Erholungs- und Freizeitpark für Moosburg

Neugestaltung des Aquaparks mit Wakeboardanlage, neuem Kiosk und Sanitäranlagen

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Der Aquapark von oben beim Utopia Island Festival 2016. Im linken hinteren Teil des Badesees soll die Wakeboardanlage installiert werden.    Quelle: Laura Schindler

Der Aquapark wird bald nicht wiederzuerkennen sein: Die Klangfeld GmbH, die den beliebten Badesee seit letztem Sommer betreibt, hat große Pläne für das Areal. Durch eine neue Kioskfläche mit Biergarten, Sanitäranlagen und einer Wakeboardstation will man das Freizeitangebot am See steigern.

Anfang Juli wurde bekannt, dass der Aquapark den Besitzer wechselte: Isarkies hatte das Naherholungsgebiet damals für einen Millionenbetrag an die Firma V.I.P.’s Immobilien verkauft. Letztere ist Partner der Klangfeld GmbH, die unter anderem das jährlich im August stattfindende Utopia Island Festival am Aquapark veranstaltet. Im Jahr 2016 haben sich die beiden Firmen zur „Evago-Group“ zusammengeschlossen, die nun Dach für mehrere Tochterunternehmen wie Klangfeld, die Bümo Event-Logistik GmbH oder Mojo Barriers ist.

Evago ist auf Eventmanagement, Veranstaltungstechnik, Immobilien und Marketing spezialisiert. Die Firma beschäftigt über 100 Mitarbeiter in sechs verschiedenen Ländern. Im Fall des Aquaparks ist die Tochterfirma Evago Immobilien (ehemals V.I.P.’s Immobilien) Eigentümer und Bauherr, Klangfeld Betreiber und Projektleiter.
Für den Aquapark hat Klangfeld nun große Pläne: Nicht nur die Liegeflächen, Sanitäranlagen und das Kioskareal sollen erneuert und somit schöner gestaltet werden, man will außerdem eine Wakeboardanlage am See errichten. Im angrenzenden, geplanten Servicegebäude der Freizeitanlage soll zudem die Wasserwacht mit einem neuen Vereinsheim Platz finden.

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Das Utopia Island Festival 2016 am Aquapark.   Quelle: Patrick Wolf

Mit der Umgestaltung will Klangfeld die Qualität und Attraktivät am Aquapark steigern, man will das Potenzial des türkisblauen Badesees voll ausschöpfen. „Dabei soll für alle Generationen etwas dabei sein: für Kinder ein toller Spielplatz, für junge Familien die neue Kioskanlage mit Biergarten und für die Jugendlichen etwa das Freizeitangebot mit der Wakeboardanlage“, so Lorenz Schmid, Geschäftsführer von Klangfeld. Bisher sei die Liegewiese sehr abgenutzt und nicht gut gepflegt gewesen, noch dazu fehlte es an ausreichend Sanitäranlagen, Umkleidekabinen und Schattenplätzen. Dies soll sich nun ändern, betont Schmid.

Bei den Planungen wurde großer Wert darauf gelegt, die Interessen aller am Aquapark beteiligten Vereine und Nutzer zu berücksichtigen. So hat man sich auch lange mit Fischerverein und Wasserwacht besprochen, um einen guten Kompromiss zu finden. „Wir wollen jedem ‘seinen See’ weiterhin lassen. Ich denke, das Endergebnis ist uns überraschend gut gelungen“, so Lorenz Schmid.

Für die neue Wakeboardanlage hat man sich keinen geringeren als Doppelweltmeister Dominik Gührs mit an Bord geholt. Der Wakeboarder aus München wird von Red Bull gesponsert und reist durch seinen Sport momentan um die ganze Welt. „Dominik wäre mit seiner Erfahrung natürlich ein super Aushängeschild für unsere Anlage und kann sicher sowohl für Anfänger als auch für Profis einen tollen Parcours entwickeln“, freut sich Schmid. Viele wassersportbegeisterte Jugendliche hätten bereits bei Klangfeld angerufen, da sie gerne einen Wakeboard-Verein gründen würden, berichtet Schmid: „Der Bedarf ist auf alle Fälle da.“ Um den Lärm der Anlage mache er sich keine Gedanken: „Die Autobahn nebendran ist noch deutlich lauter.“ Auch Platz zum Schwimmen für die regulären Badegäste sei neben den Anlagen, die im hinteren rechten Teil des Sees entstehen sollen, noch reichlich vorhanden. Angrenzend zur Wakeboardanlage soll ein Servicegebäude mit Essenskiosk, der Verwaltung des Sees, Fitness- und Physioräumen, einem Sanitätsraum und einem Badeshop gebaut werden. In dem Gebäude soll auch die Wasserwacht Moosburg integriert werden, geplant sind ein Bootshaus, ein Büro für den Vorstand, Behandlungsräume sowie eine Aussichtsterrasse. Insgesamt wolle man viel mit Holz und Glas arbeiten, sodass sich das Gebäude gut in die Landschaft einfüge, so Schmid.

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Die alte Kioskanlage am Aquapark soll abgerissen werden.   Quelle: Laura Schindler

Die neue Kioskanlage soll ähnlich wie die Haager Schlossallee mit getrennten Kioskhäuschen, in denen regionale Anbieter Fisch, Fleisch oder Bäckereiwaren verkaufen, aufgebaut werden. Mit einem Biergarten soll dort ein schönes Ambiente geschaffen werden. Ganz neu soll es außerdem für Spaziergänger sowie Rettungsdienste einen Wirtschaftsweg rund um den Aquapark mit über zwei Kilometern Länge geben. Die Umgestaltung des Badesees läuft derzeit unter dem Projektnamen „Rosenpark“ – man will vom alten Namen „Aquapark“ weg, etwas Neues kreieren und nicht das Alte damit assoziieren. Ob der Badesee auch nach den Bauarbeiten den Namen „Rosenpark“ tragen wird, ist noch ungewiss. „Denkbar wäre es, da es zur Dreirosenstadt Moosburg gut passen würde“, so Lorenz Schmid.

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Schilder am Eingang des Aquaparks weisen bereits auf die Bauarbeiten hin.

Der Baubeginn für Kioskfläche, Sanitäranlagen und Wirtschaftsweg soll bald an den Start gehen, damit alles möglichst noch vor der neuen Badesaison fertig wird. Die Wakeboardanlage soll – wenn alles läuft wie geplant – voraussichtlich im Frühjahr 2018 eröffnet werden.

Für die Besucher des Aquaparks soll sich nichts ändern, wie Schmid unterstreicht. „Wir haben nicht vor, Eintritt zu verlangen. Es bleibt wie gehabt bei der Parkgebühr von 3,50 Euro.“ Zudem sollen die Liege- und Parkflächen deutlich erweitert werden, um einem größeren Andrang gerecht zu werden.
Klangfeld denkt schon weiter und hat bereits viele Ideen und Zukunftsvisionen für den Aquapark, unter anderem wären ein Triathlon, Beachvolleyball-Meisterschaften oder Open-Air-Konzerte denkbar, sagt Schmid. Priorität habe jedoch der Wohlfühleffekt am See, man wolle die Besucher nicht durch eine wöchentliche „Ramba-Zamba-Partymeile“ verschrecken.

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Der Moosburger Aquapark – ein Badeparadies im Sommer.   Quelle: Klangfeld

Neues Eisstadion ohne Gäste?

Oft nur wenige Besucher beim öffentlichen Lauf – Vereine wünschen sich mehr Zuschauer
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Für rund fünf Millionen Euro ist das Moosburger Eisstadion saniert und überdacht worden, eine höher Auslastung wäre wünschenswert.  (Quelle: Laura Schindler)

Es ist noch nicht lange her, dass das Eisstadion für etwa fünf Millionen Euro saniert und überdacht worden ist. Trotzdem scheinen die Nutzerzahlen zurückzugehen, was sich vor allem bei Abendlauf und Eisdisco bemerkbar macht. Die Eishockeyvereine EV Moosburg und EV Aich haben jedes Jahr zu kämpfen und klagen über zu wenige Zuschauer bei den Heimspielen in der Sparkassen-Arena.

Eishockey ist ein teurer Sport. Und doch einer, der unterhält – „egal, wie schlecht das Spiel ist“, wie Bastian Amann, Pressesprecher des EV Moosburg, es formuliert. Der Sport Eishockey hat in der Dreirosenstadt eine lange Tradition, vor allem in den 80er Jahren, als man noch in der Oberliga mitspielte, waren die Eishackler in Moosburg sehr angesagt. Seit fünf Jahren nun spielt der EV Moosburg wieder in der Bayernliga – und das bislang sehr erfolgreich.

EV Moosburg könnte gut mehr Zuschauer vertragen

Dennoch klagt man im Verein über zu wenige Zuschauer: „Im Schnitt zählen wir 210 Gäste pro Heimspiel. Das ist für die Bayernliga sehr wenig.“ Andere Mannschaften in der Liga, etwa der ECDC Memmingen, HC Landsberg oder TEV Miesbach, würden da einiges mehr auf die Waage bringen, im Schnitt sogar vierstellige Zahlen. „Dafür gibt es viele Gründe“, so Amann. „Ich denke, es liegt hauptsächlich daran, dass Moosburg im Speckgürtel Münchens liegt und die Einwohner verwöhnt sind mit einem vielfältigen Freizeitangebot.“ Landsberg beispielsweise sei eine „Hochburg“, da sei Eishockey fast schon Pflicht.

Dasselbe Problem wie Moosburg plage jedoch auch die Nachbarn aus Freising und Pfaffenhofen. Letztere spielen auch in der Bayernliga und zählen sogar noch weniger Besucher als Moosburg. „Selbst die Freisinger kommen mit ihrer attraktiven neuen Halle nicht über 200 bis 300 Zuschauer hinaus“, berichtet Amann. 800 Gäste würden offiziell in der Sparkassen-Arena Platz finden, inoffiziell habe man locker Kapazität für 1500, meint Amann. „An die Grenzen sind wir erst ein einziges Mal beim Eröffnungsspiel des neuen Stadions gegen Freising gekommen.“ Selbst bei Lokalderbys gegen Erding oder Dorfen zähle man nur 400 bis 500 Fans. „Viele Leute sind nicht mehr bereit, sich den Lokalsport anzusehen, und verfolgen lieber die Profispiele im Fernsehen“, so Amann, der diese Entwicklung bedauert: „Der Verein kämpft jedes Jahr.“

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Der EV Aich bei einem Heimspiel vor leeren Zuschauerrängen. Quelle: Bernd Spanier

Fast hätte es in dieser Saison sogar mit einem Hammerspiel für den EV Moosburg geklappt, nämlich gegen den EV Landshut, der es gerade noch in die Meisterrunde der Oberliga Süd geschafft hat. Wäre der EVL nach seinem schlechten Saisonstart in die Abstiegsrunde und der EVM in die Play-offs gekommen, wären die beiden Teams aufeinandergetroffen. Der EVM hat die Play-offs in der Bayernliga jedoch knapp verpasst und musste in die Abstiegsrunde. „In einem Spiel mal so viele Fans wie Memmingen oder Landsberg zu haben, wäre schon der Wahnsinn“, sagt Amann. „Meiner Meinung nach sind in Moosburg mit der Bayernliga Qualität und ein tolles Eishockey geboten, es sind auch immer wieder ehemalige Nationalspieler zu sehen, eigentlich muss das reichen. Außerdem machen wir es jedes Jahr bis zum Schluss der Saison spannend.“

Das seit 2009 neu überdachte Eisstadion habe beim Nachwuchs einen zwischenzeitlichen „Hype“ ausgelöst, der mittlerweile aber wieder abgeflaut sei, so Amann. Zwar befinde sich der EVM in einer komfortablen Situation, da auch viele Landshuter Kinder, für die beispielsweise das Training beim EVL zu teuer wäre, beim EVM spielten. Dennoch ist Eishockey mit drei Trainings pro Woche plus Spielen am Wochenende ein zeitintensiver Sport und muss – wie andere Sportarten auch – dem gesellschaftlichen Wandel geschuldet um seinen Nachwuchs kämpfen. Zudem fallen beim Eishockey hohe Kosten fürs Material an, die sich bei einer Gesamtausrüstung schnell auf rund 1500 Euro belaufen.

Weniger Besucher bei Eisdisco und Abendlauf

„Das Eisstadion an sich läuft bei weitem nicht mehr so gut wie früher“, sagt Bastian Amann. Eisdiscos und Abendläufe seien eine wichtige Einnahmequelle für den Verein, hier sinken die Zahlen allem Anschein nach aber. Die Einnahmen der öffentlichen Läufe gehen an die Stadt Moosburg, diese konnte jedoch keine Angabe zur genauen Anzahl der Nutzer machen. Im Jahr 2016 führte der Verwaltungshaushalt Ausgaben in Höhe von 260.424,94 Euro für das Eisstadion an. Dem gegenüber standen 159.422,78 Euro Einnahmen, davon waren 28.571,40 Eintrittsgelder. Jedes Jahr macht die Stadt ein Defizit beim Eisstadion, die Unterhaltskosten sind hoch, Preiserhöhungen beim Eintritt wären nicht sozial gerecht.

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Eine weitgehend leere Halle: Zum öffentlichen Lauf kommen oft nur wenige Besucher in die Sparkassen-Arena.  Quelle: Laura Schindler

Die Eishockeyvereine EV Moosburg und EV Aich organisieren viele Attraktionen für die Öffentlichkeit wie Eisfußball, Schlittschuhkurse, Jugendturniere oder die Eisdiscos. Beim Bau des neuen Stadions habe der Förderverein Eissport etwa 5000 Stunden Eigenleistung eingebracht, wie EVM-Vorsitzender Bernhard Loidl berichtet. Derzeit sind laut Loidl alle Eiszeiten von Vereinen und Hobbymannschaften komplett ausgebucht, dennoch gebe es auch Nutzer, die in der Vergangenheit weggefallen seien, wie beispielsweise die Stockschützen mit ihren Turnieren.

Ein weiterer Grund für den Rückgang von Zuschauern und Läufern könnte auch die neue Eishalle in Freising sein, meint Loidl. Einwohner aus Langenbach oder Marzling würden vielleicht eher nach Freising zum Eislaufen fahren. „Schade ist auch, dass man die Abendläufe aufgrund der Lärmschutzmaßnahmen nur bis 21.45 Uhr veranstalten kann“, bedauert Loidl. Durch längere Öffnungszeiten könnte man mehr Besucher gewinnen und die Einnahmen steigern.

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Das früher noch offene Stadion war beim Eislauf stets gut besucht.  Quelle: Bernd Spanier

„Eisstadion für Moosburg nicht selbstverständlich“

Vorsitzender Hanns Koller ist im Allgemeinen zufrieden mit den Zuschauerzahlen bei Spielen des EV Aich: „Es kann natürlich immer besser sein.“ Im Schnitt zähle man 50 bis 150 Besucher bei der ersten Mannschaft, die in der Bezirksliga spielt. „Die Tendenz liegt eher bei unter 100“, so Koller. Im Vergleich zu anderen Sportarten wie Fußball oder Tennis könne man sich mit derartigen Zahlen jedoch noch glücklich schätzen. Dass die Zuschauerzahlen zurückgehen, könnte laut Koller auch daran liegen, dass viele Leute lieber auf umliegenden Weihern, die zugefroren sind, Schlittschuhlaufen gehen. Ein Eisstadion für eine Kleinstadt wie Moosburg sei allerdings Luxus und nicht selbstverständlich, dies müssten die Bürger auch zu schätzen wissen, so Koller: „Lange Zeit war das Moosburger Eisstadion sogar das Einzige im ganzen Landkreis!“

Bürgermeisterin Anita Meinelt denkt, dass gerade die neue Überdachung den Rückgang der Zuschauerzahlen ausmachen könne: „Viele Leute gehen lieber raus an die frische Luft, wenn das Wetter schön ist. In ein überdachtes Gebäude geht man ja eher bei schlechter Witterung.“ Dennoch bereut sie es nicht, vor acht Jahren das Geld in die Hand genommen zu haben, um das Stadion zu sanieren. Schließlich nutzten auch alle Schulen vormittags unabhängig vom öffentlichen Lauf das Stadion. „Es hat sich absolut gelohnt“, so das Fazit der Bürgermeisterin.

KOMMENTAR

Luxus direkt vor der Haustür

Rund fünf Millionen Euro für ein neues Eisstadion. Da sollte man erwarten dürfen, dass die Halle gut genutzt wird. Der Bedarf ist zweifellos da, das Stadion wird von mehreren Vereinen und allen Moosburger Schulen genutzt, die Eiszeiten sind komplett ausgebucht. Und trotzdem kommt es nicht selten vor, dass man beim öffentlichen Lauf, sogar an einem Samstagabend, auf eine einsame Halle mit einer Handvoll Besucher trifft. Wo früher die Eisfläche kochte und hunderte Teenager bei der Eisdisco ihre Runden drehten, herrscht momentan eher Ruhe. Dies ist nicht nur fatal für die Vereine, die sich unter anderem durch die Einnahmen aus Eisdisco und Abendlauf finanzieren, es ist auch schade für die schöne Halle. Moosburg kann sich glücklich schätzen, ein eigenes Eisstadion für eine Kleinstadt mit knapp 18.000 Einwohnern ist nicht selbstverständlich – blickt man auf ähnlich große Gemeinden im Landkreis. Es ist verständlich, dass öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbad oder Eisstadion kaum kostendeckend für die Stadt sein können, dennoch sind sie sehr wertvoll für das gesellschaftliche Leben. Dieses Luxus‘ sollten sich die Einwohner bewusst sein. Zu einer lebendigen Stadt gehören nicht nur die Angebote, sondern auch die Menschen, die diese beleben.

Nurullah will arbeiten

34-jähriger Afghane darf trotz Ausbildungsvertrag keine Schneiderlehre machen
Gescheiterte Ausbildung: Ab dem 1. Januar wollte Nurullah (r.) von Gabi Urban das Schneiderhandwerk lernen, daraus wird nun erst einmal nichts.
Gescheiterte Ausbildung: Ab dem 1. Januar wollte Nurullah (r.) von Gabi Urban das Schneiderhandwerk lernen, daraus wird nun erst einmal nichts.

Eigentlich war alles schon unter Dach und Fach: Der 34-jährige Nurullah aus Afghanistan wollte bei Gabi Urban das Schneiderhandwerk lernen, der Arbeitsvertrag war bereits unterschrieben. Doch noch bevor er am 1. Januar mit der Ausbildung beginnen konnte, machte die bayerische Staatsregierung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.

Am 6. August 2016 ist das neue Integrationsgesetz in Kraft getreten. Flüchtlinge haben demnach Anspruch auf bis zu fünf Jahre Duldung, sofern sie einen Ausbildungsplatz vorweisen können. Für viele Betriebe aus dem Handwerks- und Gastronomiebereich war diese Regelung interessant, weil es seit Jahren schwer ist, Azubis zu finden. Seit einigen Wochen unterläuft man in Bayern jedoch die neue Regelung. Vielen Auszubildenden droht somit die Abschiebung, Firmen und Wirtschaftsverbände sind verärgert.

Das seit Anfang des Jahres durchs Bayerische Innenministerium ausgerufene Arbeitsverbot für Flüchtlinge mit einer geringen Aussicht auf Bleibeperspektive trifft nun auch Nurullah aus Moosburg. Der 34-jährige Afghane hat in seinem Heimatland lange Zeit als Industrieschneider gearbeitet. Durch einen Freund wurde er auf den Schneiderbetrieb von Gabi Urban aufmerksam. Dort konnte man eine Aushilfe gut gebrauchen, wie die Unternehmerin erzählt: „Nurullah hat im Oktober bei uns für zwei, drei Wochen hospitiert.“ Urban war vom Geschick des Afghanen überzeugt und erwarb eine Ausbildungserlaubnis bei der Handwerkskammer. Die Behördengänge nahm ihr Flüchtlingshelfer Reinhard Kastorff ab. Schließlich wurde der Vertrag unterschrieben, ab 1. Januar 2017 sollte die Ausbildung für Nurullah starten. Doch dann klingelte das Telefon bei Gabi Urban, am Apparat das Landratsamt Freising: Nurullah habe keine Arbeitserlaubnis mehr. Der Ausbildungsvertrag war damit nichtig.

 

Die bayerische Regierung bedient sich hierbei eines Schlupflochs: Bei den Verhandlungen zum Integrationsgesetz wurde zur 3+2-Regelung ein Nachsatz eingefügt. In Paragraf 60a des Aufenthaltsgesetzes steht demnach: Die Duldung „ist zu erteilen, wenn konkrete Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung nicht bevorstehen“. Dieser Zusatz war eigentlich für Extremfälle gedacht: Sollte kurz vor dem bereits gebuchten Abschiebeflug ein Ausbildungsvertrag auftauchen, soll das die Abschiebung nicht verhindern. Bayern interpretiert dies jedoch viel weiter: Eine „konkrete Maßnahme zur Aufenthaltsbeendigung“ liege demnach bereits vor, wenn das Amt den Antragsteller aufgefordert habe, einen Pass zu beantragen. Das allerdings betrifft sehr viele Flüchtlinge, die vor oder nach der Einreise ihre Papiere wegwerfen – aus Angst vor einer Abschiebung.

Auch Nurullah hat einen neuen Pass beantragt. Einen Abschiebebescheid hat er bislang nicht erhalten. Für Urban ist das Arbeitsverbot unverständlich: „Da kommt jemand, der sich selbst um die Ausbildungsstelle gekümmert hat, gutes Basiswissen mitbringt, arbeiten will und dann sowas!“

Zudem verärgere es sie, dass durch das Arbeitsverbot Unternehmern reihenweise die Azubis weggenommen würden, mit denen man fest gerechnet habe. „Wir könnten Nurullah momentan gut gebrauchen. Im Dezember ist meine Meisterin gegangen, man merkt, dass eine Arbeitskraft fehlt. Stattdessen sitzt er daheim und hat nichts zu tun, obwohl er gerne arbeiten würde“, sagt Urban.

Gerade Unternehmen und Wirtschaftsverbände waren es, die die Politik im Zuge der Flüchtlingskrise in die Pflicht genommen hat, Asylbewerber in die Arbeitswelt zu integrieren. 20 Millionen Euro haben die Industrie- und Handelskammern beispielsweise in das Projekt „Ankommen in Deutschland“ investiert, in einem Integrationspakt hat sich Bayern dazu verpflichtet, bis 2019 etwa 60.000 Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu bringen. Dieses Ziel dürfte durch die vielen Arbeitsverbote schwer zu erreichen sein, fürchten Unternehmer.

Im Fall von Nurullah geht Reinhard Kastorff nun mit einer Münchner Anwaltskanzlei vors Verwaltungsgericht, Nurullahs Arbeitserlaubnis soll eingeklagt werden. „Wir hoffen weiterhin auf das Beste“, sagt Gabi Urban. „Nurullah ist zwar schüchtern, aber fleißig, und er gibt sich Mühe, Deutsch zu lernen.“ Momentan bleibt dem 34-jährigen nicht viel mehr übrig, als zuhause auf eine Veränderung zu warten. „Wir Afghanen bekommen zur Zeit nicht einmal mehr Deutschkurse an der Volkshochschule“, berichtet er. Nurullah versucht trotzdem auf dem Laufenden zu bleiben und sich selbst weiterzubilden.

 

Das Bayerische Fernsehen war für die Sendung
Das Bayerische Fernsehen war für die Sendung „quer“ zu Gast bei Gabi Urban, um über Nurullahs Geschichte zu berichten. Die Sendung lief am 19. Januar.

Eine Runde weiter

Die Moosburger „DSDS“-Kandidatin Bianca Jenny hat es in den Recall geschafft
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Sie hat es geschafft: Stolz hält die 17-jährige Bianca Jenny den gelben, eingerahmten Recall-Zettel von „DSDS“ in den Händen. (Quelle: Laura Schindler)

Bianca lebt ihren Traum: Sie ist Kandidatin bei der 14. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ und geht ihrem Wunsch nach, Sängerin zu werden. Am Samstagabend wurde ihr Casting auf RTL ausgestrahlt, bei dem sie die Jury mit dem Song „When we were young“ von Adele überzeugte und es so in den Recall schaffte.

Gespannt, wie viele andere Moosburger, die sehen wollten, wie sich die 17-Jährige bei „DSDS“ schlägt, verfolgte auch Bianca selbst ihren ersten Fernsehauftritt. „Ich hab’ geweint, ich hätte am liebsten alles in Zeitlupe gesehen!“, erzählt sie. Sich das erste Mal selbst im Fernsehen zu sehen, sei komisch, aber auch spannend gewesen, so Bianca. „Mir ist aufgefallen, dass ich vor lauter Aufregung ein bisschen durcheinandergeredet habe – das merkt man in dem Moment, in dem man gefilmt wird, gar nicht.“

Doch mit ihrer natürlichen, unbefangenen Art hat sie die Jury für sich gewonnen. Gleich als erste Kandidatin wurde Bianca vergangenen Samstag um 20.15 Uhr auf RTL gezeigt. Vor dem Casting war sie sehr aufgeregt und nervös: „Ich hab’ am ganzen Körper gezittert.“

Als Juryjoker wählte sie Dieter Bohlen, weil „er schon immer dabei ist und einfach Ahnung hat“. Vom „Poptitan“ kam natürlich auch gleich der erste blöde Spruch, als Bianca sich der Jury vorstellte und sagte, dass sie „When we were young“ von Adele singen wird: „Du bist doch young ?“, scherzte Bohlen. Als Bianca dann jedoch mit dem Singen loslegte, hatte es selbst ihm die Sprache verschlagen. Ihre Stimme ist sehr ausdrucksvoll, voluminös und voller Gefühl. Den schwierigen Song von Adele hat sie von Anfang bis Ende perfekt gesungen und gemeistert.

Vonseiten der Jury gab es deshalb auch großes Lob. Nur Scooter-Frontman H. P. Baxxter hatte ein wenig Kritik für Bianca übrig: „Du hast es ja nicht falsch gesungen oder so, es fehlte mir persönlich nur der Druck.“ Dennoch konnte er sich die 17-Jährige im Wettbewerb gut vorstellen und gab ihr ein „Ja“. Die 21-jährige Jurorin Shirin David, bekannt durch ihren YouTube-Kanal, dem über 1,8 Millionen Menschen folgen, war fasziniert von Biancas Auftritt und ihrer unschuldigen, natürlichen Erscheinung. Schlagerstar Michelle betonte, Bianca habe für ihre 17 Jahre „eine echt reife Stimme“. Und Dieter Bohlen ? Der wollte keinen Druck von Bianca oder dass sie noch mehr aus sich rauskommt, sondern, dass sie genauso bleibt, wie sie ist. „Änder da bloß nichts dran, der Auftritt war perfekt !“, gab er der Moosburgerin mit auf den Weg.

Viermal „Ja“ also für Bianca und ein sehr positives Feedback. Und nun ? Im Fernsehen wird die 17-jährige Moosburgerin, die ursprünglich aus Gmünd im Waldviertel in Niederösterreich stammt, erst wieder in der zweiten Runde im März zu sehen sein, wo sie erfährt, ob sie es in den Auslandsrecall nach Dubai schafft. Bis dahin hat Bianca also erst einmal Zeit für andere Sachen – und auch schon Pläne: „Ich möchte meinen YouTube-Kanal aufbauen, bald ein neues Cover hochladen und meine Fans auf dem Laufenden halten.“

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In Moosburg schon eine kleine Berühmtheit: Fanfoto mit Luigi Melfi.

Seit Biancas Casting hat sich nämlich schon eine richtige Fanbase um die Moosburger DSDS-Kandidatin gebildet: 3963 Leute folgen ihr auf Instagram, 2228 gefällt ihre Seite „Bianca Jenny“ auf Facebook. Rund 400 Nachrichten erhält die 17-Jährige pro Tag. „Ich versuche, so gut es geht, auf alles zu antworten, komme aber gar nicht nach“, berichtet Bianca. Trotzdem freut es sie, dass plötzlich so viele Menschen, vor allem junge Mädchen, an ihr interessiert sind. „Nun bekomme ich auch mal mehr Feedback auf der Seite und kann auf die Wünsche der Leute reagieren.“ Schon jetzt hat Bianca in ihrer Zeit bei „DSDS“ viel gelernt und mitgenommen: „Ich habe mir immer die Kritik der Jury zu Herzen genommen, bin offener und selbstbewusster geworden“, erzählt die 17-Jährige. Auch gute Freundschaften mit den anderen Kandidaten hat sie bereits geschlossen: „Wir haben früh eine Gruppe gegründet, in der sich alle sehr gut verstanden haben. Die Musik verbindet uns alle unglaublich.“

In der Jury findet Bianca Jurorin Michelle am strengsten: „Allerdings ist es auch gut, dass sie den Kandidaten ehrlich und direkt ihre Meinung sagt, so weiß jeder, woran er ist.“ Shirin David hingegen versuche meistens, die Kritik möglichst sanft zu verpacken. Bianca findet ihren Platz in der Jury, obwohl sie erst 21 Jahre alt ist, gerechtfertigt, gerade weil sie sich so gut in die Kandidaten hineinversetzen könne.

Nach „DSDS“ ähnlich wie Shirin David und viele andere Internetstars auf YouTube und Instagram durchzustarten und erfolgreich zu werden, kann sich auch Bianca vorstellen. „Ich möchte nach der Castingshow auf jeden Fall nicht gleich von der Bildfläche verschwinden. Wenn man so einen YouTube-Kanal richtig macht, kann man auch Erfolg damit haben. Ich muss nur noch überlegen, was ich anders als die anderen machen, womit ich mich auszeichnen kann.“

Egal, wo ihr Weg sie dann letztendlich hinführen und wie weit sie bei „DSDS“ kommen wird, in jedem Fall darf man gespannt sein, was von Bianca in der nächsten Zeit noch zu hören sein wird !

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Mit ihrer natürlichen, offenen und unbefangenen Art hat Bianca die Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ beim Casting überzeugt. (Quelle: Laura Schindler)

Der große Traum vom Superstar

Die 17-jährige Bianca Jenny aus Moosburg ist am Samstag auf RTL bei „Deutschland sucht den Superstar“ zu sehen
Deutschland sucht den Superstar
Die 17-jährige Bianca Jenny aus Moosburg wird am Samstagabend bei „Deutschland sucht den Superstar“ singen. © RTL/Stefan Gregorowius

Die 17-jährige Bianca Jenny will sich den großen Traum vom Superstar erfüllen: Am Samstagabend ist die junge, talentierte Sängerin auf RTL bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ zu sehen und tritt in der ersten Runde vor die Jury.

„Ich singe schon, seit ich denken kann“, sagt Bianca. Zwar hat die 17-Jährige nie Gesangsunterricht genommen, dennoch hat sie immer schon zuhause vor dem Spiegel für sich oder vor ihren Freunden gesungen. Und sie hat Talent. Auf ihrem YouTube-Kanal „Bianca Jenny“ sind vier Musikvideos hochgeladen, in denen sie unter anderem „Love Yourself“ von Justin Bieber oder „All of me“ von John Legend covert. Biancas Stimme ist stark und ausdrucksvoll, die Songs interpretiert sie auf ihre eigene Art und Weise mit viel Gefühl.

„DSDS“ könnte nun für die 17-jährige Moosburgerin die erste Chance sein, ihr Talent auf einer großen Bühne unter Beweis zu stellen, vor einem Millionenpublikum. Dabei war das so gar nicht geplant, wie Bianca berichtet: „Ich hatte es zwar vor, seitdem ich 16 bin, aber selbst hätte ich mich nie getraut, mich anzumelden.“ Diese Hürde hat „DSDS“ ihr abgenommen, denn die Macher der Castingshow sind auf Bianca zugegangen. Durch ihre Facebookseite oder den YouTube-Kanal, vermutet Bianca, seien sie im Internet auf die 17-Jährige aufmerksam geworden und hätten gefragt, ob sie nicht teilnehmen möchte.

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Der Zeitpunkt könnte besser nicht sein, denn Bianca – oder Bibi, wie sie auch genannt wird – hat im Sommer ihren Abschluss an der Fachschule in Österreich gemacht. Vor wenigen Monaten ist sie dann nach Moosburg zu ihrer Mutter gezogen und macht nun erst einmal eine Pause, nimmt sich eine Auszeit. „Als ich umgezogen bin, war die Anmeldung an den Schulen schon abgeschlossen, sodass ich nicht mehr angenommen wurde“, erklärt Bianca. Dennoch sei ihr die Schule wichtig, betont die 17-Jährige: „Ich will auf jeden Fall noch mein Abitur machen.“ Schon vor ihrem ersten Auftritt im Fernsehen, dem ersten Casting bei „DSDS“, das am morgigen Samstag um 20.15 Uhr auf RTL gezeigt wird, steht Bianca ein wenig im Rampenlicht: der erste Artikel, über 1200 „Gefällt mir“-Angaben auf ihrer Facebookseite, unzählige Nachrichten und Anrufe. Und wie geht die junge Frau mit diesem Medienrummel um? „Ich hab mich mega gefreut und bin hier in der Wohnung rumgehüpft, ich konnte das alles gar nicht glauben“, gesteht Bianca.

Beim Casting in Köln vor der Jury aus Dieter Bohlen, Scooter-Frontman H. P. Baxxter, YouTube-Star Shirin David und Schlagerstar Michelle war Bianca sehr aufgeregt: „Ich wusste bis dahin überhaupt nicht, was diese Nervosität mit meinem Körper anstellen kann. Ich war total steif und konnte nicht mal mehr lachen“, erzählt die 17-Jährige. „Als ich dann angefangen habe zu singen, habe ich das alles zum Glück schnell vergessen.“ Plötzlich vor den Jurymitgliedern zu stehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, war für Bianca „unreal“, aber auch faszinierend: „Ich hab’ mich zuerst gar nicht getraut, beim Gang zum Vorsingen durchs Fenster rüberzuschauen. Es sah aus, als stünden da Pappaufsteller oder Wachsfiguren.“ Doch sobald sie sich mit der Jury unterhielt, war auch diese Anspannung verflogen.

Deutschland sucht den Superstar
Mit dem Song „When We Were Young“ von Megastar Adele will Bianca die DSDS-Jury überzeugen. © RTL/Stefan Gregorowius

Als Song hat Bianca sich „When We Were Young“ von Adele ausgesucht. Obwohl ihr Juryjoker Dieter Bohlen Kandidaten oft dafür kritisiert, dass sie sich „zu hohe Hausnummern“ von Megastars wie beispielsweise Adele aussuchen, fühlt sich Bianca mit ihrer Wahl sicher. „Ich habe auf mein Gefühl vertraut. Meine Familie hat gesagt, ich soll das nehmen, was ich zuhause am meisten singe, und das habe ich getan.“ Die britische Pop-Sängerin Adele ist Biancas großes Vorbild und Idol. „Ich liebe ihre Stimme“, sagt die DSDS-Teilnehmerin. „Egal welches Lied, sie nimmt mich immer mit.“ Auch Adeles starke Persönlichkeit und ihre offene Art, Probleme anzusprechen, bewundert die 17-Jährige. Ansonsten singt Bianca viele Songs, die „gerade neu herausgekommen sind“ und sie ansprechen. Biancas persönliches Ziel bei „Deutschland sucht den Superstar“ ist es, den begehrten gelben Recall-Zettel in den Händen zu halten und erst einmal eine Runde weiterzukommen. Toll wäre es auch, sagt die 17-Jährige, es in den Auslandsrecall nach Dubai zu schaffen und vielleicht sogar einmal auf der großen Bühne in den Liveshows singen zu dürfen. Alles, was danach kommt, wäre natürlich ein Traum für sie.

Biancas Familie, die ursprünglich aus Gmünd im Waldviertel in Niederösterreich stammt, stärkt ihr den Rücken bei der Reise mit DSDS: „Meine Eltern standen von Anfang an hinter mir und drücken mir die Daumen. Meine Familie und mein Lachen sind meine Glücksbringer.“

Bianca hat außer dem Singen übrigens noch viele weitere Hobbys: Sie kocht, backt, malt und schminkt sich sehr gerne. Außerdem beschreibt sie sich als sehr verrücktes und durchgeknalltes Mädchen. Und: Im bayerischen Moosburg gefällt es ihr sehr gut. „Zwar kann man nie sagen, wo es mich mal noch hinführt, aber ich fühle mich sehr wohl hier, es fühlt sich an wie zu Hause.“

Alle Infos zu ‚Deutschland sucht den Superstar‘ im Special bei RTL.de: http://www.rtl.de/cms/sendungen/superstar.html

https://www.youtube.com/watch?v=ubpXSmuF4XY

Zu Fuß bis nach Kanada

Hans Stoiber aus Chile will in zwei Jahren über Europa und Asien nach Amerika wandern

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Hans Stoiber will von Deutschland aus bis nach Kanada gehen.         (Quelle: Laura Schindler)

„Ich wollte das schon lange machen“, sagt Hans Stoiber. Der 61-Jährige will zu Fuß von Deutschland aus bis nach Kanada wandern. Mit großem Reiserucksack samt Schlafsack, Zelt und Isomatte klopft er in unserer Redaktion und erzählt in gebrochenem Deutsch von seinem Vorhaben. Zwei Jahre hat der Sohn eines deutschen Vaters, der nach dem Krieg nach Chile ausgewandert ist, dafür eingeplant. „Ich will nicht länger warten und es noch mehr aufschieben.“

Als Stoiber seinen bayerischen Nachnamen buchstabiert, muss er lachen. „Ich werde oft gefragt, ob ich mit dem früheren Ministerpräsidenten verwandt bin – bisher weiß ich nichts davon.“ Denn der lebensfrohe Mann scheint nirgendwo auf der Welt so richtig zuhause zu sein. In Santiago de Chile geboren, in South Carolina studiert, in München gearbeitet. Er hat viel gesehen und erlebt, und doch ist es ihm noch nicht genug. „Ich liebe es, unterwegs zu sein“, sagt Stoiber.

Was genau ihn nun zur Marschroute nach Amerika bewegt hat, erklärt er so: „Es fasziniert mich, wie vor etwa 11 000 Jahren die ersten Menschen über die Beringia-Landbrücke nach Amerika gekommen sind. Ich frage mich, wie es für sie gewesen sein muss, eine solch gefährliche Reise auf sich zu nehmen.“

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Stoiber möchte genau dies nachempfinden, den Weg „nachlaufen“. Ursprünglich hat er seine Reise deshalb auch von Moskau nach New York geplant. Moskau wäre nun aber ein zu weiter Schlenker in den Norden gewesen. Ob er es bis nach New York schafft, weiß der 61-Jährige nicht. Bis nach Kanada, auf den amerikanischen Kontinent, aber will er es auf jeden Fall schaffen. „Ich bin mir sicher, dass es auch heute noch sehr anstrengend ist, Amerika von Russland aus zu durchqueren, selbst wenn ich mich darauf vorbereiten kann.“

Gestartet ist der Weltenbummler am 4. November in Köln. Innerhalb von 20 Tagen hat er dann München erreicht. Diese erste Reise habe mehr der Orientierung gedient, erzählt Stoiber: „Ich wollte einen Eindruck davon gewinnen, was ich alles für so eine Reise zu Fuß benötige, und ob ich so etwas überhaupt überlebe.“ Ein kleiner Vorgeschmack sozusagen auf das Leben zu Fuß, ohne andere Transportmittel zu benutzen.

In München angekommen, hat Hans Stoiber dann erst einmal gearbeitet, um Geld zu verdienen und sich eine bessere Ausrüstung zu kaufen. Auch bei der Initiative Krebskranke Kinder München e. V. hat er sich engagiert und geholfen, Pakete für Weihnachten einzupacken. Das Schicksal der Kinder dort hat ihn bewegt. Durch seine Reise will er auf derartige gemeinnützige Organisationen aufmerksam machen und ihnen auf diese Weise helfen. Pro Land, das er bereist, will Stoiber sich eine Initiative heraussuchen und unterstützen.

Von München aus sollte es dann eigentlich über Innsbruck nach Wien gehen, berichtet Stoiber: „Ich suche mir meine Routen immer in Google Maps raus, diese wurde mir als die kürzeste angezeigt.“ Doch ein Bekannter aus Moosburg habe ihm empfohlen, an der Isar bis Passau entlangzuwandern und von dort aus nach Wien zu gehen. „Ich war froh um diesen Ratschlag, an der Isar ist es so viel schöner – auch wenn die aktuelle Jahreszeit sehr grau und kalt ist.“

Mit der Kälte hat Stoiber kein Problem: Jede Nacht verbringt er in seinem Zelt, auch im Winter. Pro Tag geht er rund 30 Kilometer, manchmal mehr, manchmal weniger. Wien will er in zwölf bis 14 Tagen erreichen. Von dort aus soll es nach Budapest, Bukarest und Bulgarien, in die Türkei, den Iran und über Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan nach China und in die Mongolei und schließlich von Sibirien und Ost-Russland aus nach Alaska und Kanada gehen.

Gepäck will Stoiber so wenig wie möglich mitschleppen, 13 bis 15 Kilogramm lassen sich mit dem Nötigsten jedoch nicht vermeiden. Die zweijährige Reise durch Europa und Asien will er nicht nur für sich, sondern auch für andere Menschen machen. „Ich treffe oft Leute, die mir sagen, dass sie gerne mitlaufen würden oder auch so eine Reise machen wollen, aber es hindert sie die Arbeit oder Familie daran.“ Diese Menschen will Stoiber trotzdem auf seine Art und Weise auf die Reise mitnehmen. Dafür hat er sich eine eigene Internetseite (www.moscowtonewyork.xyz) mit einem Blog angelegt, auf der er mit Bildern und Texten von seinem Abenteuer berichten wird. Auch auf Twitter (moscowtonewyork.xyz) und YouTube will er an seiner Reise interessierte Menschen auf dem Laufenden halten. Hans Stoiber ist gespannt auf die Abenteuer, die er erleben, und die Menschen, die er treffen wird. Und er ist sich sicher: „Abschied von meinem Job muss ich so oder so irgendwann nehmen. Ob es nun ein paar Jahre früher oder später ist, wen interessiert das schon?“

Neues Bildungszentrum für Gesundheitsberufe: Nachhaltig, nutzerfreundlich, energieffizient

Neues Bildungszentrum für Gesundheitsberufe im Landkreis Erding soll bis Herbst 2018 fertig sein

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So soll das neue Bildungszentrum für Gesundheitsberufe an der Bajuwarenstraße in Erding einmal aussehen. (Quelle: Firma Goldbeck)

Was schon im November 2013 vom Kreistag beschlossen wurde, nimmt nun allmählich Gestalt an: Der Landkreis Erding bekommt eine neue Berufsfachschule für Gesundheitsberufe. Wenn alles läuft wie geplant, soll im Sommer 2017 mit dem Bau begonnen werden, die Fertigstellung ist für November 2018 vorhergesehen. Insgesamt wird das ÖPP-Projekt rund 22 Millionen Euro kosten. Am Dienstag wurden nun die Einzelheiten des Gebäudes präsentiert.

Realisieren wird das Bauprojekt die Firma Goldbeck aus Bielefeld. Das 1969 gegründete, unabhängige Familienunternehmen hat sich darauf spezialisiert, Gewerbeimmobilien und Projekte für die öffentliche Hand zu konzipieren, zu bauen und zu betreuen. Die Firma steht für eine elementierte, systematisierte Bauweise, bei denen viele der Bauteile und -gerüste bereits in den eigenen Werken vorgefertigt werden. Dr.-Ing. Michael Burkhardt, Leiter des Geschäftsbereichs Schulen und Handelsimmobilien, betonte, dass die Firma Goldbeck mit einer „soliden Eigenkapitalquote“ finanziell stabil sei. Preis, Zeit und Qualität bestimmten die Prozesse. Wichtig sei Goldbeck, alle Projekte besonders günstig und trotzdem ansprechend zu planen. Auch im Hinblick auf die Genehmigung des Baus der Berufsfachschule als öffentlich-private Partnerschaft durch die Regierung von Oberbayern sei dies berücksichtigt worden. Auftraggeber ist der Landkreis Erding, Auftragnehmer die Goldbeck Public Partner GmbH, für den Schlüsselfertigbau zuständig ist die Goldbeck Ost GmbH, für die Architektur Dohle und Lohse Architekten GmbH.

Bei der Planung des Schulgebäudes sei vor allem auf einen möglichst niedrigen Energieverbrauch sowie Nachhaltigkeit geachtet worden, berichtete Projektmanager Niclas Mühlenstädt. Landrat Martin Bayerstorfer unterstrich, dass diese Aspekte auch die Ausschreibungskriterien umfassten, die im Januar 2016 vom Bauausschuss beschlossen wurden. „Wichtig bei dem Projekt war uns ein energieeffizientes Gebäude, die Prüfung von alternativen Baumaterialien, eine moderne Lernlandschaft, Flexibilität im Gebäude sowie einen kompetenten Partner zu finden“, so Bayerstorfer.

Bei Letzterem sei man auf der sicheren Seite, erklärte er, da die Firma Goldbeck sich dazu verpflichte, für 25 Jahre Unterhalt zu leisten. In dieser Zeit wird das Gebäude mit einem Haustechniker, einem Energiemanager, einem Projektmanager und einem Propertymanager von der Firma Goldbeck betreut. Dies entspreche einer „langfristigen Werterhaltung auf höchstem Serviceniveau“, so Mühlenstädt. Der Landkreis habe mit Goldbeck ein Forfaitierungsmodell vereinbart, man werde die Kosten also in Raten, verteilt auf die 25 Jahre, zahlen. Durch die schulaufsichtliche Genehmigung darf der Landkreis mit einer Förderung von etwa 1,95 Millionen Euro rechnen, muss also rund 20 Millionen aus eigener Tasche finanzieren.

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Der repräsentative Eingang des neuen Bildungszentrums für Gesundheitsberufe in Erding mit Galerie und Aufenthaltshalle. (Quelle: Firma Goldbeck)

Das neue „Bildungszentrum für Gesundheitsberufe“, wie es offiziell genannt wird, soll auf dem freien Grundstück neben dem Landkreisklinikum auf einer Hauptnutzfläche von 2278 Quadratmeter entstehen. Geplant ist, dass in dem neuen Gebäude die Krankenpflege- und Krankenpflegehilfeschule sowie als Mieter die Schwesternschaft des Roten Kreuzes mit ihrer Schule für Altenpflege einziehen. Berücksichtigt wurde dabei, dass die Pflegeausbildung gegebenenfalls auf die sogenannte Generalisitk umgestellt werden wird, weshalb die Räume beispielsweise durch mobile Trennwände flexibel gestaltet werden. Besonders sind bei dem Bauprojekt der Passivhausstandard und das Energiekonzept, wie Niclas Mühlenstädt erläuterte. Über eine Lüftungsanlage sollen beispielsweise Wärmequellen abgeführt werden, zudem möchte man einen Großteil des Stroms durch Solarenergie produzieren. In den Klassenräumen habe man sich für Holzböden, Hochkantlamellenparkett aus Eiche, entschieden, was zwar teuer, dafür aber nachhaltiger sei und nicht schon nach zehn Jahren wieder ausgewechselt werden müsse, argumentierte Bayerstorfer. Die weiteren Qualitäten der neuen Schule seien zudem Holz-Alufenster, ein elektronisches Schließsystem, tageslichtdurchströmte Aufenthaltsflächen, ein automatischer Sonnen- und Blendschutz, eine mechanische Be- und Entlüftung sowie ein bettengängiges Gebäude. Letzteres sei auch notwendig und gewünscht für die Kranken- und Altenpflegeschüler, betonte Bayerstorfer.

Das Bildungszentrum wird dreigeschossig mit einer Bruttogrundfläche von 4300 Quadratmetern angelegt. Geplant wird mit 350 Schülern und 50 Lehren. Im Erdgeschoss wird sich die Altenpflegeschule ansiedeln, im ersten und zweiten Stock die Krankenpflegeschule. Der repräsentative Eingangsbereich mit Galerie und Aufenthaltsraum soll den Anfang der Bajuwarenstraße hervorheben. Bei den Außenanlagen soll es einen Therapiegarten mit einem „grünen Klassenzimmer“ geben. Die zweischalige Außenwand bekommt eine markante Holzfassade aus regionaler Weißtanne.

Durch die industrielle Vorfertigung in den wetterunabhängigen Goldbeck-Werken wird die Bauzeit auf nur 14 Monate veranschlagt. Man plane, so Mühlenstädt, bis zum „schlechten Wetter“ im Herbst 2017 mit der Hülle des Gebäudes fertig zu sein. Aktuell ist vorhergesehen, dass die Schule nach einem Probebetrieb im November / Dezember 2018 bezogen wird.

Michael Gügel, Leiter der Erdinger Berufsfachschulen für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe, sowie Sándor Mohácsi, Vorstand des Klinikums Landkreis Erding, sehen dem neuen Bildungszentrum für Gesundheitsberufe bereits positiv entgegen und freuen sich auf ein Ende des Unterrichts in Containern.

Gefangen im eigenen Körper

Die Inszenierung von „Geächtet“ im Residenztheater München brilliert durch ihre aktuelle Geschichte von einem Amerika, das innerlich zerrissen ist

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Emily (Nora Buzalka) sieht in Amir (Bijan Zamani) einen Sklaven, der aufgrund seiner Wurzeln und seinem muslimischen Hintergrund gefangen ist. © Matthias Horn

Das Stück „Geächtet“ von Ayad Akhtar fand als gefeiertes und mehrfach ausgezeichnetes Werk aus Amerika seinen Weg ins deutsche Theater, wo es nun auch durch seine Aktualität und Ehrlichkeit besticht. Die zunächst primitiv anmutende Handlung rückt dabei in den Schatten und lässt Platz für den eigentlichen Inhalt: Die Auswirkungen von 9/11 auf die amerikanische Gesellschaft, die zwischen Terrorismus und Vorverurteilung droht, zu zerreißen.

Ganz unvermittelt findet die Inszenierung von Regisseur Antoine Uitdehaag ihren Einstieg: Blitzschnell geht der Vorhang auf, das Licht an und man sitzt im Wohnzimmer der Kapoors. Das Publikum wird regelrecht überrascht, aufgeweckt. Amir (Bijan Zamani), erfolgreicher Anwalt mit pakistanischen Wurzeln, und seine Frau Emily (Nora Buzalka), amerikanische Künstlerin, sitzen auf der weißen Couch in ihrem Loft in der Upper East Side von Manhattan und diskutieren über ihren gestrigen Restaurantbesuch. Sofort werden die Verhältnisse klar: Etabliertes, aufstrebendes junges Paar in New York mit Ambitionen. Und Kontrasten: Sie, eine leicht naiv wirkende und doch kluge Frau, die sich über Grenzen hinweg setzen will, weiter denkt und interpretiert – Er, ein Rationalist, der sich angepasst hat, nicht anecken will. Diese Eindrücke werden durch das gelungen authentische Bühnenbild (geräumiges, betont weiß möbiliertes New Yorker Apartment als Schauplatz, bei dem man sich fühlt, als säße man mit auf der Couch) und die passenden Kostüme (Emily im seidenen Morgenmantel, Amir mit gegeltem Haar und Anzug) anschaulich vermittelt.

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Emily (Nora Buzalka) und Abe (Jeff Wilbusch, rechts) versuchen Amir (Bijan Zamani) zu überreden, einen vor Gericht angeklagten Imam zu verteidigen. © Matthias Horn

Mit Eintreten des nächsten Protagonisten, Abe (Jeff Wilbusch), Amirs Neffe, kommt der Zerfall des von Amir mühsam aufgebauten Status ins Rollen. Abe bittet seinen Onkel darum, einen Imam zu verteidigen, der vor Gericht angeklagt wird, mit Moscheegeldern Terrorgruppen finanziert zu haben. Emily wünscht sich dasselbe: „Ist es dir denn egal, dass ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt? (…) Überleg’s dir. Bitte. Mir zuliebe?“, und setzt Amir damit unter Druck. Der hadert – mit seinem Ego, das sich eigentlich vom Islam abgewandt hat, seiner Karriere und seinem Ansehen in der Kanzlei – und entscheidet sich am Ende doch dafür. Was folgt ist ein Artikel in der New York Times, der Amir und seine Kanzlei als Unterstützer des Imams erwähnt. In der Firma wird Amirs Hintergrund geprüft. Interessant in der Szene, aber auch im ganzen Stück, ist dabei, dass Emily – die Nicht-Muslimin – ständig den Islam verteidigt und bewundert, ganz im Gegenteil zu Amir, der vorgibt, nichts mit seiner Religion anfangen zu können und den Islam stark kritisiert. Emily hat den Zugang zum Islam über die Kunst gefunden und verarbeitet dessen Traditionen auch in ihren Bildern. Sie steht kurz davor, sich bei einer großen Ausstellung präsentieren zu können – die Chance dafür und den Kontakt zum schleimigen, ruppigen Kurator Isaac (Götz Schulte) hat sie Amir zu verdanken.

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Zum Showdown kommt es, als Isaac (Götz Schulte, links) und seine Frau Jory (Lara-Sophie Milagro) bei Emily und Amir zum Abendessen eingeladen sind. © Matthias Horn

Schließlich kommt es zum Showdown: Der jüdisch-amerikanische Isaac und seine dominante, afroamerikanische Frau – Amirs Arbeitskollegin Jory (Lara-Sophie Milagro) – sind bei Emily und Amir zum Essen eingeladen, Anlass ist Isaacs Zusage für die Ausstellung von Emily. Was anfängt mit Fenchelsalat und viel Wein, endet im totalen Chaos und Streit, als Amir und Isaac beginnen über Religion und Traditionen zu diskutieren. Die beiden werden gegenseitig immer lauter, stacheln sich an und man hat Angst, dass im nächsten Moment eins der Weingläser zerbricht und das weiße Loft rot färbt. Hier wird deutlich, dass – bei aller Rationalität, die er an den Tag legt – Amir doch nicht ganz von seinen Wurzeln trennen kann und Emotionen ausbrechen. Den stringenten Status Quo 24/7 sauber zu halten, gelingt ihm nicht. Auch beruflich und privat gerät sein Leben ins Wanken.

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Der anfängliche Smalltalk zu Arbeit und Alltag wird zu einer heftigen Diskussion über Religion und Tradition, bei der Amir die Fassung verliert. © Matthias Horn

Achtung Spoiler: Gekrönt wird das Dilemma, als Amir von Jorys Aufstieg in der Kanzlei – der eigentlich seiner sein sollte – und Emilys Affäre mit Isaac erfährt.

Antoine Uitdehaag zeigt mit seiner von Anfang bis Ende spannungsvollen Inszenierung von „Geächtet“ sehr treffend die Bredouille, in der sich Amir befindet, auf: In einer „fremden“ Gesellschaft funktionieren müssen und wollen, zwischen zwei Welten gefangen sein. Amirs Scherbenhaufen und Situation stellvertretend für die amerikanische Gesellschaft, die vor lauter Vorverurteilung und Misstrauen droht zu zerbrechen. Ein Land, das einstig von Auswanderern, Freiheitskämpfern und Querdenkern gegründet wurde und diese nun ausschließt. Besonders faszinierend ist auch, dass er mit Amir, Emily, Isaac und Jory vier höchst unterschiedliche und explosive Charaktere in einen Raum packt, auf Konfrontation setzt und so sehr viel Spannung erzeugt, da es nur eine Frage der Zeit ist, bis einer ausbricht. Gut ist außerdem, dass man mit nur fünf Darstellern im Gesamten der logisch aufbereiteten Handlung leicht folgen und sich so auf den wichtigen Inhalt und die Aussage konzentrieren kann. Das Zusammenspiel der Protagonisten ist sehr professionell und auf hohem Niveau, jeder einzelne wird seiner Rolle gerecht. Anfangs mag es schwer sein, den schnellen Dialogen zu Islam und Kunst zu folgen, dennoch wird mit „Geächtet“ im Residenztheater ein Meisterwerk inszeniert, das sowohl Kulturliebhabern als auch Kulturmuffeln gefallen wird.

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Am Ende steht Amir alleine da: beruflich und privat gescheitert, aufgrund seiner Herkunft, die er trotz aller Anstrengung nicht leugnen kann. © Matthias Horn

Weitere Informationen zum Stück finden Sie hier.

Nahtlos reisen

Der Flughafen München will die Digitalisierung nutzen, um die Servicequalität zu steigern und neue Geschäftsmodelle zu erschließen

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Mit der App „Passngr“ soll das Reisen am Flughafen noch angenehmer werden.            Quelle: Flughafen München

„Die Digitalisierung ist ein Schritt, den wir machen wollen, um unser Bestandsgeschäft abzusichern und neues Geschäft zu ermöglichen“, sagt Michael Zaddach, Leiter des Servicebereichs IT am Münchner Flughafen. Zusammen mit anderen Abteilungen hat er eine Digitalisierungsstrategie für den Flughafen erarbeitet, durch die man neue Geschäftsmodelle erschließen, das Kundenerlebnis verändern und Umsatzpotenziale ausschöpfen möchte. Unter anderem wurde dabei für die Kunden eine Reise-App konzipiert, die den Aufenthalt am Flughafen noch angenehmer machen soll.

Täglich passieren rund 110 000 Reisende den Flughafen München, mittlerweile sind es 41 Millionen pro Jahr. Als zweitgrößter Flughafen Deutschlands nach Frankfurt zählt er zu den größten Luftfahrt-Drehkreuzen Europas. Eine gute Organisation ist dabei gefragt. Diese steht und fällt mit der Digitalisierung: „Sämtliche Prozesse am Flughafen werden effektiv durch die IT unterstützt, seien es Softwareprogramme oder die Informationen zu startenden und landenden Flugzeugen“, erklärt Zaddach. „Für einen reibungslosen Ablauf am Flughafen sind wir auf die hundertprozentige Verfügbarkeit der IT angewiesen.“ Mittlerweile spielt jedoch nicht nur die interne, sondern auch die externe Digitalisierung eine wichtige Rolle für den Flughafen. Das bedeutet, dass die digitale Entwicklung nicht nur für die internen Arbeitsprozesse im Unternehmen genutzt wird, sondern auch, um den Endkunden „digital“ ansprechen zu können.

Entspannteres Reisen mit der AppPassngr

Dies will man erreichen, indem man personalisierte, relevante Informationen, die man beispielsweise über das Flugticket oder den Parkschein erhält, nutzt, um den Aufenthalt des Kunden am Flughafen durch effizientere Prozesse noch entspannter zu machen. Mit der Reise-App „Passngr“, die übergreifend für mehrere Flughäfen konzipiert ist, werden Passagiere demnächst so alles Organisatorische – von der Planung über die Bezahlung bis hin zur Navigation im Flughafen – mobil erledigen können. Eine erste Version der App ist bereits verfügbar, es wird aber schon an weiteren Funktionen gearbeitet. Die App dient dem Kunden gleichsam als „Wegweiser“: Sie meldet Änderungen der Flugzeiten oder des Gates, gibt Infos zu Warteschlangen und zum Wetter am Reiseziel, zeigt Restaurants und Läden in der Nähe an. Der Reisende kann seine Flüge so bequem verwalten und ist immer auf dem neuesten Stand.

Michael Zaddach nennt dazu folgendes Beispiel: „Ein Geschäftsmann landet um 5.30 Uhr morgens am Flughafen München. Die App bietet ihm zum Beispiel an, eine Dusche zu buchen, um wieder fit fürs nächste Meeting am Vormittag zu sein.“ Die Reise-App passe sich so immer an die jeweilige Situation des Passagiers an. Dieses Konzept nennt sich „Seamless Travel“, was auf Deutsch nicht mehr als „nahtlos reisen“ bedeutet.

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Michael Zaddach (links) und Manfred Zötl sind sich sicher, dass durch die App „Passngr“ ein entspannteres Reisen möglich ist. 

Ein weiteres Ziel, das man mit der Reise-App ins Auge fasse, sei das Pilotprojekt, den Kunden durch seine Flugnummer zu dem am günstigsten gelegenen Parkhaus zu navigieren, sodass er nur einen kurzen Fußweg zurücklegen müsse, sagt Zaddach. „Bisher kannten wir unseren Kunden, den Passagier, nicht wirklich“, erzählt der IT-Chef: „Man hat sein Ticket gebucht, hat am Flughafen geparkt und sich auf die Reise gemacht.“ Damals waren Vorgänge wie das Parken, der Check-in, die Sicherheitskontrolle oder das Einkaufen an sich einzelne, voneinander getrennte Stationen. Nun wurde all dies verknüpft, um die Reiseinfos und Daten für die Kunden und die digitalen Kanäle wie die „Passngr“-App integrativ nutzen zu können.
„Es war eine große Herausforderung für den IT-Bereich, all diese Infos zu verbinden“, erklärt Zaddach. Doch die Arbeit soll sich lohnen: Mit der Verknüpfung erhofft sich die FMG, bessere Informationen an die Kunden weitergeben und neue Geschäftsmodelle erschließen zu können. Die Kundenansprache über digitale Kanäle ist deshalb sehr wichtig: Durch auf den Passagier individuell zugeschnittene Informationen lassen sich Abfertigungsprozesse verbessern, die wiederum zu einem entspannteren Reisevorgang führen, was die Kaufbereitschaft der Kunden steigern und ein außergewöhnliches Erlebnis am Flughafen schaffen soll.

Digitalisierung als neues Geschäftsmodell

Dies könnte sich für den Flughafen auszahlen, da das Non-Aviation-Business (jeglicher Umsatz, der nicht durch das reine Fluggeschäft erwirtschaftet wird, wie zum Beispiel Parken, Gastronomie und Einzelhandel) mittlerweile 49 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmacht; dieser Bereich bietet die größten Wachstumschancen in der Zukunft. Umsatzquelle ist hier der Passagier. Durch die Digitalisierungsstrategie will man so nicht nur die Qualität für Kunden steigern, sondern auch das Geschäft ankurbeln. Beide Komponenten sollen jedoch in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, andernfalls funktioniere das Konzept „Seamless Travel“ nicht, meint Zaddach. Aus diesem Grund wird auf der App auch nicht aktiv Werbung geschaltet, schließlich möchte man den Kunden nicht nerven und mit Spam belasten. Schlüssel zur Kommunikation mit dem mobilen Nutzer ist das unbegrenzte Free-WiFi-Angebot am Flughafen.

Nicht nur über die App, sondern auch über andere digitale Kanäle will der Flughafen seine Kunden erreichen. So werden Informationen zudem über Internetportale, per E-Mail oder SMS und auf Bildschirmen im Terminal weitergegeben. Auch bei Letzterem schwebt Zaddach bereits ein Geschäftsmodell vor: „Wenn Chinesen nach Deutschland reisen, steht häufig ganz oben auf ihrer Einkaufsliste ein Topf von WMF.“ Sollte also ein Flugzeug aus Peking landen, könnte man gleich mit den entsprechenden Angeboten auf den Monitoren in der Nähe des Ankunftsgates werben und die Kunden ins Geschäft locken.

Hohe Servicequalität durchInfoGates

Ein weiteres Instrument, das der Flughafen zur Kommunikation mit seinen Kunden nutzt, sind die „InfoGates“. Dies sind digitale Schalter, die an unterschiedlichen Plätzen in den Terminals stehen. Über einen Knopf kann man sich einen persönlichen Berater in seiner Muttersprache auf den Bildschirm zuschalten, der einem beispielsweise hilft, den Weg zu finden oder einen Lageplan mit der Wegbeschreibung ausdruckt. Zudem kann man sein Ticket scannen, um Infos zum Gate oder zu Shops zu erhalten.

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An den „InfoGates“ erhalten Passagiere Infos über ihren Flug sowie zu Shops im Flughafengebäude.     Quelle: Flughafen München

Damit wurde ein innovatives System zur Kundeninformation und Wegeführung für den Flughafen entwickelt, welches sich bewährt hat und heute sogar als modulares Infosystem für viele Branchen zur Verfügung steht. Als Tochterfirma der FMG verkauft die InfoGate Information Systems GmbH mittlerweile sogar Geräte an andere Flughäfen sowie diverse Einkaufszentren in Deutschland und der Welt. Manfred Zötl, Geschäftsführer der Info Gate Information Systems GmbH, unterstreicht die Vorteile der InfoGates: „Das System ist bestens auf die Bedürfnisse und Anforderungen von morgen ausgerichtet. Neue Informationspunkte können ohne zusätzliches Personal geschaffen werden, wobei die Informationsdichte und Servicequalität erhöht werden.“

Für die Zukunft heißt es nun, all die Inhalte, die mittels der Digitalisierungsstrategie entwickelt wurden, zu pflegen und Services zu definieren. „Die Digitalisierung ist keine reine IT-Sache“, sagt Michael Zaddach. Auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Prozesspartnern am Flughafen wird sich verändern. Die Nutzung aller Passagierinformationen muss ermöglicht und organisiert werden. Zudem will man die Systeme und Apps ständig optimieren.

Für die FMG und die IT-Abteilung war der Schritt zur externen Digitalisierung „kein Riesen-Projekt, kein Big-Bang“, wie Zaddach es formuliert. Man habe sich mit kleinen Schritten vorangearbeitet und vieles ausprobiert. Für die Reise-App, die seit Juli in Betrieb ist, habe man deshalb auch noch nicht aktiv geworben, sondern teste die Akzeptanz zunächst in einem eingeschränkten Nutzerkreis. Das sei wichtig, sagt Zaddach, denn man könne die Passagierakzeptanz nicht immer vorhersehen und müsse Dinge ausprobieren. Die Digitalisierung sei nur ein kleiner, weiterer Teil, der zu dem großen Puzzle „Erlebniswelt Airport“ beitrage, meint Zaddach, denn „wir wollen immer einen Schritt voraus sein“.

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Mit der Reiseapp „Passngr“ werden Passagiere demnächst alles Organisatorische – von der Planung über die Bezahlung bis hin zur Navigation im Flughafen – mobil erledigen können.      Quelle: Flughafen München

Studenten haben die Wahl

Urabstimmung: Ab morgen wird über die Zukunft des Semestertickets entschieden

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Für Studenten, die in München studieren, dort aber nicht wohnen, ist es praktisch und rentabel: das Semesterticket. Für derzeit noch 254 Euro können Studierende damit das ganze Semester lang im kompletten MVV-Bereich fahren. Nun soll über die langfristige Zukunft des Modells abgestimmt werden, die Entscheidung darüber liegt in der Hand der Studenten.
„Fast alle meine Freunde nutzen das Semesterticket“, sagt Franziska Albrecht aus Moosburg. Die 20-Jährige studiert im fünften Semester Lebensmitteltechnologie an der TUM-Zweigstelle Weihenstephan in Freising. Gerade für Studenten aus Moosburg und Umgebung, die noch zuhause wohnen und nach München pendeln, zahle sich das Semesterticket sehr aus, findet sie.
Vergleicht man den Preis von 218,20 Euro für eine MVV-Monatskarte, gültig in allen 16 Ringen, lohnt sich das Ticket allemal. Nur per Zufall im Internet hat die Moosburger Studentin rechtzeitig von der Urabstimmung erfahren, am Uni-Campus seien ihr keine Aushänge oder Infoplakate aufgefallen. Sie macht sich Sorgen, dass überhaupt genug Studenten über die Abstimmung informiert sind und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Denn um das weitere Bestehen des Tickets durchzusetzen, müssen an den drei großen Münchner Universitäten (TUM, LMU und HM) mindestens 25 Prozent der Studenten teilnehmen. Einer einfachen Mehrheit bedarf es überall, um das Semesterticket beizubehalten. Sollte eine der beiden Hürden nicht erreicht werden, wird es abgelehnt.
Lang wurde gekämpft, damit es überhaupt erst zur Einführung des Tickets kam, das es nun seit 2012 gibt. Der Urabstimmung voraus gingen neue Verhandlungen zwischen Studentenwerk und dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) über den neuen Preis des Semestertickets. Nun liegt das endgültige Angebot vor: Der Solidarbeitrag, den alle Studenten zahlen müssen und mit dem man abends, nachts sowie am Wochenende fahren kann, soll ab dem Sommersemester 2017 von 62,50 auf 66,50 Euro erhöht werden. Der Preis fürs ganze Semesterticket, das rund um die Uhr gilt, soll von den bisherigen 157,50 Euro auf 193 Euro steigen. Einige Studenten, die das Semesterticket „nicht wirklich nutzen“, stören sich an dem Sockelbeitrag, der verpflichtend für alle ist, damit das Modell überhaupt funktionieren kann, meint Franziska Albrecht. Es gibt also auch Gegner des Semestertickets. Trotz Preiserhöhung lohne sich das Ticket auch in Zukunft, meint die Studentin: „Das Geld hat man schon nach ein paar Fahrten wieder drin; mit normalen Preisen wäre man als aktiver Pendler sicher bei rund 1500 Euro pro Jahr.“ Eine nicht unerhebliche Summe für die zahlenden Eltern, die ihr Kind ohnehin schon durchs Studium „durchfüttern“.
Auch Alexander Paulik aus Moosburg findet das Semesterticket „praktisch für Studenten, die an der LMU oder TU in München studieren“. Zwar studiert er selbst Biomedizinische Technik an der FH in Landshut, aber „so ziemlich jeder Münchner Student, den ich kenne, nutzt es“. Der 21-Jährige fände es gut, wenn es ein ähnliches Modell für Studierende in Landshut gäbe.
Die 18-jährige Chiara Steffen aus Haag, die erst im Sommer ihr Abitur am Gymnasium in Moosburg absolvierte, studiert seit diesem Semester Sportwissenschaften an der TU München und profitiert sehr vom Semesterticket: „Wenn es das nicht gäbe, müsste ich den Preis eines Semestertickets fast für einen Monat zahlen. Ähnlich geht es meinen Freunden und allen neuen Kommilitonen, die derzeit noch im Außennetz des MVV wohnen. Ich denke, dass die Abstimmung trotz fehlender Informationen positiv für das Semesterticket ausfallen wird, da alle stark Betroffenen aus dem Außennetz dafür stimmen werden, während weniger Betroffene oft gar nicht erst wählen werden.“
Auch der 23-jährige Manuel Dahnert aus Moosburg, der Games-Engineering an der TU München studiert, weiß das Angebot zu schätzen: „Das Semesterticket macht das Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel so viel angehmer, weil man erstens nicht monatlich ein neues Ticket kaufen muss und zweitens nicht immer rechnen muss, ob jetzt eine Streifenkarte oder ein Tagesticket günstiger wäre. Auch wenn ich hauptsächlich mit dem Auto zur Uni fahre, rentiert sich das Semesterticket für mich wahrscheinlich schon nach den paar Malen, wo ich in München bin.“
Ab morgen haben die insgesamt 110 000 Studenten an LMU, TUM und HM nun also die Wahl und die Zukunft des Modells in der Hand. Solidarisch wäre es allemal, wenn auch Gegner sich weiterhin dafür bereit erklären, den Sockelbeitrag für die vielen Pendler zu zahlen.
Info:
Die Urabstimmung läuft vom 2. bis 9. November online auf http://www.semesterticket-muenchen.de. Für die Gültigkeit der Abstimmung gilt an jeder Hochschule eine notwendige Mindestbeteiligung von mindestens 25 Prozent aller Studierenden.