich also „entlassen“, als arbeitsfähig eingestuft, zurück ins normale Leben, in die harte Realität. Raus aus der beschützenden Klinik, in der ich sein durfte, wer ich bin und auch so akzeptiert wurde. Immerhin habe ich nun Gewissheit. Ich habe eine Diagnose und sie lautet Bipolare Störung. Ich habe ein neues Medikament, einen Stimmungsstabilisierer, der verhindern soll, dass ich weder in eine Depression noch in eine Manie falle. Die Tabletten werde ich wohl mein Leben lang nehmen müssen, um wie andere, normale Menschen zu funktionieren, mitzudrehen im Hamsterrad. Denn die Krankheit läuft im Hintergrund trotzdem weiter und könnte ohne Tabletten immer wieder ausbrechen. Trotz all den extremen Höhen und Tiefen, die das letzte Jahr mit sich gebracht hat, bin ich froh und dankbar um jede einzelne Sekunde, in der ich lebe. Und auch um meine Krankheit. Sie gehört zu mir und macht mich zu dem Menschen, der ich bin. Und trotz ihr, trotz vier depressiven und zwei hypomanischen Episoden in meinem Leben, habe ich all das erreicht, was die anderen in meinem Alter auch geschafft haben. Und sie hat mich stärker gemacht, ich habe nicht aufgegeben, sondern gekämpft und bin immer wieder aufs Neue aufgestanden. Deshalb sehe ich meine Krankheit nicht als Schwäche, sondern als Stärke an.

Das Positive an meinem Aufenthalt in der Psychiatrie waren die anderen Patienten, die ich dort kennenlernen durfte und nun mit Stolz meine Freunde nennen darf. Weil sie mich besser verstehen können, als jeder Arzt, Therapeut oder Außenstehende. Weil sie dasselbe durchmachen und wissen, wie es mir damit geht. Weil jeder einzelne sein eigenes Laster mit sich trägt. Und so sind sie alle einzigartig und besonders auf ihre Art und Weise. Es fühlte sich oft wie eine Gruppentherapie an, wenn wir miteinander sprachen und unsere Geschichten untereinander austauschten. Besser als jede Visite oder Einzeltherapie. In den drei Wochen Delirium waren diese Menschen mein Zuhause.

Depression ist nicht…

Depression ist nicht „nur“ Traurigsein

Wie sich eine Depression anfühlt // Wie sich die Depression für mich anfühlt

Woran erkennt man eine Depression? Was passiert mit mir in einer Depression?

—— ACHTUNG TRIGGERWARNUNG ——

Jede Depression ist anders, jede Krankheit verläuft anders. Trotzdem möchte ich versuchen, euch einen Einblick in das Krankheitsbild zu gewähren. Erklären, was die Krankheit mit mir macht, wie sie bei mir aussieht, wie sie sich bei mir äußert. Euch einen Zugang zur Krankheit geben.

Die gängigen Klischees zur Depression sind das Traurigsein, die Isolation, schlechte Laune, Lustlosigkeit, eine graue Wolke im Kopf etc pp. Dabei ist eine Depression so viel mehr als das. Meine depressiven Phasen beginnen schleichend. Ich werde vergesslich, unzuverlässig, orientierungslos. Von Tag zu Tag schaffe ich weniger, habe ich weniger Energie. Alles wird mir ein bisschen zu viel. Ich antworte kaum noch auf Nachrichten, weil ich zu unsicher bin, mich nicht mehr entscheiden kann, was ich schreiben soll. Der getippte Entwurf wird in Frage gestellt und letztendlich meist verworfen. Ich zögere beim Schreiben und überlege minutenlang, anstatt die Nachricht einfach guten Gewissens abzuschicken. Mir fehlt die Portion Sicherheit, Klarheit und das Selbstbewusstsein im Kopf. Alles wird hinterfragt und überdacht. Bequemer und einfacher ist es dann, die Nachrichten einfach liegen zu lassen und nicht zu beantworten, denn dann kommen auch keine Antworten mehr, auf die man wiederum antworten müsste, wozu in dem Moment einfach die Kraft und Energie fehlt. Lieber ziehe ich mir passiv stundenlang irgendwelche „interessanten“ (belanglosen) Videos und Reportagen auf Facebook und Instastorys rein, anstatt aktiv tätig zu werden. Als kleine Flucht von der Realität könnte man das sehen. Dinge, die ich im Normalzustand sehr gut kann, scheine ich in der Depression verlernt zu haben oder nur noch schlecht zu können. Ich kann mich sehr schlecht konzentrieren, logisch denken, etwas erarbeiten…

 

Mehr kann ich dazu gerade nicht sagen. #methree #manie #yolo #psyche

Ich sag ciao et au revoir.

Achtung, Triggerwarnung (!)

Hallo Menschen. Ja, es ist ernst. Verdammt ernst. An diejenigen, die den kleinen Wink mit Zaunpfahl via Stories und Live auf ungefähr allen existierenden Kanälen (noch) nicht mitbekommen wollten. Wer jetzt schon nicht mehr weiterlesen will, darf sich elegant aus meinem Leben tanzen, ich hab genug Freunde ciao. Keine Satire! An die anderen: Welcome to my reality. Aber wehe, ich erfahre, dass ihr lästert. Ich entferne und blockiere euch so hart aus meiner virtuellen Privatsphäre. Also Obacht, Gefahrenzone, dünnes Eis, Leben am Limit usw. Ich ziehe die Mission #2020 durch. Bussi, ihr kleinen Pisser

Ich oute mich als jede vorstellbare KRANKHEIT.

– Bipolare Störung

– Chronische Migräne und Spannungskopfschmerzen

  • Spastische Bronchitis als Kind
  • Neurodermitis als Kind
  • Heuschnupfen/Allergie
  • Blasenentzündung
  • Menstruation
  • Weiblich
  • Blond
  • Naiv
  • Dumm
  • Intelligent
  • Besserwisser
  • Doofe-Fragen-Steller
  • Guter Zuhörer
  • Quasselstrippe
  • Perfektionist
  • Neurotische Zwänge
  • Langsamer Genießer (beim Essen)

 

Puh…tut gut, oder? Fällt euch noch was ein zu mir? Ich tanz nämlich gern aus der Reihe…

Bipolar und COVID-19?

Meine Lieben, ich habe echt lange gegrübelt, ob ich was schreiben soll oder nicht, da man das Gefühl hat, man hat schon alles dazu gehört, man kann und will es nicht mehr hören und niemanden mehr damit nerven. Jeder hat seine eigene Meinung dazu und das ist meine. (Wenn es euch jetzt schon nervt, hört auf zu lesen, im Ernst!)

Die ganze COVID-19 Situation aus Sicht einer bipolar Erkrankten

Corona, Virus, COVID oder auch einfach nur „die Situation“, die aktuelle Lage keine Ahnung – es nervt euch auch schön langsam? Ihr könnt es nicht mehr hören? Ihr habt das Gefühl, ihr werdet wahnsinnig, bekommt einen Koller so eingesperrt zuhause? Hey, dann willkommen in meiner Welt, ich bin nicht die Einzige. Wenn dich das Thema jetzt schon nervt, dann hör lieber auf zu lesen, das ist nicht Sinn der Sache. Also weg mit dem Handy und Social Media Detox. Wer weiter lesen will: sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Für mich lässt sich trotz meiner Erkrankung die Situation natürlich nicht vermeiden und ich muss mich genauso an die Regeln halten wie alle anderen, was ich auch bestmöglich versuche einzuhalten, versprochen. Und ich lache auch über Corona und versuche mir meinen Humor zu bewahren. Aber für chronisch psychisch kranke Menschen ist die ganze Situation überhaupt nicht witzig (also die, die auch schon vor Corona psychisch krank waren). Die Versorgungslage ist momentan krass eingeschränkt, es werden nur noch Notfälle behandelt und Menschen, die wirklich suizidal sind. Was im schlimmsten Fall bedeuten kann, dass Fälle übersehen werden und Menschen Suizid begehen und das nicht wegen Corona, sondern weil es ihnen unglaublich schlecht geht und ihnen nicht geholfen werden kann, weil sie vereinsamen in ihrer Wohnung vor lauter „Social Distance Warnings“ und was weiß ich. Ich finde eure Memes an guten Tagen auch witzig, die sagen: „Was? Mein Lifestyle wird Quarantäne genannt? Haha“ Aber im Ernst: Wow, ich hoffe ihr denkt nüchtern betrachtet nicht so, dann wäre das nämlich traurig und unsolidarisch für unsere Gesellschaft. Es tut mir in der Seele weh, dass sich alle so streiten wegen Corona, Schuldzuweisungen hier und da, alle schreien sich über Social Media gefühlt an, dass man gefälligst zuhause zu bleiben hat, sonst haben sie euch ins Hirn geschissen, oder vielleicht auch nur gepupst. Deswegen hier meine To-Do-Liste für psychisch kranke Menschen oder die, die es werden wollen, wie ich mich in dieser angespannten Situation besser verhalten kann:

 

  • Tag strukturieren und planen (Listen schreiben angefangen mit Zähneputzen, regelmäßiges Essen, Dinge, die unbedingt erledigt werden müssen und dann abhaken)
  • Soziale Kontakte etwa über Social Media planen und „Video Calls“ ausmachen, damit dein Umfeld weiß, dass es dir gut geht
  • Verständnis voll sein (aber das sind wir ohnehin eh alle), wenn etwas mal nicht so funktioniert, wie es sein sollte, es gibt echt Schlimmeres! Lacht über euch!
  • Dinge erledigen, für die man sonst aufgrund der Erkrankung nie Zeit hat (ich glaube da fallen allen genuuuuug Sachen ein)
  • Wenn du mit anderen Menschen zusammen lebst: Rede offen mit ihnen über deine Erkrankung, das wird dir und ihnen helfen, dich zu verstehen, warum du in manchen Situationen so reagierst wie du reagierst, auch wenn dann so Sprüche kommen wie „du bist ja nicht ganz dicht“ – dann darfst du auch ruhig zurück mobben (finde ich), solange man noch darüber lachen kann, Humor ist ja oft die beste Medizin bei sowas
  • Codewort mit Freunden oder WG ausmachen – irgendwas lustiges, das dir signalisiert, dass es gerade zu viel wird, ohne dass du gleich genervt bist, dass du dich jetzt schon wieder zurückhalten musst, oder vielleicht einen Song (Signal: jetzt wird’s zu manisch oder zu depressiv)
  • Nett bleiben zu allen, weil jeder sein Bestes gibt in dieser Lage
  • UND GANZ WICHTIG: Social Media Detox! Wichtiger denn je, in der jetzigen Lage. Handy weg, abschalten, auf andere Gedanken kommen, etwas Schönes machen, um auf positive Gedanken zu kommen.
  • Wenn es nicht anders geht und ihr zum Beispiel nicht schlafen könnt, passt eure Medikation in Absprache mit der Ärztin oder Therapeutin ab, gegebenfalls telefonisch
  • Verliert trotz allem eure Ziele und eure Motivation nicht aus den Augen. Irgendwann geht die Schule, Uni oder Arbeit wieder normal weiter und dann wollt ihr vorbereitet sein, also fangt trotzdem jetzt schon an zu lernen, Pläne zu schreiben, alles anzufangen, was von zuhause aus geht.
  • Bewegung und Sport in einem angemessenem Rahmen (zum Beispiel Yoga zuhause mit YouTube, spazieren gehen mit Mitbewohnern, wenn erlaubt)
  • Viel trinken (vergesse ich auch immer)
  • Trotz allem gut auf sich achten (Achtsamkeitstagebuch, generell Tagebuch, um runterzukommen, Selfcare, Metime)

 

Für andere sind das selbstverständliche Sachen, aber für uns nicht. Andere lachen darüber, aber für uns ist es (über)lebenswichtig. Deswegen bitte nehmt die Sache ernst und haltet euch an alles, damit hoffentlich diese ganze Ausnahmesituation bald wieder vorbei ist. Danke. Ende.

 

*Wenn ich was vergessen habe, schreibt mir ruhig per DM, Kommentare usw. – dann ergänze ich die Liste.

Marleen Lohse im Interview: „Sitzt du auf öffentlichen Toiletten?“

Die Schauspielerin Marleen Lohse im Gespräch über ihren neuen Film „Cleo“, über ihre Verbindung zu Berlin, verschiedene Rollen und Wünsche.

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Quelle: Johannes Louis

Man kennt sie als Jule Christiansen aus „Nord bei Nordwest“ und mehreren Tatorten und Kinofilmen – früher war sie jedem Kind als Hexe aus „Die Kinder vom Alstertal“ bekannt. Mit ihrem neuen Kinofilm „Cleo“ von Erik Schmitt taucht Marleen Lohse zusammen mit Jeremy Mockridge in eine ganz neue Welt ein und startet eine abenteuerliche Schatzsuche durch Berlin. Der Film „Cleo“ ist bereits seit dem 25. Juli in den deutschen Kinos. Wir sprachen mit der Schauspielerin über ihren neuen Film, ihre Vergangenheit und ihre Verbindung zu Berlin.

Im neuen Film spielst du Cleo, die die Seele Berlins spüren kann. Kannst du drei Adjektive nennen, die die Stadt und somit Cleo am besten beschreiben?

Marleen: Wir bedienen uns im Film der These des Genius Loci, die besagt, dass jeder Ort eine Seele hat. Cleo ist eng mit der Seele Berlins verbunden und ist stark von ihr geprägt – auch durch traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit. Aber Berlin ist natürlich noch viel mehr. Wenn ich Berlin in drei Adjektiven beschreiben sollte, dann wären das bunt, frei und tief. Und genau das zu sehen, muss auch Cleo auf ihrer Schatzsuche wieder erlernen.

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Quelle: Johannes Louis

Gibt es Parallelen zwischen Cleo und dir?

Sicherlich. Cleo steht in ewigem Konflikt mit ihren Ängsten, die sie lernen muss zu überwinden. Allerdings geschieht dies nicht, wie viele Filme ja gerne suggerieren, in einem großen Showdown. In meinem Beruf kenne ich dieses Gefühl sehr gut. Als Schauspielerin muss man immer wieder aufs Neue Lampenfieber überwinden und an seine Grenzen gehen. Es war mir auch sehr wichtig zu zeigen, dass Cleo im Endeffekt von sich aus ihre Mauern einreißt und ihren eigenen Weg beschreitet, wir somit keine klassische Liebesgeschichte präsentieren, sondern eine starke und autonome Frauenfigur.

Quelle: Johannes Louis

Die Stadt Berlin spielt in „Cleo“ wie gesagt eine sehr große Rolle. Was für eine Verbindung hast du persönlich zu Berlin?

Ich wohne mittlerweile seit 13 Jahren dort und es ist zu meiner Wahlheimat geworden. Ich bin fasziniert von dieser Stadt und sie hat eine ganz eigene Form der Poesie. Und trotz der Vergangenheit und all den Wunden, die die Seele Berlins erleiden musste, erlebe ich diese Stadt so bunt und frei wie kaum eine andere. Ich mag auch das Unfertige an Berlin. Hier gibt es noch Chancen stattzufinden und Dinge auszuprobieren.

Du bist auf dem Land am Stadtrand von Hamburg aufgewachsen, kannst du dich trotzdem in den Großstadtkontext hineinversetzen?

Das tue ich ja schon eine ganze Weile. Manchmal ist Berlin laut und anstrengend, aber es bietet auch ein kreatives Pflaster, welches ich für meine Arbeit als Schauspielerin und Autorin brauche. Außerdem wohnen die meisten meiner Freunde hier. Ich fühle mich gerade sehr wohl.

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Quelle: Johannes Louis

Du wurdest durch die Serie „Die Kinder vom Alstertal“ berühmt, auch diese spielt auf dem Land. Wie hat dich diese Zeit geprägt und erinnerst du dich gerne daran zurück?

Es ist nun schon 20 Jahre her. Ich selbst denke nicht so oft daran zurück. Ich werde allerdings immer mal wieder als „Hexe“ erkannt. Für mich war es eine Zeit des Ausprobierens und Rumtollens. Für die Schauspielerei und das damit verbundene Studium habe ich mich erst viel später entschieden. Aber ohne diese Serie hätte ich vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen. Wer weiß!

In der Serie hast du „Hexe“ gespielt, ist sie denn mittlerweile erwachsen geworden?

Die ist jetzt Cleo, aus Hexe wurde Cleo.

Quelle: Johannes Louis

In deinem Beruf nimmst du ständig neue Rollen an, einmal Hexe, dann Cleo: Was war bisher deine Lieblingsrolle, die du gespielt hast?

Das ist schwierig zu sagen, ich versuche natürlich in jeder Rolle irgendetwas zu finden, das mich reizt. Es würde sich also fast wie Betrug anfühlen zu sagen ich hätte eine absolute Lieblingsrolle. Aber es war zum Beispiel eine große Ehre für mich Elizabeth I. zu spielen und zu „Cleo“ habe ich auch eine besondere Verbindung, da ich am Drehbuch mitgeschrieben habe. Ich war also von Anfang an dabei und die Arbeit an dem Film hat beinahe fünf Jahre meines Lebens in Anspruch genommen.

Hast du manchmal das Gefühl, dass Menschen in dir immer noch Hexe sehen oder dass eine deiner anderen Rollen an dir haften blieb – auch im Privaten?

Im Privaten nicht. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Menschen, die mich aus der Kinderserie kennen, sich an ihre eigene Zeit als Kind erinnert fühlen und das ist doch etwas sehr Schönes.

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Quelle: Johannes Louis

Gibt es denn eine Rolle mit der du ungern in Verbindung gebracht werden möchtest?

Ich stehe hinter den Projekten, die ich gemacht habe.

Du spielst verschiedene Charaktere, welchen würdest du denn in Zukunft gerne noch spielen, was steht hier auf deiner Wunschliste?

Ich würde gerne mal eine Musikerin spielen. Für „CLEO“ habe ich zwei Lieder eingesungen und ich arbeite gerade an einem eigenen Drehbuch. Es geht dabei um Erinnerungen und die Manipulation vergangener Erlebnisse.

Apropos Wunschliste: Was würdest du dir für die Zukunft generell wünschen? Nur für dich und ganz allgemein für alle? 

Für mich und mein Umfeld wünsche ich mir Gesundheit, Mut und Neugierde. Ganz allgemein habe ich sehr viele Wünsche. Für den Anfang vielleicht erstmal ein bisschen mehr Bewusstsein für die Umwelt im Denken und Handeln.

Hier geht’s zum Original-Interview bei Zeitjung:

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Quelle: Johannes Louis