Gibt es noch Hoffnung für das NoWasWert ?

Schließung des Caritas-Projekts würde ein großes Loch in Moosburg hinterlassen

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Was mit der Arbeitsmarktreform und den damit verbundenen Leistungskürzungen für Langzeitarbeitslose im Jahr 2012 durch die Bundesregierung beschlossen wurde, zeigt nun seine Auswirkungen im Landkreis: Vergangene Woche verkündete die Caritas die Schließung ihrer Rentabel-Kaufhäuser. Mit „NoWasWert“ verliert Moosburg dabei eine Institution, die einzigartig ist.
Einige Menschen stöbern hier, schauen sich um und entdecken oft besondere Fundstücke, die es sonst nicht mehr gibt. Von Herren- und Damenmode, Weihnachtsschmuck bis hin zu Möbelstücken fürs Wohnzimmer hat das „NoWasWert“ eine breite Auswahl. Bedürftige Menschen genauso wie Asylbewerber nutzen das Angebot des Gebrauchtwarenladens der Caritas, weil ihr Geldbeutel nicht mehr hergibt und sie auf die niedrigen Preise angewiesen sind. Was „NoWasWert“, eine Kooperation des BRK und der Caritas, macht, ist so in Moosburg einmalig: Einerseits gibt der Laden Menschen, die aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen auf dem sogenannten „ersten“ Arbeitsmarkt als nicht arbeitsfähig gelten, durch die Zuverdienstmöglichkeiten eine geregelte Tagesstruktur sowie eine Beschäftigung mit Sinn und bietet ihnen so eine Perspektive. Zum anderen ist es ein Ort, an dem bedürftige Bürger für wenig Geld Kleidung und Möbel einkaufen können.
Seit der Gründung im Jahr 2011 konnte sich „NoWasWert“ gut etablieren, die Erfahrungen von Leiter Bernhard Campe sind durchweg positiv: „Wir konnten unsere Teilnehmerzahl erhöhen und auch die Umsätze sind kontinuierlich gestiegen. Der Laden ist bekannter geworden und wird noch besser von den Leuten angenommen.“ Auch die Angestellten hätten durch das Arbeitsverhältnis eine sehr positive Entwicklung genommen.

Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, Anlaufstelle für Bedürftige und Fundgrube besonderer Schätze – all das umfasst das „NoWasWert“ in Moosburg.
Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, Anlaufstelle für Bedürftige und Fundgrube besonderer Schätze – all das umfasst das „NoWasWert“ in Moosburg.

Die Kürzungen der Förderungen vom Bund im Rahmen der Arbeitsmarktreform haben jedoch deutlich gegriffen, bemerkt Campe. Waren es im Jahr 2012 noch 30 Plätze, die mit jeweils 500 Euro pro Monat gefördert wurden, sind es nun nur noch 250 Euro für 15 Plätze, von denen allerdings auch nicht alle belegt sind. „Ich frage mich, was das Jobcenter mit den bedürftigen Leuten macht, die sind ja nicht auf einmal von der Bildfläche verschwunden“, erklärt der „NoWasWert“-Leiter. Klare Sache ist: Genau diese Förderungen fehlen nun, was das sechsstellige Defizit, welches die Caritas-Geschäftsführerin Carolin Dümer als Schließungsgrund der Rentabel-Kaufhäuser anführte, beweist. Zwar geht der von „NoWasWert“ erwirtschaftete Gewinn an das BRK, das die Mietkosten für den Laden übernimmt, zurück – die Kosten des Projekts sind damit aber nicht gedeckt.
Auf die Frage, ob er glaubt, dass das „NoWasWert“ noch gerettet werden könne, antwortet Campe mit ratlosem Blick: „Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.“ Dafür bräuchte es eine dauerhafte jährliche Leistung des Landratsamts von etwa 150 000 Euro, die aber erst einmal vom Kreistag genehmigt werden müsse. „Allerdings unterstützt uns der Landkreis ja schon jährlich mit 65 000 Euro.“ Für eine Rettung „müsste schon ein Wunder passieren“ – auf das Campe dennoch hofft, „denn einen Ersatz gibt es ja nicht“.
Im Landratsamt kam die Nachricht der Caritas zur Schließung sehr überraschend. Auf Nachfrage der MZ, ob man die Rentabel-Kaufhäuser noch zusätzlich unterstützen könnte, erklärte Pressesprecherin Eva Dörpinghaus, dass zunächst juristisch geprüft werden müsse, ob man in irgendeiner Weise tätig werden kann. Man könne nämlich nichts fördern, was nicht von der Landkreisordnung gedeckt wird. Landrat Josef Hauner zeigte sich laut Dörpinghaus ebenso schockiert und bedauere die bevorstehende Schließung.

Noch ist der Eingang zum Gebrauchtwarenladen „NoWasWert“ offen – ohne weitere Förderungen wird er Ende März schließen.
Noch ist der Eingang zum Gebrauchtwarenladen „NoWasWert“ offen – ohne weitere Förderungen wird er Ende März schließen.

Auch der BRK-Kreisvorsitzende und ehemalige Bürgermeister Toni Neumaier äußerte sein Bedauern über das Ende von „NoWasWert“. Er sehe es als unmögliches Verhalten des Bundes, die Förderungen zu kürzen. Auch in Bayern gebe es trotz einer „Sonnenschein“-Arbeitslosenquote Langzeitarbeitslose. Gerade vor dem Hintergrund der zahlreich ankommenden Flüchtlinge nehme der Gebrauchtwarenladen eine wichtige Funktion ein. Stellvertretend für die SPD-Fraktion erklärte er, dass man dort mit allen Mitteln versuchen werde, das „NoWasWert“ zu erhalten, da gerade sozial Schwache von der Schließung betroffen sind. Auch in der Kreistagssitzung im Dezember werde das Thema auf der Tagesordnung stehen, versicherte Neumaier.
Eins ist gewiss: Der günstige Gebrauchtwarenladen würde vielen bedürftigen Menschen fehlen. Dieser Meinung war auch die 65-jährige „NoWasWert“-Kundin Henny Beringer aus Nandlstadt, die auf die soziale Komponente des Ladens hinwies: „Eine solche Einrichtung ist notwendig, der Staat müsste dieses Projekt weiterfinanzieren.“

„Es bleibt spannend auf dem Ausbildungsmarkt“

Viele Ausbildungsplätze nach wie vor unbesetzt – Weiterbildung und Studium im Trend

Die Vertreter von Berufsschulen und Kreishandwerk aus vier Landkreisen trafen sich am Freitag in der Agentur für Arbeit in Freising, um Bilanz über das Berufsberatungsjahr 2014/15 zu ziehen.
Die Vertreter von Berufsschulen und Kreishandwerk aus vier Landkreisen trafen sich am Freitag in der Agentur für Arbeit in Freising, um Bilanz über das Berufsberatungsjahr 2014/15 zu ziehen.

Der Tenor der Teilnehmer am Pressegespräch zum Ausbildungsmarkt in der Agentur für Arbeit am Freitag in Freising war einhellig: Es gibt weiterhin mehr freie Stellen als Bewerber in den vier Landkreisen Dachau, Erding, Ebersberg und Freising. Die Gründe dafür liegen weitgehend in der Attraktivität der Weiterbildung sowie am Imageverlust der dualen Ausbildung.
Gemeinsam mit ihren Partnern aus den Berufsschulen, dem Kreishandwerk sowie der IHK präsentierte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freising, Karin Weber, die aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes und zog Bilanz über das Berufsberatungsjahr 2014/15. Bevor Weber das Wort an die Vertreter gab, wies sie auf die allgemeine Situation in den vier Landkreisen hin: „Es bleibt spannend auf dem Ausbildungsmarkt: Im letzten Jahr standen wieder viele Stellen zur Verfügung, die aufgrund der geringen Bewerberzahl nicht besetzt werden konnten. Hier besteht Handlungsbedarf.“ Auch ohne Traumnoten fänden Schüler demnach gute Ausbildungsplätze in den Betrieben. Im Berichtsjahr 2014/15 gab es 3264 Bewerber für Berufsausbildungsstellen in der Agentur für Arbeit, 39 davon fanden keine Perspektive. 559 von insgesamt 2966 Stellen blieben dabei unbesetzt, das sind 195 mehr als im Vorjahr. Im Landkreis Freising waren es 1189 Bewerber, von denen 14 noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Auch hier sind 204 Stellen von 1179, ein Plus von 27, nicht besetzt worden. Für die Geschäftsstelle Erding war die Tendenz ähnlich. „Bis Weihnachten geht da aber meistens noch was“, erklärte Weber.
Johannes Sommerer, Leiter der Berufsschule Dachau, informierte anschließend über die Integration von Flüchtlingen. Derzeit gebe es sechs Berufsintegrationsklassen, deren Ziel es ist, die Migranten in zwei Jahren durch Sprachförderung und Sozialkundeunterricht in die Berufswelt und unsere Gesellschaft einzugliedern. Im zweiten Jahr sind dabei vermehrt Praktika in unterschiedlichen Betrieben vorgesehen. Die Vertreter der Berufsschule Freising, Matthias Fischer und Ingrid Link, vermerkten eine positive Entwicklung im Bereich der Kinderpflege, in dem die Schülerzahlen deutlich angestiegen seien. Waren es im ersten Jahr noch 48, sind es nun schon 110 – Nachschub, der bei dem hohen Fachkräftemangel in Kindergärten dringend benötigt wird. Erfreulich sei auch, dass die besetzten Ausbildungsplätze in der Ernährungssparte eine ansteigende Tendenz zeigen. Momentan gibt es 170 Personen ohne Ausbildungsplatz, obwohl der Trend bei den „klassischen“ Betroffenen eigentlich nach unten geht – die Statistik wird durch die steigende Zahl der Flüchtlinge jedoch wieder angetrieben. In Freising gibt es wegen Platzmangels in der Berufsschule derzeit nur drei Integrationsklassen. Die Erfahrung mit den Flüchtlingen sei aber durchwegs positiv, wie Link bemerkte: „Die Schüler sind sehr motiviert, pflichtbewusst und wissbegierig.“ Lediglich an der Sprache scheitere es noch oft, sodass sie ihre Gedanken nicht ganz in Worte fassen können. Auch zurückhaltend seien viele der überwiegend männlichen Migranten aus Afghanistan, Syrien oder Somalia – die Vermittlungsquote für Praktika steigt aber. Elf Flüchtlinge befinden sich schon in einem festen Ausbildungsverhältnis in den verschiedensten Berufen von Bäcker bis Fachinformatiker.

Florian Kaiser, Referent für regionale Bildungsberatung der IHK München und Oberbayern, kam anschließend auf das unausgeglichene Verhältnis zwischen Bewerberzahlen und Stellenangeboten zu sprechen. Er sieht das Hauptproblem dafür in der Attraktivität des „Königswegs“ durch Abitur und Studium, der in den Köpfen vieler Eltern verankert ist. Aber auch das schlechte Image der dualen Ausbildung gelte es geradezurücken. Hier wurden seiner Meinung nach in den letzten Jahren falsche Signale durch die Politik gesendet. „Europaweit werden wir beneidet für unser gutes, duales Ausbildungssystem und im Inland selbst geht die Nachfrage zurück“, bemerkte Karin Weber. Dabei könnte man mit einer Ausbildung genauso gut Karriere machen und hätte durch die Weiterbildungsmaßnahmen danach immer noch die Chance, zu studieren, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig.
Eine Renaissance würden die Ausbildungsberufe im Handwerk und Holzbau erleben, bemerkte Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger aus Erding. In der Gastronomie gebe es Probleme, Ernährungsberufe wie Metzger oder Bäcker seien jedoch stabil. Zum Schluss wies Harald Brandmeier, Leiter der Berufsberatung in der Arbeitsagentur, noch darauf hin, dass nicht alle Bewerber die erforderten Kriterien erfüllten, um eine Ausbildungsstelle zu erhalten. Deshalb schwanke die Statistik der unbesetzten Stellen im Verhältnis zu den unversorgten Schülern.

Eine Sprache, die jeder versteht

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Ohne die Asylbewerber würde es die „Alte Herren“-Mannschaft nicht geben

Jeden Dienstagabend um 19 Uhr findet am Fußballplatz des FC Wang eine kleine Weltmeisterschaft statt: Dort kicken Syrer, Nigerianer, Afghanen, Libyer und Deutsche zusammen. Was sie verbindet ist der Fußball – die Sprache versteht jeder.


„Ahmed! You are teamleader today, okay?“, weist der „Coach“ Horst Schlecht den Afghanen ein. Teams werden gebildet und Trikots verteilt, nach kurzem Warmlaufen rollt der Ball. Es ist Freizeitkicken, Spaß haben und sich vom Alltag ablenken, was hier läuft. Beim Training der „Alten Herren“ in Wang spielen Syrer, Nigerianer und Deutsche auf einem Platz, die Verständigung klappt reibungslos.


Am heutigen Dienstag sind nur zwölf Spieler gekommen, viele Väter mussten zum Elternabend in den Kindergarten. „Normalerweise sind wir 16 bis 24 Leute, eine recht gemischte und lustige Truppe. Den Großteil dabei bilden aber meistens die Asylbewerber – ohne sie könnte die Mannschaft nicht existieren“, erzählt Harald Schlecht, Vorsitzender des FC Wang, der die Idee im April ins Leben gerufen hat.


Als man beschloss, wieder eine AH-Mannschaft für Väter, die sich im Jahr 2000 aufgelöst hatte, aufzubauen, war klar, dass sich dafür zu wenig Spielbegeisterte im Dorf befinden, um genügend Leute zusammen zu bekommen. Deshalb kontaktierte man die Gemeinde und bot an, dass, falls Interesse besteht, Flüchtlinge aus den Unterkünften in der Nähe sich jederzeit dem Training anschließen können. Initiator Schlecht erwartete sich zunächst nicht viel davon, doch der Aufruf zeigte seine Wirkung. Die Asylbewerber füllten die Mannschaft und verliehen ihr zugleich einen lebendigen Esprit, der zuvor verloren gegangen war. „Ohne sie wären die Mannschaft und das Training eingeschlafen.“ Die meisten unter ihnen sind zwischen 19 und 25 Jahre alt und kommen aus den Unterkünften Isareck oder Normstahl.


Um den Flüchtlingen das Fußballspielen zu ermöglichen, organisierten die Schlechts, Sohn und Vater, zunächst Fußballschuhe durch Spenden von Bekannten. Diese werden nun vom Verein fürs Training zur Verfügung gestellt. Zudem wurden Trikots und ein Fußball angeschafft, da es beim FC Wang nur die Jugendabteilung gibt und keine weitere Austattung mehr vorhanden war. Auch zwei siebenjährige Kinder von Asylbewerbern trainieren in der F-Jugend des FC Wang mit.


„Okay. Concentration!“ – Das Spiel nimmt seinen Lauf, gespielt wird sechs gegen sechs, alle fünf Minuten fällt ein Tor. Auf dem Platz werden bis zu sechs Sprachen gesprochen. Deutsche Ausdrücke wie „Super, Super!“ oder „Dankeschön!“ nach einem gelungenen Zusammenspiel werden dabei immer wieder von den Afrikanern oder Syrern aufgeschnappt und lautstark wiederholt, was dem internationalen Training seinen Charme verleiht.


Der 23-jährige Ahmed Al-Nabulsi, der 2013 aus Syrien angekommen war, ist begeistert von dem Training: „Alle Leute sind nett hier, das Spielen macht richtig Spaß.“ Auch die Erfahrungen des Vorsitzenden mit der Mannschaft sind sehr positiv: „Das Training hat von Anfang gut funktioniert, es hat nie Schwierigkeiten gegeben.“ Mit der Wiederbelebung der „AH“ habe es außerdem viele Mitgliedsanträge durch die Väter gegeben, was gut für den Verein war. Für die Asylbewerber macht eine Mitgliedschaft durch die unsichere Bleibe und den ständigen Wechsel jedoch keinen Sinn. Sie sind durch die allgemeine Versicherung für Flüchtlinge des DFB mit abgesichert.


Die Regeln des Fußballs sind allen bekannt. Anfangs musste man sich noch mit „Händen und Füßen“ verständigen, viele Asylbewerber würden jedoch schnell Deutsch lernen, einige sprechen auch gutes Englisch, so Schlecht. Dass die ausländischen Kicker eine andere Mentalität in sich haben, merke man jedoch auch: So gehen die meisten nicht außer Haus, wenn es regnet und kommen nicht zum Training. Auch im Monat des Ramadans im Juni/Juli kamen viele an ihre Grenzen, da sie beispielsweise während des Sommertuniers bei bis zu 30 Grad nichts trinken durften. Vor allem bei den Afrikanern merke man, dass sie untereinander härter in die Zweikämpfe gehen, berichtet der 34-Jährige.


Mittlerweile hat sich aus der Mannschaft schon mehr als Fußball entwickelt. Durch das Training haben sich Freundschaften gebildet. Dank beidseitigem Beiwohnen von Veranstaltungen wie der Sonnwendfeier des FC Wang, bei dem die Flüchtlinge halfen, die Zelte aufzubauen, oder dem Integrationsfest beim Normstahl, entstand ein reger Kulturaustausch. Auch zur diesjährigen Weihnachtsfeier des Vereins wird die „Freizeit-AH“ eingeladen. Die einzige Sorge bereitet dem Vorsitzenden der Winter. Da man ohne Geldmittel keine Halle für das Training mieten kann, muss die AH-Mannschaft in den kalten Monaten pausieren. Schlecht hofft, dass das Training nach der Winterpause dennoch nahtlos weitergeht und man dort anknüpfen kann, wo man aufgehört hat.

Oktoberfest mal anders – Riesengaudi auf der „Oiden Wiesn“

IMG_20130925_183121 „Zu überfüllt, zu teuer und lauter Betrunkene“ oder ähnlich klingen die meisten Thesen, die gegen einen Wiesn-Besuch sprechen. Die sogenannte „Oide Wiesn“ beweist das Gegenteil und ist ein Beispiel dafür, dass man jeglichen Klischees trotzen und sich einen Gauditag auf dem größten Volksfest der Welt gönnen sollte. Die „Oide Wiesn“ ist heuer zum fünften Mal fester Bestandteil des Oktoberfests, sie wurde im Rahmen des 200-jährigen Jubiläums der Wiesn im Jahr 2010 eingeführt. Das sich im Südteil der Theresienwiese zu findende Spektakel symbolisiert Volksfestradition, bayerisches Brauchtum sowie traditionelle und jugendfrische Volksmusik. Vergleichbar mit einer Art „lebendem Museum“, in dem alte Fahrgeschäfte und andere historische Jahrmarktstraditionen im Originalzustand ausgestellt werden, bietet die „Oide Wiesn“ ein originelles Highlight am Oktoberfest. Das Besondere dabei ist, dass man all diese noch gut erhaltenen Karusselle fahren kann, und das für nur einen Euro. Somit repräsentiert sich die „Oide Wiesn“ als eine Art Retro-Volksfest, so wie es „früher“ gewesen ist, das in einem schönen Kontrast zur modernen Wiesn steht. Für einen Eintritt von drei Euro bekommt man den Zugang zu der kleinen Jahrmarktwelt, in der man sich fühlt, als wäre man zurück im Jahr 1958. Vom Autoscooter mit „Oldies“ aus den 60ern bis zum klassischen Nostalgiekarussel ist alles noch im damaligen Originalzustand erhalten. Raritäten wie ein Wohnwagen aus dem Jahr 1905, eine Schiffschaukel aus der Zeit um 1925 oder eine Jahrmarktsorgel von 1939 werden im Museumszelt ausgestellt. Nach ein oder zwei Maß kann man sich im „Humoristischen Velodrom“ einen Spaß gönnen, und für einen Euro seine Künste auf kuriosen Rädern testen und an Wettrennen vor vielen Zuschauern teilnehmen. Ebenso unterhaltsam sind die Außenareale der „Oiden Wiesn“. Bei der „Fahrt ins Paradies“, begleitet von Orchestermusik, fühlt man sich wie im Schneeexpress, nur nostalgischer und klangvoller. Auch das Marionettentheater und das Springpferdkarussell sind beliebte Anlaufpunkte des Traditionsjahrmarkts. Unter der Woche ist es leicht, gute Plätze in den drei Bierzelten der „Oiden Wiesn“ zu finden. Das Traditionsfestzelt und das Museumszelt bieten traditionelle, bayrische Volksmusik, im „Herzkasperl Musikantenzelt“ bekommt die junge Volksmusik eine Bühne. Da sich das Traditionsfest mittlerweile allgemeiner Beliebtheit unter den Münchern erfreut, wird es weiterhin beibehalten und auch wieder bei der Wiesn 2015 Teil des Oktoberfests sein. Nun nichts wie los und auf zur Oiden Wiesn!

Nostalgisch geht es auf der Oiden Wiesn zu, auf dem Bild ist eine Jahrmarktsorgel aus dem Jahr 1939 zu sehen.
Nostalgisch geht es auf der Oiden Wiesn zu: Auf dem Bild ist eine Jahrmarktsorgel aus dem Jahr 1939 zu sehen.

Moosburger Murmeltiere startklar

Rallye-Team sammelt Spenden für Kinderheim in Albanien

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Im Rahmen der „9. Allgäu-Orient-Rallye“, die in knapp vier Wochen in Oberstaufen startet, wollen die Moosburger „Murmeltiere“ Spenden für ein Kinderheim in Albanien transportieren. Dabei handelt es sich vorwiegend um Decken, Kleidung und Schuhe für Schulkinder.

„Sechs Narrische – ein Gedanke. Wir fahren mit drei schrottreifen Karren aus Moosburg durch die Wüste bis nach Jordanien. Keine Autobahn, kein GPS, aber den Plan, ein Kamel zu gewinnen!“, so stellen die sechs jungen Leute, die sich „Murmeltiere“ nennen, ihr Projekt vor. Gemeinsam werden sie am 3. Mai 2014 bei der 9. Allgäu-Orient-Rallye starten. Ganz spontan entschloss sich die Gruppe um Thomas Schmidbauer vergangenen Sommer bei der Wüstenrallye mitzumachen. Schließlich wurden sie als eines der insgesamt 111 Teams für das international bekannte Event gemeldet und dürfen mit Nummer 18 an den Start gehen. In den letzten Monaten rüsteten sich die „Murmeltiere“ für ihr Abenteuer: Die drei Autos, mit denen sie die 7000-Kilometer-Strecke bewältigen wollen, bekamen alle einen einheitlichen Anstrich in Blau-Weiß und wurden nach ihrem Erstbesitzer getauft, sodass die Truppe nun – einen Monat bevor es losgeht – fast abfahrbereit ist. Thomas Schmidbauer und Dirk Lösing werden mit „Heinz-Dieter“, einem Opel Omega, Benedikt Beibl und Kilian Linz mit „Rita“, einem Audi A6, und Markus Brandl sowie Heike Graphentin mit „Madlene“, einem VW Passat, fahren. Nach einem ersten, offiziellen Treffen mit den anderen Startteams in Oberstaufen, haben die „Murmeltiere“ schon einige Pläne für die Rallye: „Mit einem Schweizer Team haben wir vereinbart, in der Wüste zusammen ein Käsefondue zu machen“. Eine andere, lustige Truppe, die den sechs in Erinnerung blieb, waren die „Sandmänner“ aus Ulm, die an der Rallye mit drei alten Feuerwehrautos teilnehmen werden.

Bei der Rallye gilt es, einige Regeln einzuhalten. So werden etwa nur Autos zugelassen, die mindestens 20 Jahre alt sind oder Fahrzeuge, die nicht mehr als 1111,11 Euro wert sind. Autobahnen, Fähren und Navis dürfen nicht benutzt werden. Außerdem sollen die Übernachtungskosten nicht mehr als 11,11 Euro betragen. Pro Tag müssen mindestens 555 Kilometer gefahren werden – 666 Kilometer dürfen jedoch nicht überschritten werden. Die Rallye wird durch den Balkan, Griechenland, die Türkei, Israel, Zypern und schließlich Jordanien führen.

Beim großen Zwischenstopp in der Türkei sowie in Tokat und Ordu sind mehrere Autorennen geplant, beispielsweise auf der Grand Prix-Strecke in Istanbul. Außerdem müssen die Teams einige Wertungsprüfungen durchlaufen, in Jordanien soll jedes Team zum Beispiel einen „Wunschstein“ für eine neu errichtete „Wish-Wall“, eine Art ökumenische Klagemauer, mitbringen. Die „Murmeltiere“ haben sich darauf schon vorbereitet und einen Stein mit dem Motto: „Murmeltiergruppe, Team 18 – for Love and Peace -“ verziert.

Zum Abschluss steht dann die finale Wüsten-Challenge in Jordanien an, bei der die Kandidaten zwei Tage lang auf sich alleine gestellt sind. Dort wollen die „Murmeltiere“ unter anderem einmal ausprobieren, Golf zu spielen. Allerdings stehen Völkerverständigung und humanitäre Zwecke im Vordergrund der Rallye. Am Ziel in Amman werden die alten Gebrauchtwagen für karitative Zwecke gespendet, zusätzlich unterstützen viele Fahrerteams auch noch andere Hilfsprojekte. Die „Murmeltiere“ nehmen dabei einen Umweg auf sich, um Hilfsgüter nach Albanien in ein Kinderheim der Jürgen Wahn-Stiftung zu bringen. Was die Kinder am meisten brauchen sind vorwiegend alltägliche Sachen wie Bettwäsche, Decken, Kleidung, Schuhe, Spielzeug, aber auch Rollstühle. „Wir freuen uns über über jede Spende und versprechen, alles persönlich zu übergeben“, versichern die „Murmeltiere“. Um die Spenden einzusammeln, veranstaltet das Rallye-Team am Samstag, den 5. April, eine Party im Jugendhaus in Moosburg, bei der unter anderem die Bands „Apollon’s Smile“ und „Scorefor“ auftreten werden. Die Feier beginnt um 18 Uhr, für Essen und Trinken ist gesorgt. Außerdem bieten die „Murmeltiere“ einen Rallye-Taxi-Fahrservice an, mit den originalen, blau-weißen Autos der Allgäu-Orient-Rallye, sodass jeder für einen kleinen Preis nach Hause gebracht werden kann.

Die Gruppe ist gespannt, was auf sie zukommen wird. Land und Leute im Orient kennenzulernen, wird in jedem Fall ein großes Erlebnis. Sollten sie die Rallye gewinnen, bekommen sie ein lebendes Kamel als Hauptpreis. Doch den sechs jungen Moosburgern geht es bei der Sache eher um den „Spaß an der Freud“ und ein Hilfsprojekt zu unterstützen, als zu gewinnen.

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