Viele Unterschiede – eine Mannschaft

In der Fußball-Inklusionsmannschaft des SC Freising kicken Kinder mit und ohne Handicap

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Spaß, Bewegung und der Ausgleich zum Alltag stehen im Vordergrund des Trainings der Inklusionsmannschaft vom SC Freising.

Dass Inklusion im Sport und Alltag herausfordernd ist, wissen viele Eltern von Kindern mit Behinderung. Dass sie erfolgreich funktionieren kann, beweist das Training der Inklusionsmannschaft des SC Freising: Kinder mit und ohne Handicap spielen dort jeden Dienstagabend eine Stunde miteinander, toben sich aus und haben Spaß.
Eine lockere Stimmung herrscht hier. Elf Kinder, genau eine Fußballmannschaft, tummeln sich in der Turnhalle der Mittelschule Lerchenfeld und wärmen sich bei einem Kreisspiel auf. Alle sind sie unterschiedlich, aus verschiedenen Nationen, verschiedenen Schulen, groß und klein, mit und ohne Handicap. Und doch sind sie alle gleich, haben etwas gemeinsam: die Freude am Spielen und am Sport, den Drang, sich zu bewegen und auszutoben. Das bedeutet Inklusion: Alle Menschen, egal wie unterschiedlich sie sind, in eine Gemeinschaft zusammenzuführen und einzubeziehen. Genau das spiegelt sich auch in der Mannschaft wieder: Die „normalen“ Kinder, wie sie Jugendleiterin Mechthild Hamberger nennt, binden die Jungen und Mädchen mit Handicap ein, gehen auf sie zu und nehmen Rücksicht – als wäre es ganz normal. Als Handicap gilt dabei alles, was man selber als Handicap empfindet, erläutert die 53-Jährige: „Das können Verhaltensauffälligkeiten genauso wie psychische Störungen oder Kinder mit Down-Syndrom sein.“
Den Kindern macht das Training sehr großen Spaß: Viele aus der E- oder F-Jugend des SC Freising schließen sich der Inklusionsmannschaft an, um noch mehr spielen zu können – vor allem im Winter, wenn das normale Training aufgrund der Hallensituation begrenzt ist. Die zwölfjährigen Zwillinge Vincent und Tristan (beide mit Handicap), die auch in der Basketball-Inklusionsmannschaft von Mechthild Hamberger trainieren, sind „total“ begeistert von der Mannschaft und „wollen unbedingt weiterspielen“.
„Es ist spannend zu sehen, wie sehr sich die Kinder schon entwickelt haben, wie sensibel sie durch das Training geworden sind und sich an die anderen mit Handicap anpassen“, bemerkt auch der 19-jährige Michael Frank, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe macht und das Training der Inklusionsmannschaft unterstützt. Überhaupt braucht es viele Augen und Hände, um solch ein Projekt durchzuführen. Neben Michael stehen Mechthild Hamberger im Training die Betreuerin Ursula Elsinger und gegebenenfalls Eltern zur Seite. Denn es ist gefährlich, die rund acht bis neun Kinder mit Handicap aus den Augen zu lassen: Kaum verheddert sich einer im Tornetz, da ist Hamberger schon wieder am Laufen.

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Im Fußballtraining der Inklusionsmannschaft findet sich eine bunte Mischung von sechs- bis 14-jährigen Kindern mit und ohne Handicap wieder.

Das Training geht weiter, es werden verschiedene Spiele gespielt, bis es zum richtigen Match kommt: Die Halle wird in zwei Felder aufgeteilt und in kleinen Gruppen wird gegeneinander gekickt. Auf die Tore oder Regeln kommt es dabei nicht besonders an, mehr zählen die Freude am Spielen und das Miteinander. Es ist bemerkenswert, wie die Kinder ohne Handicap die mit Handicap im Spiel einbeziehen, ihnen immer wieder den Ball zuspielen und sie zum Zug kommen lassen. Bei den Sechs- bis 14-Jährigen wird hier schon früh ein Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Behinderten entwickelt.
Es waren die Eltern, die damals mit der Idee der Inklusionsmannschaft auf Mechthild Hamberger zugegangen sind. Im April 2014 hat man dann begonnen, die Pläne umzusetzen. Obwohl einige Möglichkeiten vorhanden wären, hat das Team kein großes Interesse, an Turnieren teilzunehmen. Der Spaß und die Bewegung stehen im Vordergrund und würden den Kindern völlig ausreichen, erklärt die Jugendleiterin. Im Landkreis Freising ist das Projekt einmalig, in Bayern sei man erst die 15. Inklusionsmannschaft überhaupt, so Hamberger. Außer im Raum München und Nürnberg gebe es da noch nicht viele Angebote.
Zum Schluss wird Elfmeterschießen geübt. Hamberger, die als gelernte Altenpflegerin neben ihrem „Trainerjob“ auch noch Musiktherapeutin, Buchautorin, Ganztagesbetreuerin und Übungsleiterin ist, hat sehr positive Erfahrungen mit der Inklusionsmannschaft gemacht und will auf jeden Fall weitermachen. „Die Kinder haben viele Fortschritte gemacht, sowohl die mit Handicap als auch diejenigen ohne haben ihre Ängste abgelegt“, berichtet sie. Am 24. Januar wird es nachmittags dann doch ein Hallenturnier geben – allerdings in „lockerer Stimmung“.

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Über laurajuhu

23-jährige Journalistik-Studentin, die gerne über inspirierende, zukunftsorientierte Menschen und Themen bloggt und schreibt. Ab und zu auf zeitjung.de zu lesen. Zuhause in der Nähe von München.

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