30 celebrities with bipolar disorder

You thought you’re alone? The only one with these crazy mood swings? No, let me calm you down. Today morning I woke up with this idea: I’ll go and google all celebrities I know and like who are affected with bipolar disorder. Here are my personal VIPs.

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1. Prinz Pi (Friedrich Kautz – german rapper).

2. Kurt Cobain (singer/songwriter for Nirvana).

3. Vincent Van Gogh (dutch painter).

4. Jimi Hendrix (american legend).

5. Dolores O’Riordan (lead singer of The Cranberries).

6. Kanye West (american rapper).

7. Ernest Hemingway (american author).

8. Yo Yo Honey Singh (indian multi talent).

9. Amy Winehouse (british heroine).

10. Winston Churchill (former british prime minister).

11. Sia Furler (australian singer/songwriter).

12. Charlie Sheen (american actor).

13. Britney Spears (american singer).

14. Robert Schumann (german musician).

15. Lily Allen (british singer).

16. Sting (singer, The Police).

17. Pete Wentz (Fall Out Boy).

18. Marilyn Monroe (american hollywood star).

19. Sinéad O’Connor (irish musician).

20. Russel Brand (british multi talent).

21. Frank Sinatra (american singer/entertainer).

22. Mel Gibson (american actor).

23. Edvard Munch (norwegian painter).

24. Demi Lovato (american singer).

25. Mariah Carey (american singer).

26. Carrie Fisher (american actrice).

27. Catherine Zeta-Jones (british actrice).

28. Chris Brown (american singer).

29. Ben Stiller (american actor).

30. Halsey (american singer).

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Living in the filter bubble

Seifenblasenwelt // Filter Bubble – heute aktueller denn je (Archivtext 2016)

Egal ob Flüchtlingsdebatte, Klimakrise oder jetzt Corona. Ihr kennt sie alle und seid mittlerweile gut mit ihr vertraut – der sogenannten Filter Bubble, die Blase, die wir uns in unserem Umfeld einerseits virtuell (durch soziale Netzwerke), aber auch in der Realität bilden. Lasst uns heute doch mal kurz ausbrechen aus der Blase!

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Auf meiner letzten Fortbildung gab es einen Tag, der sich dem Thema „Online-Journalismus“ widmete. Im Laufe des Tages stolperten wir dabei über den Begriff „Filter Bubble“. Dieser bedeutet, dass wir in den sozialen Medien alle mehr oder weniger in unserer eigenen „Seifenblasenwelt“ leben. Warum? Ganz einfach. Durch Facebook, Twitter und Co. manipulieren wir uns quasi selbst bzw. werden manipuliert. Wir steuern, was wir sehen wollen und umgekehrt werden uns die Inhalte zugesteuert. Uns werden hauptsächlich nur Inhalte von Seiten und Posts angezeigt, denen wir mal unser „Gefällt mir“ gegeben haben, die wir also „geliket“ haben. Was wir liken, merkt sich Facebook und schaltet uns so gezielt Werbung und ähnliche Inhalte zu. So bilden wir quasi unsere eigenen Filter und unsere Seifenblasenwelt. In einer Gesellschaft, in der sich die meisten jungen Menschen aber fast nur noch durch die Kanäle sozialer Medien über das aktuelle Tagesgeschehen informieren, ist das mehr als bedenklich. Ein Beispiel: Ein rechtsgesinnter Jugendlicher bekommt immer wieder flüchtlingsfeindliche Inhalte auf seiner Startseite angezeigt, Facebook merkt sich sein Like-Verhalten und reagiert dementsprechend. Auch sein soziales Umfeld auf Facebook teilt dieses Gedankengut. Der Jugendliche wird in seiner Haltung also immer wieder bekräftigt, da 90 Prozent der Artikel eine negative Haltung proklamieren – auch wenn die Realität vielleicht ganz anders aussieht.

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Stößt er mal auf einen anders bewerteten Artikel (die restlichen zehn Prozent), so ist er ganz klar der Meinung, dass das, was da drin steht, ja gar nicht stimmen kann, denn die 90 Prozent würden schließlich etwas ganz anderes behaupten (Lügenpresse ahoi). Dieser junge Mensch wird dann nur schwer von seiner Meinung abzubringen sein. Doch was heißt das konkret für uns? Das Phänomen der „Filter Bubble“ stellt eine große Gefahr für den Journalismus im Allgemeinen dar. Ist Objektivität im Zeitalter sozialer Medien überhaupt noch möglich? Sogar ich selbst habe mich an dem Tag dabei erwischt, in meiner eigenen „Filter Bubble“ festzusitzen. Zwar habe ich sehr viele Nachrichtenkanäle abonniert, aber mit Sicherheit nicht alle. Und dann wird mir trotzdem immer wieder meine Meinung zugespielt. Manchmal ist es dann vielleicht doch besser, wieder zur guten alten Printausgabe zu greifen und von hinten bis vorne objektive „nicht gesteuerte“ Nachrichten zu lesen.

Leben mit Migräne…

… oder: Wie mein erstes Konzert (One Republic) zum Horrortrip wurde.

(Die Migräne begleitet mich nun seit vielen Jahren durch mein tägliches Leben. Oft kann ich durch schwere Attacken nur beschränkt Leistung abrufen, schaffe weniger als an „normalen“ Tagen und als die anderen. An manchen Tagen legt mich die Migräne auch komplett lahm, sodass gar nichts mehr geht. Meist verlaufen diese Tage recht unspektakulär: Ich liege nur im Bett, mit dem Kopf auf der Seite des pochenden Schmerzes, mein Zimmer abgedunkelt. An einen Tag kann ich mich jedoch gut erinnern, weil ich im Nachhinein auch gerne darüber lache – ja, man glaubt es kaum!)

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Ich hatte mit einer guten Freundin Karten für ein One Republic Konzert in Nürnberg. Kurz bevor es so weit war, entschlossen wir uns dazu, mit einem Bekannten, den ich zuvor auf einem Festival kennengelernt hatte, auf das Konzert zu fahren. Seine Cousine wohnte zu der Zeit in Nürnberg, und er lud uns ein, dort mit ihm zu übernachten. Wir hatten einen richtig guten Abend, feierten zur Musik und tranken ein, zwei Bier und Jägermeister. Ein, zwei für mich zu viel. Denn ich hatte seit Wochen nichts mehr getrunken und war nicht mehr an den Alkohol gewöhnt, mein Kopf wohl auch nicht. Am nächsten Morgen gab er mir das auch zu spüren. Mir war übel (nein, kein Kater!) und ich konnte nicht aufstehen. Ich musste nur den kleinen Finger an meiner rechten Hand anheben und mir wurde kotzübel. Also erst mal liegen bleiben, abwarten und weiter ausruhen. Nach einiger Zeit, als ich mich wieder etwas bewegen konnte, stand ich auf und ging zum Klo. Natürlich war es schon wieder zu spät. Natürlich musste ich mich übergeben. In einer völlig fremden Wohnung. Gott, das war mir so peinlich! Nachdem unsere Gastgeberin uns a) völlig fremd und b) trotzdem unfassbar herzlich zu uns war.

Und wenn es einmal losgeht, dann hört es einfach nicht mehr auf. Es will nicht aufhören. Unsere liebe Gastgeberin machte Frühstück, wir saßen gemeinsam am Tisch und alle meinten, ich solle unbedingt etwas essen, das helfe. Bestimmt. Nein, sagte mein Kopf, den die Erfahrung etwas anderes gelehrt hatte. Aber gut, ich aß einen Bissen von meinem Toast mit Marmalade. Bumm. Ich musste aufstehen und direkt zum Klo. Ich kam zurück. Und musste wieder aufs Klo. Das ging so ein paar Stunden, bis sich mein Magen irgendwann etwas stabilisiert hatte und ich wieder in der Lage war, mein Auto sicher nach Hause zu fahren. Und all das geschah auch noch zwei Tage vor meiner Abgabe der Seminararbeit im Abiturjahr… Holy Migraine.

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Drei Wochen Delirium…

… oder: Wie es wirklich ist, stationär in der Psychiatrie (Klapse) zu chillen.

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Kathi hat Panikattacken. Philipp hat chronische Schmerzen an Auge, Nase und Mund – ihm tut alles weh, beim Sehen, Riechen und Sprechen. Simon hat Depressionen und Existenzängste, seine Freundin hat ihn bereits elf Mal betrogen, mit seinem besten Freund, dem Nachbarn und seinem Cousin. Mit ihr hat er zwei Söhne, zwölf und eineinhalb Jahre alt. Er hat Angst sie zu verlieren, sie droht ihm an, dass er seine Kinder nie wiedersehen darf, wenn er die Miete nicht bezahlt. Milena hat Schizophrenie und eine sehr ausgeprägte Zwangsneurose. Sie ist fast schon katatonisch, Mimik und Gestik sind nicht mehr vorhanden. Wenn sie spricht, bewegen sich nur ihre Lippen, der Rest bleibt starr, manchmal sieht sie aus wie ein Geist. Sie kann aus Angst vor Bakterien kaum etwas anfassen, hat deshalb große Schwierigkeiten sich auf einen Stuhl zu setzen, sich die Zähne zu putzen oder zu duschen. Manchmal braucht sie eine Stunde, um solche leichten Dinge zu bewältigen. Lisa hat vieles. Sie isst kaum etwas, leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, selbstverletzendem Verhalten und Depressionen. Mittlerweile wurde sogar Borderline bei ihr diagnostiziert. Thomas hat soziale Phobie. In seiner ersten Morgenrunde gab es deswegen gleich Streit, weil er nichts sagen wollte, er verließ anschließend wütend und genervt den Raum. Marina hat Depressionen und ist Nymphomanin. Sie ist das Küken auf unserer Station. Und ich? Bei mir vermuten sie eine bipolare Störung. Vom extremen Hoch ins extreme Tief und umgekehrt.

Wir sind alle hier wegen einer Diagnose. Einem Wort, das unser Leben verändert hat. Wir sind hier, um es wieder in den Griff zu bekommen, um draußen in der großen weiten Welt wieder zu funktionieren, wieder ins System zu passen. Das verbindet uns. Es ist nicht mein erster Aufenthalt in einer Psychiatrie. Letzten Winter war ich bereits drei Monate in teilstationärer Behandlung wegen einer schweren Depression. Die Tagesstruktur in der Klinik (mit Ergotherapie, Holztherapie, Sport, Yoga, Einzelgesprächen, Gruppentherapie, Achtsamkeitsübungen) und dem Zusammenhalt zwischen den Patienten halfen mir, wieder auf die Beine zu kommen. Ich konnte Aufgaben übernehmen, konnte für die Station kochen und backen und hatte mich wieder im Griff. Meine Stimmung wurde besser und ich war so stabil, dass ich Mitte Februar entlassen werden konnte. Doch der Status Quo sollte nicht lange bleiben. Vielleicht war es das hochdosierte Antidepressivum, vielleicht war es ich, vielleicht waren es die Gene, doch Anfang April ging es mir wieder viel zu gut. Ich war aufgedreht, komplett verändert, hatte wieder 1000 Ideen, war sehr selbstbewusst und fühlte mich unglaublich stark. Ich hatte das Gefühl, alles schaffen zu können. Mir selbst war das gar nicht so bewusst, doch mein Umfeld, meine Familie, meine Freunde und mein damaliger Freund schlugen Alarm. Die Kritik habe ich nicht ernst genommen und nicht an mich rangelassen. Ich wollte nicht einsehen, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich krank sein könnte, mir ging es ja gut. Meine Eltern bestanden darauf, dass ich mich wieder stationär in Behandlung begab, doch ich fühlte mich gesund und wollte nicht noch ein Semester wegwerfen und im Sommer endlich studieren. Mein Freund trennte sich von mir, weil ich so verändert war und er mein Verhalten nicht verstehen konnte. Nach der Trennung holte ich mir Tinder und stürzte mich in viele Dates und Bekanntschaften, aus Selbstschutz, um abgelenkt zu sein. Ich drehte durch auf Social Media und redete wie ein Wasserfall. Ich ging kaum zur Uni und schlief jeden Tag bis mittags. Der Kompromiss war dann, nach unzähligen Notfallgesprächen mit dem psychiatrischen Krisendienst und meiner Psychiaterin, dass ich mich in den Semesterferien einweisen ließ. Und hier bin ich nun. Um in dem Dschungel von Depression, Psychose, Schizophrenie und bipolarer Störung Klarheit zu finden und medikamentös richtig eingestellt zu werden.

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Die Klinik sieht von außen aus, wie man sich eine klassische Psychiatrie vorstellt, und doch so harmlos irgendwie. Ein steinerner Eingang mit großer, alter Holztür und der Aufschrift „Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie“ begrüßt einen und verrät, wo man sich hier befindet. Innen gibt es einen gläsernen Kasten, in dem der Pförtner sitzt und die Überwachungskameras checkt. Die Gänge sind weiß und hell, lichtdurchströmt von einer Fensterfront. Es gibt einen Innenhof mit Cafeteria, Garten, Bäumen und einem Bach, in dem die Patienten rauchen dürfen und sich mit Angehörigen und Besuch treffen können. Meine Station sieht ebenfalls sehr harmlos aus. Die Türen sind aus Holz und der Boden mit Teppich ausgelegt. Links sind Waschraum, Gruppenraum, Küche und Esszimmer sowie der Stationsstützpunkt der Pflege und die Büros der Ärzte und Psychotherapeuten. Rechts befinden sich die Zimmer der Patienten, die Toiletten und Badezimmer. In meinem Zimmer sind wir zu viert, ich teile es mir mit Marina, Samira und Lisa. Samira, ein kleines aufgedrehtes Mädchen mit tamilischen Wurzeln, begrüßt mich sofort mit ihrer impulsiven Art und überfällt mich mit Fragen „Wer bist du, wie heißt du, warum bist du hier?“, mit großen, weit aufgerissenen Augen sieht sie mich voller Erwartung an. Dann fängt sie lauthals an, einen tamilischen Song, der gerade auf ihrem Handy abgespielt wird, mitzusingen und scheint sich nicht mehr für mich zu interessieren, nachdem ich brav ihre Fragen beantwortet habe. Lisa ist sehr groß und hat langes, schönes, braunes Haar. Warum sie hier ist, weiß ich noch nicht. Bei meinem Bett kann man die Höhe verstellen, ich habe ein Nachtkästchen und einen Schrank zugewiesen bekommen.

„Aufstehen!“ – Der erste richtige Tag in der Klinik beginnt für mich mit einem Weckruf um 7 Uhr. Von 7.30 bis 8.10 Uhr darf man frühstücken. Danach findet die Morgenrunde statt, in der jeder Patient kurz erzählen soll, wie es ihm geht und was seine Pläne für den heutigen Tag sind. Um 9 Uhr habe ich das erste Mal Ergotherapie mit den anderen. Diese ist leider so ganz anders, wie ich es aus meinem alten Klinikaufenthalt gekannt habe. Wir dürfen nicht in die Werkstatt und etwas Schönes basteln, denn die Urlaubsvertretung unseres Ergotherapeuten hat sich etwas Besseres einfallen lassen. Der Mann, mit dem wir uns nun beschäftigen müssen, hat kurzes grauweißes Haar, eine schmale, silberne Brille und den Blick eines Lehrers. Wir fühlen uns zurückversetzt in die Schulzeit, als er uns sagt, dass wir die kommenden drei Wochen an einem Projekt arbeiten werden, für das wir eine Präsentation samt Flyer und Plakat erstellen sollen. Immerhin haben wir uns ein interessantes Thema einfallen lassen: Aufklärung über psychische Krankheiten. Doch präsentieren dürfen wir unsere Ergebnisse letztendlich nicht. (Für mich als Journalistin unverständlich.) Ich sehe keinen Sinn in dem Projekt und es fällt mir schwer, mich dafür zu motivieren. Nach der Ergotherapie ist erst mal eine lange Pause, in der ich mich langweile, faul im Bett liege und Netflix gucke. Dann ist Visite. Meine Ärztin, eine junge, sympathische Frau mit roten Haaren und einem modernen Kleidungsstil, frägt mich wie es mir geht. „Ich sehe, Sie haben sich schon gut hier eingelebt, Frau Schindler, und Kontakt zu den anderen Patienten geknüpft, das freut mich.“ Beim Sport darf ich noch nicht mitmachen, weil es dauert, bis ich im System für alle Gruppen und Programme angemeldet bin. Also langweile ich mich sehr viel und versuche mir die Zeit zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen irgendwie zu vertreiben. Ich gehe viel in den Garten und rauche, unterhalte mich dort mit anderen Patienten. Im Garten trifft man auf die unterschiedlichsten Charaktere und Diagnosen. Zum Beispiel auf Malte, der mir erzählt, dass er in seiner manischen Phase 3000 Euro im Monat im Puff gelassen hatte, obwohl er verheiratet sei und ein Kind habe. Er hatte sich ein neues Motorrad und ein Auto gekauft, und sich damit enorm verschuldet. In einer Manie ist die Libido gesteigert und man gibt sehr viel Geld aus, muss man dazu sagen. Manche Betroffene sind bis in die Millionen verschuldet. Auch ich habe viel Geld in meiner Hypomanie, die Vorstufe einer Manie, ausgegeben. Zum Glück habe ich keine Schulden aufgebaut, denke ich mir, als Malte mir seine Geschichte erzählt. Und dann ist da Marvin, auch bipolar, der jedem die Hand gibt und sich bei allen vorstellt, er erinnert mich an den Charminbär aus der Werbung für Toilettenpapier. Oder Kevin, ein klassischer Borderliner, der schon unzählige Klinikaufenthalte hinter sich hat. Obwohl er behauptet einen tiefen Selbsthass in sich zu haben, kommt er mir oft selbstverliebt und rechthaberisch vor, er mischt sich überall ein und meint, alles besser zu wissen. Natürlich gibt es auch Klinikpärchen, wie Ahmed und Nathalie, eine absolut verrückte Kombination. Alle sind sich einig, dass die beiden sich draußen, in der normalen Welt, nie gefunden hätten. Nathalie ist sehr impulsiv, ich weiß nicht, weshalb sie hier ist, doch sie braucht viel Aufmerksamkeit, trägt fast täglich eine neue Haarfarbe und zertrümmert mindestens genau so oft eine Tasse der Cafeteria im Garten. Und Ahmed, ein Türke, der stets Hoodie, Röhrenjeans und angesagte Sneaker trägt, scheint sie zu lieben.

Langeweile sollte auch die folgenden Tage und Wochen mein ständiger Begleiter sein, denn wirklich viel Programm gab es auf meiner Station nicht. Manchmal kam ich mir vor, wie ein Versuchskaninchen, an dem ein neues Medikament ausprobiert wird und das nun zur Beobachtung hier festgehalten wird. Highlights für mich waren das gemeinsame Kochen mit anderen Patienten und einer Pflegerin oder ein Beautyabend für die Mädchen auf unserer Station, bei dem wir uns Gesichtsmasken auftrugen und uns die Nägel lackierten.

Ich war auf der Station für junge Erwachsene. Das bedeutet, dass fast niemand älter als 30 Jahre war. Es bedeutet aber auch strengere Regeln. Um Punkt 20 Uhr mussten wir wieder auf Station sein und uns zurückmelden. Bis 21 Uhr durfte man nochmal in den Garten, und von 21 bis 22 Uhr gab es noch einmal drei Mal fünf Minuten, in denen man raus durfte, um zu rauchen. Um 22.30 Uhr sollte man auf dem Zimmer sein, um 23 Uhr das Licht ausmachen und weder Handy noch Laptop benutzen. Für alles Mögliche musste man auf einem ausgeteilten Wochenplan Unterschriften sammeln. Und hatte man nicht alle Unterschriften beisammen, durfte man am Wochenende nicht nach Hause fahren, so die Drohung. Ich geriet oft in Schwierigkeiten wegen der Regeln und stritt mit der Pflege. Gleich an meinem zweiten Abend bekam ich eine Verwarnung, eine „gelbe Karte“, weil wir bis 23 Uhr im Garten geblieben waren. So war ich von Anfang an bereits mit einem Fuß draußen.

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In der ersten Woche stand ich noch brav morgens um 7 Uhr auf, ging mit Philipp joggen und schaffte es, die strikten Frühstückszeiten sowie die Morgenrunde einzuhalten. In der zweiten Woche bekam ich jedoch ein neues Medikament, Quetiapin, das mich morgens unglaublich müde machte. Trotz drei Weckern und geweckt werden, schaffte ich es nicht, pünktlich aufzustehen. Ich verpasste das Frühstück und die Morgenrunde. Wenn ich manchmal heimlich noch nach 8.10 Uhr frühstücken wollte und erwischt wurde, bekam ich einen Riesen Ärger. In der Visite erwähnte ich den Ärzten gegenüber immer wieder, dass das Medikament mich so müde machte, doch es schien sie nicht zu interessieren. Schuld war nicht das Medikament, sondern ich, die nicht aus dem Bett kam. Die Pfleger verhielten sich uns gegenüber bis auf wenige Ausnahmen sehr rau und bestimmt.

Die Atmosphäre auf der Station verschlechterte sich von Tag zu Tag. Regelmäßig gab es jemanden, der ausrastete oder zusammenbrach, unter all dem Druck. Einmal, spät abends, schrie Philipp die Pflegerin so laut an, dass es die ganze Station mitbekam. Das ging zehn Minuten so und wir hatten Angst, er würde auf die Geschlossene verlegt werden. Auch ich selbst hatte mich einmal nicht unter Kontrolle. Und ich rebellierte gegen die strengen Regeln, einmal zu viel. Bis ich rausflog, aus der Psychiatrie. „Ich habe eine schlechte Nachricht für sie“, meinte meine eigentlich so nette Ärztin zu mir an meinem letzten Tag. Ich sei entlassen, weil ich nicht zur Morgenrunde und in die Vitalwertkontrolle kommen würde, weil ich mich nicht an die Regeln halten würde, weil ich ein Unruhestifter und eine Grauzonentesterin sei. Uff. In Wirklichkeit wollten sie wahrscheinlich ein neues Bett frei haben, die Warteliste ist lang, und Neuaufnahmen brachten Geld, dachte ich mir. Denn gegen Regeln hatten wir alle verstoßen. Nur war meine Behandlung bereits so gut wie abgeschlossen, ich kam stabil in die Klinik und ging stabil raus, meinte meine Ärztin, und den anderen würde es noch nicht so gut gehen, dass sie die Psychiatrie verlassen konnten.

Nun bin ich also „entlassen“, als arbeitsfähig eingestuft, zurück ins normale Leben, in die harte Realität. Raus aus der beschützenden Klinik, in der ich sein durfte, wer ich bin und auch so akzeptiert wurde. Immerhin habe ich nun Gewissheit. Ich habe eine Diagnose und sie lautet Bipolare Störung. Ich habe ein neues Medikament, einen Stimmungsstabilisierer, der verhindern soll, dass ich weder in eine Depression noch in eine Manie falle. Die Tabletten werde ich wohl mein Leben lang nehmen müssen, um wie andere, normale Menschen zu funktionieren, mitzudrehen im Hamsterrad. Denn die Krankheit läuft im Hintergrund trotzdem weiter und könnte ohne Tabletten immer wieder ausbrechen. Trotz all den extremen Höhen und Tiefen, die das letzte Jahr mit sich gebracht hat, bin ich froh und dankbar um jede einzelne Sekunde, in der ich lebe. Und auch um meine Krankheit. Sie gehört zu mir und macht mich zu dem Menschen, der ich bin. Und trotz ihr, trotz vier depressiven und zwei hypomanischen Episoden in meinem Leben, habe ich all das erreicht, was die anderen in meinem Alter auch geschafft haben. Und sie hat mich stärker gemacht, ich habe nicht aufgegeben, sondern gekämpft und bin immer wieder aufs Neue aufgestanden. Deshalb sehe ich meine Krankheit nicht als Schwäche, sondern als Stärke an.

Das Positive an meinem Aufenthalt in der Psychiatrie waren die anderen Patienten, die ich dort kennenlernen durfte und nun mit Stolz meine Freunde nennen darf. Weil sie mich besser verstehen können, als jeder Arzt, Therapeut oder Außenstehende. Weil sie dasselbe durchmachen und wissen, wie es mir damit geht. Weil jeder einzelne sein eigenes Laster mit sich trägt. Und so sind sie alle einzigartig und besonders auf ihre Art und Weise. Es fühlte sich oft wie eine Gruppentherapie an, wenn wir miteinander sprachen und unsere Geschichten untereinander austauschten. Besser als jede Visite oder Einzeltherapie. In den drei Wochen Delirium waren diese Menschen mein Zuhause.

Depression ist nicht…

Depression ist nicht „nur“ Traurigsein

Wie sich eine Depression anfühlt // Wie sich die Depression für mich anfühlt

Woran erkennt man eine Depression? Was passiert mit mir in einer Depression?

—— ACHTUNG TRIGGERWARNUNG ——

Jede Depression ist anders, jede Krankheit verläuft anders. Trotzdem möchte ich versuchen, euch einen Einblick in das Krankheitsbild zu gewähren. Erklären, was die Krankheit mit mir macht, wie sie bei mir aussieht, wie sie sich bei mir äußert. Euch einen Zugang zur Krankheit geben.

Die gängigen Klischees zur Depression sind das Traurigsein, die Isolation, schlechte Laune, Lustlosigkeit, eine graue Wolke im Kopf etc pp. Dabei ist eine Depression so viel mehr als das. Meine depressiven Phasen beginnen schleichend. Ich werde vergesslich, unzuverlässig, orientierungslos. Von Tag zu Tag schaffe ich weniger, habe ich weniger Energie. Alles wird mir ein bisschen zu viel. Ich antworte kaum noch auf Nachrichten, weil ich zu unsicher bin, mich nicht mehr entscheiden kann, was ich schreiben soll. Der getippte Entwurf wird in Frage gestellt und letztendlich meist verworfen. Ich zögere beim Schreiben und überlege minutenlang, anstatt die Nachricht einfach guten Gewissens abzuschicken. Mir fehlt die Portion Sicherheit, Klarheit und das Selbstbewusstsein im Kopf. Alles wird hinterfragt und überdacht. Bequemer und einfacher ist es dann, die Nachrichten einfach liegen zu lassen und nicht zu beantworten, denn dann kommen auch keine Antworten mehr, auf die man wiederum antworten müsste, wozu in dem Moment einfach die Kraft und Energie fehlt. Lieber ziehe ich mir passiv stundenlang irgendwelche „interessanten“ (belanglosen) Videos und Reportagen auf Facebook und Instastorys rein, anstatt aktiv tätig zu werden. Als kleine Flucht von der Realität könnte man das sehen. Dinge, die ich im Normalzustand sehr gut kann, scheine ich in der Depression verlernt zu haben oder nur noch schlecht zu können. Ich kann mich sehr schlecht konzentrieren, logisch denken, etwas erarbeiten…

 

Mehr kann ich dazu gerade nicht sagen. #methree #manie #yolo #psyche

Ich sag ciao et au revoir.

Achtung, Triggerwarnung (!)

Hallo Menschen. Ja, es ist ernst. Verdammt ernst. An diejenigen, die den kleinen Wink mit Zaunpfahl via Stories und Live auf ungefähr allen existierenden Kanälen (noch) nicht mitbekommen wollten. Wer jetzt schon nicht mehr weiterlesen will, darf sich elegant aus meinem Leben tanzen, ich hab genug Freunde ciao. Keine Satire! An die anderen: Welcome to my reality. Aber wehe, ich erfahre, dass ihr lästert. Ich entferne und blockiere euch so hart aus meiner virtuellen Privatsphäre. Also Obacht, Gefahrenzone, dünnes Eis, Leben am Limit usw. Ich ziehe die Mission #2020 durch. Bussi, ihr kleinen Pisser

Ich oute mich als jede vorstellbare KRANKHEIT.

– Bipolare Störung

– Chronische Migräne und Spannungskopfschmerzen

  • Spastische Bronchitis als Kind
  • Neurodermitis als Kind
  • Heuschnupfen/Allergie
  • Blasenentzündung
  • Menstruation
  • Weiblich
  • Blond
  • Naiv
  • Dumm
  • Intelligent
  • Besserwisser
  • Doofe-Fragen-Steller
  • Guter Zuhörer
  • Quasselstrippe
  • Perfektionist
  • Neurotische Zwänge
  • Langsamer Genießer (beim Essen)

 

Puh…tut gut, oder? Fällt euch noch was ein zu mir? Ich tanz nämlich gern aus der Reihe…

Bipolar und COVID-19?

Meine Lieben, ich habe echt lange gegrübelt, ob ich was schreiben soll oder nicht, da man das Gefühl hat, man hat schon alles dazu gehört, man kann und will es nicht mehr hören und niemanden mehr damit nerven. Jeder hat seine eigene Meinung dazu und das ist meine. (Wenn es euch jetzt schon nervt, hört auf zu lesen, im Ernst!)

Die ganze COVID-19 Situation aus Sicht einer bipolar Erkrankten

Corona, Virus, COVID oder auch einfach nur „die Situation“, die aktuelle Lage keine Ahnung – es nervt euch auch schön langsam? Ihr könnt es nicht mehr hören? Ihr habt das Gefühl, ihr werdet wahnsinnig, bekommt einen Koller so eingesperrt zuhause? Hey, dann willkommen in meiner Welt, ich bin nicht die Einzige. Wenn dich das Thema jetzt schon nervt, dann hör lieber auf zu lesen, das ist nicht Sinn der Sache. Also weg mit dem Handy und Social Media Detox. Wer weiter lesen will: sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Für mich lässt sich trotz meiner Erkrankung die Situation natürlich nicht vermeiden und ich muss mich genauso an die Regeln halten wie alle anderen, was ich auch bestmöglich versuche einzuhalten, versprochen. Und ich lache auch über Corona und versuche mir meinen Humor zu bewahren. Aber für chronisch psychisch kranke Menschen ist die ganze Situation überhaupt nicht witzig (also die, die auch schon vor Corona psychisch krank waren). Die Versorgungslage ist momentan krass eingeschränkt, es werden nur noch Notfälle behandelt und Menschen, die wirklich suizidal sind. Was im schlimmsten Fall bedeuten kann, dass Fälle übersehen werden und Menschen Suizid begehen und das nicht wegen Corona, sondern weil es ihnen unglaublich schlecht geht und ihnen nicht geholfen werden kann, weil sie vereinsamen in ihrer Wohnung vor lauter „Social Distance Warnings“ und was weiß ich. Ich finde eure Memes an guten Tagen auch witzig, die sagen: „Was? Mein Lifestyle wird Quarantäne genannt? Haha“ Aber im Ernst: Wow, ich hoffe ihr denkt nüchtern betrachtet nicht so, dann wäre das nämlich traurig und unsolidarisch für unsere Gesellschaft. Es tut mir in der Seele weh, dass sich alle so streiten wegen Corona, Schuldzuweisungen hier und da, alle schreien sich über Social Media gefühlt an, dass man gefälligst zuhause zu bleiben hat, sonst haben sie euch ins Hirn geschissen, oder vielleicht auch nur gepupst. Deswegen hier meine To-Do-Liste für psychisch kranke Menschen oder die, die es werden wollen, wie ich mich in dieser angespannten Situation besser verhalten kann:

 

  • Tag strukturieren und planen (Listen schreiben angefangen mit Zähneputzen, regelmäßiges Essen, Dinge, die unbedingt erledigt werden müssen und dann abhaken)
  • Soziale Kontakte etwa über Social Media planen und „Video Calls“ ausmachen, damit dein Umfeld weiß, dass es dir gut geht
  • Verständnis voll sein (aber das sind wir ohnehin eh alle), wenn etwas mal nicht so funktioniert, wie es sein sollte, es gibt echt Schlimmeres! Lacht über euch!
  • Dinge erledigen, für die man sonst aufgrund der Erkrankung nie Zeit hat (ich glaube da fallen allen genuuuuug Sachen ein)
  • Wenn du mit anderen Menschen zusammen lebst: Rede offen mit ihnen über deine Erkrankung, das wird dir und ihnen helfen, dich zu verstehen, warum du in manchen Situationen so reagierst wie du reagierst, auch wenn dann so Sprüche kommen wie „du bist ja nicht ganz dicht“ – dann darfst du auch ruhig zurück mobben (finde ich), solange man noch darüber lachen kann, Humor ist ja oft die beste Medizin bei sowas
  • Codewort mit Freunden oder WG ausmachen – irgendwas lustiges, das dir signalisiert, dass es gerade zu viel wird, ohne dass du gleich genervt bist, dass du dich jetzt schon wieder zurückhalten musst, oder vielleicht einen Song (Signal: jetzt wird’s zu manisch oder zu depressiv)
  • Nett bleiben zu allen, weil jeder sein Bestes gibt in dieser Lage
  • UND GANZ WICHTIG: Social Media Detox! Wichtiger denn je, in der jetzigen Lage. Handy weg, abschalten, auf andere Gedanken kommen, etwas Schönes machen, um auf positive Gedanken zu kommen.
  • Wenn es nicht anders geht und ihr zum Beispiel nicht schlafen könnt, passt eure Medikation in Absprache mit der Ärztin oder Therapeutin ab, gegebenfalls telefonisch
  • Verliert trotz allem eure Ziele und eure Motivation nicht aus den Augen. Irgendwann geht die Schule, Uni oder Arbeit wieder normal weiter und dann wollt ihr vorbereitet sein, also fangt trotzdem jetzt schon an zu lernen, Pläne zu schreiben, alles anzufangen, was von zuhause aus geht.
  • Bewegung und Sport in einem angemessenem Rahmen (zum Beispiel Yoga zuhause mit YouTube, spazieren gehen mit Mitbewohnern, wenn erlaubt)
  • Viel trinken (vergesse ich auch immer)
  • Trotz allem gut auf sich achten (Achtsamkeitstagebuch, generell Tagebuch, um runterzukommen, Selfcare, Metime)

 

Für andere sind das selbstverständliche Sachen, aber für uns nicht. Andere lachen darüber, aber für uns ist es (über)lebenswichtig. Deswegen bitte nehmt die Sache ernst und haltet euch an alles, damit hoffentlich diese ganze Ausnahmesituation bald wieder vorbei ist. Danke. Ende.

 

*Wenn ich was vergessen habe, schreibt mir ruhig per DM, Kommentare usw. – dann ergänze ich die Liste.

Marleen Lohse im Interview: „Sitzt du auf öffentlichen Toiletten?“

Die Schauspielerin Marleen Lohse im Gespräch über ihren neuen Film „Cleo“, über ihre Verbindung zu Berlin, verschiedene Rollen und Wünsche.

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Quelle: Johannes Louis

Man kennt sie als Jule Christiansen aus „Nord bei Nordwest“ und mehreren Tatorten und Kinofilmen – früher war sie jedem Kind als Hexe aus „Die Kinder vom Alstertal“ bekannt. Mit ihrem neuen Kinofilm „Cleo“ von Erik Schmitt taucht Marleen Lohse zusammen mit Jeremy Mockridge in eine ganz neue Welt ein und startet eine abenteuerliche Schatzsuche durch Berlin. Der Film „Cleo“ ist bereits seit dem 25. Juli in den deutschen Kinos. Wir sprachen mit der Schauspielerin über ihren neuen Film, ihre Vergangenheit und ihre Verbindung zu Berlin.

Im neuen Film spielst du Cleo, die die Seele Berlins spüren kann. Kannst du drei Adjektive nennen, die die Stadt und somit Cleo am besten beschreiben?

Marleen: Wir bedienen uns im Film der These des Genius Loci, die besagt, dass jeder Ort eine Seele hat. Cleo ist eng mit der Seele Berlins verbunden und ist stark von ihr geprägt – auch durch traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit. Aber Berlin ist natürlich noch viel mehr. Wenn ich Berlin in drei Adjektiven beschreiben sollte, dann wären das bunt, frei und tief. Und genau das zu sehen, muss auch Cleo auf ihrer Schatzsuche wieder erlernen.

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Quelle: Johannes Louis

Gibt es Parallelen zwischen Cleo und dir?

Sicherlich. Cleo steht in ewigem Konflikt mit ihren Ängsten, die sie lernen muss zu überwinden. Allerdings geschieht dies nicht, wie viele Filme ja gerne suggerieren, in einem großen Showdown. In meinem Beruf kenne ich dieses Gefühl sehr gut. Als Schauspielerin muss man immer wieder aufs Neue Lampenfieber überwinden und an seine Grenzen gehen. Es war mir auch sehr wichtig zu zeigen, dass Cleo im Endeffekt von sich aus ihre Mauern einreißt und ihren eigenen Weg beschreitet, wir somit keine klassische Liebesgeschichte präsentieren, sondern eine starke und autonome Frauenfigur.

Quelle: Johannes Louis

Die Stadt Berlin spielt in „Cleo“ wie gesagt eine sehr große Rolle. Was für eine Verbindung hast du persönlich zu Berlin?

Ich wohne mittlerweile seit 13 Jahren dort und es ist zu meiner Wahlheimat geworden. Ich bin fasziniert von dieser Stadt und sie hat eine ganz eigene Form der Poesie. Und trotz der Vergangenheit und all den Wunden, die die Seele Berlins erleiden musste, erlebe ich diese Stadt so bunt und frei wie kaum eine andere. Ich mag auch das Unfertige an Berlin. Hier gibt es noch Chancen stattzufinden und Dinge auszuprobieren.

Du bist auf dem Land am Stadtrand von Hamburg aufgewachsen, kannst du dich trotzdem in den Großstadtkontext hineinversetzen?

Das tue ich ja schon eine ganze Weile. Manchmal ist Berlin laut und anstrengend, aber es bietet auch ein kreatives Pflaster, welches ich für meine Arbeit als Schauspielerin und Autorin brauche. Außerdem wohnen die meisten meiner Freunde hier. Ich fühle mich gerade sehr wohl.

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Quelle: Johannes Louis

Du wurdest durch die Serie „Die Kinder vom Alstertal“ berühmt, auch diese spielt auf dem Land. Wie hat dich diese Zeit geprägt und erinnerst du dich gerne daran zurück?

Es ist nun schon 20 Jahre her. Ich selbst denke nicht so oft daran zurück. Ich werde allerdings immer mal wieder als „Hexe“ erkannt. Für mich war es eine Zeit des Ausprobierens und Rumtollens. Für die Schauspielerei und das damit verbundene Studium habe ich mich erst viel später entschieden. Aber ohne diese Serie hätte ich vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen. Wer weiß!

In der Serie hast du „Hexe“ gespielt, ist sie denn mittlerweile erwachsen geworden?

Die ist jetzt Cleo, aus Hexe wurde Cleo.

Quelle: Johannes Louis

In deinem Beruf nimmst du ständig neue Rollen an, einmal Hexe, dann Cleo: Was war bisher deine Lieblingsrolle, die du gespielt hast?

Das ist schwierig zu sagen, ich versuche natürlich in jeder Rolle irgendetwas zu finden, das mich reizt. Es würde sich also fast wie Betrug anfühlen zu sagen ich hätte eine absolute Lieblingsrolle. Aber es war zum Beispiel eine große Ehre für mich Elizabeth I. zu spielen und zu „Cleo“ habe ich auch eine besondere Verbindung, da ich am Drehbuch mitgeschrieben habe. Ich war also von Anfang an dabei und die Arbeit an dem Film hat beinahe fünf Jahre meines Lebens in Anspruch genommen.

Hast du manchmal das Gefühl, dass Menschen in dir immer noch Hexe sehen oder dass eine deiner anderen Rollen an dir haften blieb – auch im Privaten?

Im Privaten nicht. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Menschen, die mich aus der Kinderserie kennen, sich an ihre eigene Zeit als Kind erinnert fühlen und das ist doch etwas sehr Schönes.

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Quelle: Johannes Louis

Gibt es denn eine Rolle mit der du ungern in Verbindung gebracht werden möchtest?

Ich stehe hinter den Projekten, die ich gemacht habe.

Du spielst verschiedene Charaktere, welchen würdest du denn in Zukunft gerne noch spielen, was steht hier auf deiner Wunschliste?

Ich würde gerne mal eine Musikerin spielen. Für „CLEO“ habe ich zwei Lieder eingesungen und ich arbeite gerade an einem eigenen Drehbuch. Es geht dabei um Erinnerungen und die Manipulation vergangener Erlebnisse.

Apropos Wunschliste: Was würdest du dir für die Zukunft generell wünschen? Nur für dich und ganz allgemein für alle? 

Für mich und mein Umfeld wünsche ich mir Gesundheit, Mut und Neugierde. Ganz allgemein habe ich sehr viele Wünsche. Für den Anfang vielleicht erstmal ein bisschen mehr Bewusstsein für die Umwelt im Denken und Handeln.

Hier geht’s zum Original-Interview bei Zeitjung:

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Quelle: Johannes Louis

„Die kleinen Wunder des Alltags finden“

Man kennt ihn aus der Filmreihe “Die Wilde Hühner“ und der Lindenstraße. Jeremy Mockridge spielte immer den netten, charmanten Jungen von nebenan. Mit seinem neuen Film „Cleo“ mit Marleen Lohse an seiner Seite taucht er in eine ganz neue Welt ein, auf Schatzsuche in Berlin. Ich sprach mit dem Schauspieler über seinen neuen Film, darüber, wie es ist, in so einer berühmten Familie wie den Mockridges aufzuwachsen und was er sich für die Zukunft wünscht. Der Film „Cleo“ ist seit dem 25. Juli in den deutschen Kinos.

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Quelle: Johannes Louis

Um was geht es in deinem neuen Film „Cleo“?

Jeremy: Es geht um die Hauptfigur Cleo, die sich vor ihrer Welt verschließt. Sie hat früh ihre Eltern verloren und erfährt jetzt von einer magischen Uhr, die die Zeit zurückdrehen und somit Dinge ungeschehen machen kann. Dann trifft sie auf Paul, der auf ebay Kleinanzeigen eine Schatzkarte gekauft hat, mithilfe der man die Uhr finden könnte. Aber auch die Stadt Berlin mit ihrer einzigartigen Geschichte spielt eine große Rolle. Wir haben uns gefragt: Was würde uns die Stadt erzählen, wenn sie sprechen könnte?

Stimmt es, dass es im Film Parallelen zu der fabelhaften Welt der Amelie gibt?

Jeremy: Ja, ich glaube, damit ist die Atmosphäre des Films gemeint, die Cleo hat. Es ist ein sehr sinnlicher Film. Die fabelhafte Welt der Amelie ist natürlich ein sehr toller, besonderer Film, ein Klassiker. Da wäre es anmaßend, einen Vergleich herzustellen. Bei Cleo kommt aber diese Schatzsuche hinzu. Man könnte sagen Amelie trifft auf Indiana Jones.

Wie waren denn bisher die Reaktionen der Zuschauer auf der Kinotour?

Jeremy: Die Menschen waren begeistert und berührt, wir hören auch ganz oft, dass es endlich mal „etwas anderes“ sei, anders als alle anderen Berlin Filme beispielsweise. Visueller und poetischer, Cleo zeigt Berlin nicht als Partystadt, sondern als magische Stadt.

Wie hast du mit deiner Partnerin Marleen Lohse im Film harmoniert?

Jeremy: Wir haben sehr gut harmoniert, da wir eine ähnliche Biografie haben. Wir haben beide schon früh als Kinder mit dem Schauspielern angefangen, ich bei den Wilden Hühnern und sie bei den Kindern vom Alstertal, und waren dann beide am Theater tätig. Das hat dann sozusagen gut „geklickt“.

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Quelle: Johannes Louis

Spielst du lieber im Theater oder im Film?

Jeremy: Das kommt ganz auf das Theaterstück oder den Film an. Ich muss zugeben, ich gucke mehr Theater als Filme. Ich liebe es, mit dem Publikum zu interagieren und die Reaktionen zu sehen. Im Theater geht es um den Moment, den man auf der Bühne mit den Zuschauern erlebt. Das Erlebnis des Spielens leidet beim Film oft unter den vielen technischen Begebenheiten, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Außer bei „Cleo“. Da lief immer die Kamera. Wir haben versucht so viel wie möglich „drin“ zu bleiben und die Kamera am Laufen zu halten. Da kam ein ganz anderes Gefühl auf, als sonst beim Film, wo man bei jeder Umbaupause warten muss.

Wie bist du an die Rolle gekommen?

Jeremy: Ich hatte mich eigentlich auf eine kleine Rolle beworben und als ich das Drehbuch gelesen habe, habe ich Sympathie für die Rolle des Paul entwickelt. Auf dem Nachhauseweg fragte ich den Regisseur Erik Schmitt dann, wer die Rolle spielt und er sagte daraufhin: „Eigentlich du in zehn Jahren!“ Ich dachte, damit sei das Thema gegessen, doch zwei Tage später rief er mich an und sagte, ich könne doch einfach mal zum Casting kommen und für Paul vorsprechen, vielleicht passt es ja.

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Quelle: Johannes Louis

Du bist in einer sehr offenen, berühmten Familie aufgewachsen. Inwiefern hat dich das in deiner Entwicklung und schauspielerischen Laufbahn geprägt?

Jeremy:  Das hat mich sehr geprägt, weil Theater und Film mein tägliches Brot war, es wurde am Tisch darüber gesprochen und ich bin quasi wie meine Brüder damit aufgewachsen, wir haben es konsumiert. Unsere Eltern haben das sehr stark kultiviert. Dadurch konnte ich das Schauspielern auch früh ausüben, bekam etwa Statistenrollen am Theater. Bei den Wilden Hühnern war das eher noch Spaß, die Schauspielschule hat mir dann das Handwerk gelehrt. Meine Eltern stehen als Comedians auf der Bühne. Diese Verbindung zu Comedy hat auf jeden Fall meinen künstlerischen Kompass geprägt. So war es ja auch bei meinem Bruder Luke zum Beispiel.

Dein Bruder Luke ist als Comedian sehr erfolgreich. Wie ist es, plötzlich so einen berühmten Bruder zu haben? Fühlst du dich manchmal übertrumpft oder siehst du es ganz locker?

Jeremy: Ja, er ist sehr berühmt, aber ich sehe das nicht als Wettbewerb. Ich bin eher glücklich für ihn. Das ist schon unglaublich, dass da 14.000 oder mehr Leute extra anreisen, um ihn zu sehen, nur wegen meinem Bruder. Ich fühle mich aber nicht übertrumpft, es beeindruckt mich eher. Wir haben ja auch ganz verschiedene Berufe, ich bin Schauspieler und er Comedian. Das Bild, wo ich sein will, sieht da ganz anders aus.

In „Die Mockridges“ spielt ihr euch als Familie selbst. Wie war das für dich?

Jeremy: Ja, das war komisch, es ist ja eine Art Fake Documentary, da die Autoren von WDR überlegt haben, wie diese Familie ist, und das Drehbuch geschrieben haben, ohne uns zu kennen. Deshalb herrscht hier etwas Distanz zum wahren Ich, es ist quasi ein amplifiziertes „Jeremy“ Alter-Ego, um das es geht. Es ist komisch, wenn fremde Menschen eine Geschichte über deine Familie schreiben. Da muss man einen Weg finden – was macht dieses Jeremy Alter-Ego unterhaltsam und wie bleibt trotzdem eine gewisse Glaubwürdigkeit.

Dein Vater kommt aus Kanada, deine Mutter aus Italien, doch beide leben nun hier und sprechen perfekt deutsch. Wie kam es dazu?

Jeremy: Das stimmt. Meine Mutter ging in Rom auf eine deutsche Schule und kam dann nach Bonn, mein Vater kam durch eine Freundin aus Kanada nach Bonn, um dort Theater zu spielen und dort haben sie sich dann kennengelernt und sechs Söhne gemacht. (lacht)

Du wurdest durch die Filme der Wilden Hühner berühmt. Wie hat dich diese Zeit geprägt und erinnerst du dich gerne daran zurück? Hast du noch Kontakt zu den Kollegen von damals?

Jeremy: Ja, das hat mich sehr geprägt. Das war ja die Zeit zwischen elf und 15 Jahren. Die Erwartungshaltung von Außenstehenden war dann oft, dass ich genauso cool wie im Film bin und viele haben dann auf mich den perfekten Freund projiziert, obwohl ich das vielleicht ja gar nicht bin. Ich habe sogar Briefe bekommen, die an Fred aus Wilde Hühner adressiert waren, die haben sich quasi in die Figur Fred verliebt. Die Wilden Hühner, die drei Kinofilme, die wir in drei Sommern gedreht haben, waren sozusagen meine erste Schule. Hier habe ich entschieden, dass ich diesen Beruf ein Leben lang ausüben möchte. Vincent Redetzki und ich sind seitdem beste Freunde und haben in Berlin sogar zusammengewohnt. Jetzt ist er in München am Theater und ich in Berlin. Martin Kurz sehe ich auch noch ab und zu, Lucie und Zsa Zsa habe ich auch vor kurzem getroffen. Wir wollten eh alle mal ein großes Reunion Treffen machen. Ich erinnere mich wirklich gerne an die Zeit zurück, das war einfach perfekt, man muss sich diese Dreharbeiten wie eine Klassenfahrt vorstellen.

Gibt es denn Parallelen zwischen dir und Fred im echten Leben?

Jeremy: Ich denke, man füllt eine Rolle immer mit seiner eigenen Identität aus, ich habe lange nicht mehr über Fred nachgedacht, damals war ich noch so jung. Die eigene Identität, Reife und der Humor etwa. Man füllt eine Rolle immer mit der eigenen Person und der eigenen Biografie aus. Ich habe „Fred“ damals die Reife und die Emotionalität verliehen, die ich in dem Alter besaß. Und so ist es auch mit Paul in dem Film „Cleo“, das ist quasi der ältere Jeremy. Und Fred war der jüngere

In einem Interview hast du mal gesagt, du würdest gerne mal einen Drogenabhängigen spielen, der vor dem Abgrund steht und alles verloren hat. Ist das immer noch so?

Jeremy: Das habe ich mal mit 16 in einem Interview zu den Wilden Hühnern gesagt ja. Ich glaube ich wurde damals auf gewissen Rollen festgelegt, der schöne, charmante Junge von nebenan und wollte einfach mal was anderes, existentielleres spielen. Aber durch das Theater habe ich nun ja die Möglichkeit dazu, viele Rollen zu spielen.

Wer sind deine schauspielerischen Vorbilder?

Jeremy: River Phoenix in „Stand by me“ hat mich als Kind sehr berührt und seine Performance ist vielleicht auch ein Grund, weshalb ich Schauspieler geworden bin. Sonst gibt es jetzt nicht diese klassischen Vorbilder, eher Schauspieler, die ich schätze, gerne beobachte und von denen ich mich immer wieder inspirieren lasse. Sandra Hüller, Edward Norton oder Adam Driver gehören dazu.

Was sind deine Wünsche für die Zukunft, sowohl beruflich als auch privat?

Jeremy: Privat möchte ich versuchen, im Moment zu sein und aufmerksam sein, für das, was um mich herum passiert, und um mehr Ruhe zu finden, die kleinen Wunder des Alltags, wie wir das auch in unserem Film „Cleo“ thematisieren. Beruflich wünsche ich mir immer neue, interessante Begegnungen mit Kollegen, die mich inspirieren und natürlich auch so viele neue fordernde Rollen.

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Quelle: Johannes Louis

Mogli im Interview: When was the last time you cried and why?

Nach ihrer großen Reise mit einem umgebauten Schulbus von Alaska bis nach Mexiko hatte die Sängerin Mogli ihren großen Durchbruch. Im Interview verrät sie uns unter anderem, wie sie zur Musik gekommen ist und wie sie es geschafft hat, sich aus einer schwierigen Phase in ihrem Leben heraus zu kämpfen.

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Zeitjung: Mogli – woher kommt der Name?

Mogli: Ich heiße eigentlich seit der Kindheit schon so, meine Mama hat mir den Namen gegeben. Grund Nummer eins: Ich bin gerne in Unterhose rumgerannt und ich bin gerne auf Bäumen rumgeklettert. Und Grund Nummer zwei: Als ich elf war, hab ich mir Dreadlocks gemacht und dann hat es sich so richtig eingebürgert erst. Und dann hat es irgendwann meinen normalen Namen ersetzt.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte?

Mogli: Puh, das ist eine schwierige Frage, weil es immer ein bisschen anders ist. Ich hab mein letztes Album auf einer Reise geschrieben, die ich gemacht habe von Alaska nach Mexiko, da hab ich mich einfach wirklich inspirieren lassen von dem, was um mich rum war. Wie ich aber meistens und eigentlich auch jetzt im Moment Musik mache, ist, dass ich ins Musikstudio gehe und mit der Musik anfange tatsächlich. Ich arbeite mit Produzenten zusammen und wir sind dann entweder schon in der Stimmung oder erst mal unterhalten wir uns und dann kristallisiert sich heraus, was mich gerade beschäftigt. Wir fangen wirklich völlig abstrakt mit einem Akkord an und einfach wirklich nur mit Musik und dann bringt mich das in eine Stimmung und dann ist es eigentlich fast alles improvisieren und dann komme ich von der Stimmung erst auf die Texte. Es ist nicht so, dass ich mir davor krass viele Gedanken mache, sondern es ist alles aus einem Guss, es kommt alles zusammen, Melodie und Text.

Du bist momentan auf großer Tour, zum ersten Mal sogar in den USA und Kanada. Worauf freust du dich am meisten?

Mogli: Am meisten Spaß macht es mir, die neuen Songs zu spielen, die noch gar niemand kennt, weil ich Songs spiele, die noch nicht mal fertig produziert sind, die sind noch nicht einmal aufgenommen im Studio, gerade erst geschrieben. Das macht mir am meisten Spaß. Und zu spüren, wie sie ankommen, und ob es den Leuten gefällt, obwohl ich auch neue Sachen mache.

Und wie sind die neuen Songs bisher angekommen?

Mogli: Voll gut, das macht echt Spaß. Ich gehe nach dem Konzert oft nochmal raus und spreche mit den Leuten und dann sagen voll oft die Leute, dass sie die neuen Songs voll schön finden – das gibt dann ein gutes Gefühl, weil man ja nicht weiß, ob die Leute mit einem mitgehen, wenn man sich verändert.

Inwiefern unterscheidet sich deine neue EP von den anderen?

Mogli: Sie ist viel elektronischer geworden, gleichzeitig intimer, weil ich sie in Berlin geschrieben habe und eben nicht auf der Reise und ich nicht versucht habe, mich inspirieren zu lassen von Sachen außen rum, sondern das raus zu lassen, was schon in mir drinnen war. Einfach ins Studio gehen und gucken, wie so ein Blick in sich selbst rein.

Findest Du, dass deine Musik und Texte ein Spiegel deiner eigenen Entwicklung sind?

Mogli: Auf jeden Fall, da bin ich mir super sicher. Die EP, die ich gerade rausgebracht habe, Patience, da würde ich auf jeden Fall sagen, dass das Thema von der EP Umbruch oder Veränderung ist, weil sich eben in meinem Leben extrem viel verändert hat.

Was hat sich denn verändert?

Mogli: Ich hab auf dem Land gelebt mit meinem damaligen Freund zusammen und zwei Hunden und wirklich in so einem 200 Seelen Dorf im Schwarzwald und habe mich dann getrennt und bin nach Berlin gezogen und war zum ersten Mal alleine und mich nur noch auf Musik konzentriert und zum ersten Mal Zeit gehabt, um herauszufinden, was ich gut finde und worauf ich Bock hab und hab mich dann voll in die Musik gestürzt und halt auch in Berlin gestürzt. Und ich glaub, das hört man, dass sich was verändert hat.

Du hast vor kurzem in einem Interview geäußert, selbst an einer Art Depression gelitten zu haben. Wie hast du dich aus dieser schwierigen Phase herausgekämpft und was gibst du Betroffenen mit auf den Weg?

Mogli: Ich spreche eigentlich bei mir selber meistens nicht von Depression, sondern ich hatte einfach eine ganz schön schwere Zeit und mir gings nicht so gut und das hat eigentlich auch etwas mit der EP zu tun, weil sie ja Patience heißt. Was mir eigentlich am meisten geholfen hat, ist, erstens mir selbst einzugestehen, dass es mir nicht gut geht und dass es auch völlig okay ist, dass es einem Mal nicht gut geht und man nicht immer happy sein muss – das zu verstehen. Dann Hilfe zu sagen und anderen Leuten zu sagen, „Ey Leute, ich kann nicht mehr“ und dass es auch wichtig ist, das zu tun, sich Leuten zu öffnen und zu sagen, wie es einem geht, wenn es einem nicht gut geht. Und Geduld mit mir zu haben – deswegen die Patience EP und darum geht auch der Song: Geduld zu haben, dass Heilen eine Weile dauert, dass es nicht so ist, wie Malen nach Zahlen, weil ich normalerweise so bin, okay ich habe ein Problem und dann will ich es lösen, dann ist es vorbei und dann kann ich weiter machen, und so schnell geht das halt manchmal nicht. Wenn es um den eigenen Kopf geht, dann braucht man manchmal einfach Zeit. Das heißt, ich würde glaube ich den Menschen mitgeben, Geduld mit sich zu haben, nicht so hart mit sich selbst zu sein und sich anderen Leuten zu öffnen. Das ist auch so mein Hauptthema in der Musik tatsächlich, dass ich mich verletzlich mache, weil nur wenn man sich verletzlich macht, und quasi zugibt, dass es einem mal nicht gut geht, löst man in den anderen Menschen Empathie aus, weil sie dich dann verstehen und mit dir mitfühlen und ich glaube, wir brauchen auf jeden Fall mehr Empathie in der Welt.

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Du ernährst dich teilweise vegan und hast sogar mal überlegt, ein Kochbuch zu schreiben. Welches sind deine fünf Lieblingsgerichte?

Mogli: Ich koche gerne Burritos, indisches Curry, ich kann eine sehr sehr gute vegane Lasagne, die ich mir selbst ausgedacht habe, Crêpes – erst salzig und dann süß zum Nachtisch, und Nudelsalat – mit Balsamico und Antipasti-Gemüse!

Du lebst seit einiger Zeit getrennt von deinem Exfreund Felix. Wie geht es dir seit der Trennung, da ihr ja sehr viel miteinander geteilt habt?

Mogli: Es war wie gesagt eine krasse Veränderung für mich, weil ich quasi aus dem einen Leben raus und eine 180 Grad Wende in das andere Leben rein gemacht habe. Zwischen uns ist alles gut. Das Krasse für mich war dieser Umbruch, von heute auf morgen. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung und mir geht es auch sehr gut, ich habe nur ein bisschen gebraucht, um mich an mein neues Leben zu gewöhnen. Das meine ich auch mit Geduld, dass man sich eben die Zeit nehmen soll, um anzukommen, wenn sich alles verändert. Und ich habe mich noch gewundert, warum es alles ein bisschen viel ist gerade, obwohl es ja klar ist, dass das alles ein bisschen viel ist.

Du setzt dich sehr für nachhaltige Mode ein. Was sind deine Lieblingslabels und was rätst du Studenten und Geringverdienern, die nicht viel Geld für Kleidung überhaben?

Mogli: Meine Lieblingslabels sind Closed, es gibt High Fashion Labels, die ich gerne mag wie Philomenazanetti – das ist allerdings sehr teuer, dann gibt es aber auch andere Labels wie Armed Angels, die sich eigentlich fast jeder leisten kann. Mein Tipp ist, erstens Second Hand Klamotten, weil Vintage die nachhaltigste Form von Shoppen ist, noch viel besser als neue Sachen fair zu kaufen. Ich glaube es geht vor allem darum, Bewusstsein zu schaffen und darum, selber zu checken, was man konsumiert und kauft und es geht nicht darum, immer das teuerste nachhaltigste Stück zu kaufen, sondern zum Beispiel allein schon nicht mehr bei Fast Fashion mitzumachen, einfach nicht jede Saison den ganzen Kleiderschrank wegzuschmeißen oder zu verkaufen und sich was neues zu kaufen, sondern sich Teile zu kaufen, bei denen man vorhat, sie lange zu behalten und vielleicht Sachen zu reparieren, die kaputt gehen, anstatt sich was Neues zu kaufen, ein bisschen mehr Geld zu investieren, für ein Teil, das dann dafür aber auch länger hält, anstatt sich zehn Sachen zu kaufen, die dann schnell kaputt gehen. Und sich bei Eco-Bloggern Inspiration zu holen, es gibt zum Beispiel Daria Daria, die hat so eine Linkliste online – ganz cool sortiert, nach Frauen, Männern, Kindern – dort kann man sich gut inspirieren lassen. Oder eben auch bei Instagram. Ich tagge zum Beispiel alle meine Sachen, die ich trage bei Instagram und wenn es einem gefällt, dann kann man das ja auch nachkaufen.

Wie implementierst du Nachhaltigkeit in deinem Alltag?

Mogli: Boah, das ist schwierig tatsächlich und es werden einem auch immer wieder Steine in den Weg gelegt, zum Beispiel habe ich einen Hund, und sie isst nicht gerne Trockenfutter – ich habe es ganz ganz lange probiert, ihr Trockenfutter zu geben, aber sie frisst es einfach nicht und ist dann viel zu dünn, deswegen muss ich ihr Nassfutter geben, das ist dann halt in Dosen. Ich kann ihr auch kein frisches Fleisch geben, da ich dafür zu viel unterwegs bin. Das ist immer schwer, deswegen muss man auch immer Abstriche machen, aber ich glaube, es ist wieder so eine Bewusstseinssache: Man muss in allen Lebenslagen darüber nachdenken. Etwa sich einen Coffee Cup zu holen, ich hab zum Beispiel immer meine Wasserflasche dabei und fülle sie auf, anstatt mir Plastikflaschen zu holen. Ich versuche es auch auf der Tour, so gut es geht, auf Nachhaltigkeit zu achten. Ich hab in meinem Rider (den das Venue im Backstage bekommt) ganz oben ganz groß stehen, dass wir kein Plastikgeschirr wollen zum Beispiel – und es klappt fast nie, wir haben immer wieder Plastikgeschirr da stehen, ich reg mich jeden Abend wieder auf.

Beschwerst du dich dann? Und wie sind dann die Reaktionen?

Mogli: Ja, ich beschwere mich dann extra in Person, da eine Email sowieso ignoriert wird, und erkläre, dass es ihnen vielleicht nicht so auffällt, aber mir extrem, wenn ich zwei Monate auf Tour bin und jeden Abend so viel Plastik wegschmeiße und dass ich mir wünschen würde, dass sie meine Wünsche respektieren. Dann sagen sie meistens Entschuldigung, machen wir beim nächsten Mal – da weiß ich dann natürlich nicht, ob es dann so passiert.

Du bist mit zwei Müttern aufgewachsen. Inwiefern hat dich das geprägt und was würdest du Gegnern gleichgeschlechtlicher Erziehung gerne sagen?

Mogli: Geprägt hat es mich zum einen darin, dass ich immer unterstützt wurde und dass meine beiden Vorbilder weiblich waren und ich also gesehen habe, dass eine Frau alles machen und schaffen kann, was ein Mann auch schafft und ich deswegen schon seit ich ganz klein bin wusste, dass ich alles erreichen kann, was ein Junge erreichen kann und ich glaube, dass es ganz ganz vielen Mädchen nicht so geht, dass sie einfach immer unterschätzt werden. Das hat mich geprägt. Was ich Gegnern gerne mitgeben würde, ist eine ganz einfache Überlegung:Ich habe zwei Frauen um mich gehabt, und es gab keine, wirklich keinerlei geschlechterspezifische Rollenverteilung – geht ja nicht. Was dann passiert ist, ist dass jede von den beiden einfach die Aufgaben übernommen hat, in denen sie besonders gut war. Das heißt, ich habe von beiden eigentlich nur das Beste mitbekommen. Wenn eine gut ist darin zu trösten und die andere gut ist darin mit mir Sport zu machen, dann ist vielleicht wieder die andere gut darin, mich ins Bett zu bringen und im Kochen, eine gut im Putzen, eine gut im Lampen anschrauben und im Fahrräder flicken, eine gut im auf Bäume klettern und es ist halt überhaupt nicht so aufgeteilt, wie man sich das vorstellt, sondern ganz bunt durchgemischt und ich habe quasi von beiden nur das Beste mitbekommen.

Female Empowerment ist momentan ein wichtiges Thema für dich. Auch wenn wir oft meinen, wir seien damit in Deutschland schon sehr weit – wonach fehlt es hier deiner Meinung nach noch?

Mogli: Schwierig. Darf ich die Frage ein bisschen umformulieren? Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass Leute anklagen und mit dem Finger darauf zeigen, wo noch Sachen schieflaufen, das ist aber nicht die Art, wie ich persönlich an die Dinge gehe, weil ich versuche quasi es positiv zu lösen, indem ich quasi zeige, dass ich selber ‚empowered‘ bin und den Leuten Mut mache, sich selber zu empowern. Das ist quasi mein Weg da ran zu gehen. Es gibt noch genug Sachen, die noch schief laufen, und es ist auch wichtig, dass darauf gezeigt wird, aber das ist nicht mein persönlicher Weg. Ich versuche eben zum Beispiel indem ich darüber spreche, dass ich Depressionen hatte und alleine war und indem ich Hilfe gesagt habe und darüber gesprochen habe und Musik gemacht habe, mir da raus geholfen habe, zeige ich ja, dass es möglich ist und versuche eben genau, indem ich mich verletzlich mache, anderen Frauen Mut zu machen, sich erstens auch verletzlich zu machen und daran zu wachsen, weil eigentlich, wenn man mutig ist, und sich seinen Ängsten stellt, wird man immer dafür belohnt. So ist es nie umsonst, wenn man mutig ist. Man bereut es danach eigentlich nie. Das heißt ich versuche eigentlich hauptsächlich Frauen und den Mädels Mut zu machen, sie selbst zu sein und okay damit zu sein, wenn sie nicht perfekt sind, aber gleichzeitig aucch stolz darauf zu sein.

Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen?

Mogli: Ich hab schon immer Musik gemacht! (lacht) Ich habe tatsächlich als Baby schon bevor ich gesprochen habe, Laute von mir gegeben und mitgesummt, wenn meine Mama Musik angemacht hat. Und ich habe auch seitdem eigentlich nie aufgehört eigentlich den ganzen Tag zu singen und das ist auch so ein Launen-Indikator, wenn ich mal ein oder zwei Tage nicht singe, dann heißt das meistens, dass ich krank werde, das irgendwas nicht stimmt.

Und woher hast du diese sanfte, klare, hohe Stimme?

Mogli: Ich glaube, dass es weil ich schon immer singe, einfach super natürlich ist, ich sag auch immer, das ist meine Form von sprechen, es fällt mir voll oft leichter, zu singen als zu sprechen. Auf der Bühne zum Beispiel: Ich liebe es, auf der Bühne zu sein und immer wenn der Song vorbei ist und ich etwas sagen muss, werde ich schüchtern.

Bist du dann trotzdem noch aufgeregt und nervös, wenn du auf der Bühne stehst?

Mogli: Nein, eigentlich nicht, ich freue ich immer voll, nur schüchtern in den Ansagen.

Hast du irgendein Ritual vor deinen Konzerten?

Mogli: Vor dem Konzert habe ich eigentlich keins, aber (das habe ich noch nie jemandem erzählt!) beim ersten Song habe ich komplett die Augen zu und guck mir nicht an, wie der Raum aussieht, weil es ja immer unterschiedlich ist, wie viele Leute da sind, der Raum sieht immer anders aus und es ist immer unterschiedlich gruselig , manchmal sind die Fans ganz nah und gucken dich an und manchmal sieht man gar niemanden. Also ich singe wirklich den ganzen ersten Song mit Augen zu, um einfach bei mir zu bleiben, in meiner Seifenblase, also ich singe den Song schon für die anderen, aber auch für mich, danach traue ich mich dann die Augen aufzumachen, jetzt bin ich da.

Wie stehst du zu Cannabis?

Mogli: Also, ich bin auf jeden Fall dafür, dass es legalisiert wird, weil es Langzeitstudien gibt über mehr als 80 Jahre, wo Menschen tatsächlich Gras geraucht haben ohne Tabak und keine Schäden festzustellen waren in der Lunge. Ich glaube, es ist wichtig, dass es legalisiert wird, man muss eben mehr darüber sprechen, weil es für Jugendliche trotzdem gefährlich ist, weil die sich ihr Gehirn noch beschädigen können, genauso wie mit Alkohol auch. Es sollte den Menschen einfach klar sein. Wenn wir das so tabuisieren, dann checken die Leute das einfach nicht, was es mit dir macht. Ich könnte ohne auf jeden Fall nicht leben. Für mich ist es einfach voll was Schönes, das ist meine Pause am Tag, das ist auch tatsächlich für meine Depression eine extreme Hilfe gewesen, das ist sehr personenabhängig, es gibt auch Leute, die das dann noch mehr runterzieht, da muss man auf jeden Fall aufpassen, deswegen spreche ich auch darüber offen auf Instagram, weil ich eben will, dass offen darüber gesprochen wird. Sobald es tabuisiert wird und irgendwie heimlich gemacht wird, weiß niemand genau, worum es geht und dann kann es theoretisch auch gefährlich sein, ist aber bei sehr wenigen Menschen der Fall. Was es mir persönlich bringt ist, ich bin immer am Arbeiten, bin immer unterwegs, mein Gehirn macht immer ‚ratatatata‘ , läuft super schnell, , das ist quasi meine persönliche Art, mir eine Pause zu schaffen, weil man dann voll in dem Moment ist und alles andere erst mal vergisst, für sich ist, quasi eine Form von Selfcare, meine Abends-Meditation/metime, egal was vorher passiert ist und was danach passiert, da ist man einfach so bei sich und kann einfach ein bisschen die Zeit anhalten und ein bisschen Pause machen.

Vielen Dank für das Interview!

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