Gibt es noch Hoffnung für das NoWasWert ?

Schließung des Caritas-Projekts würde ein großes Loch in Moosburg hinterlassen

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Was mit der Arbeitsmarktreform und den damit verbundenen Leistungskürzungen für Langzeitarbeitslose im Jahr 2012 durch die Bundesregierung beschlossen wurde, zeigt nun seine Auswirkungen im Landkreis: Vergangene Woche verkündete die Caritas die Schließung ihrer Rentabel-Kaufhäuser. Mit „NoWasWert“ verliert Moosburg dabei eine Institution, die einzigartig ist.
Einige Menschen stöbern hier, schauen sich um und entdecken oft besondere Fundstücke, die es sonst nicht mehr gibt. Von Herren- und Damenmode, Weihnachtsschmuck bis hin zu Möbelstücken fürs Wohnzimmer hat das „NoWasWert“ eine breite Auswahl. Bedürftige Menschen genauso wie Asylbewerber nutzen das Angebot des Gebrauchtwarenladens der Caritas, weil ihr Geldbeutel nicht mehr hergibt und sie auf die niedrigen Preise angewiesen sind. Was „NoWasWert“, eine Kooperation des BRK und der Caritas, macht, ist so in Moosburg einmalig: Einerseits gibt der Laden Menschen, die aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen auf dem sogenannten „ersten“ Arbeitsmarkt als nicht arbeitsfähig gelten, durch die Zuverdienstmöglichkeiten eine geregelte Tagesstruktur sowie eine Beschäftigung mit Sinn und bietet ihnen so eine Perspektive. Zum anderen ist es ein Ort, an dem bedürftige Bürger für wenig Geld Kleidung und Möbel einkaufen können.
Seit der Gründung im Jahr 2011 konnte sich „NoWasWert“ gut etablieren, die Erfahrungen von Leiter Bernhard Campe sind durchweg positiv: „Wir konnten unsere Teilnehmerzahl erhöhen und auch die Umsätze sind kontinuierlich gestiegen. Der Laden ist bekannter geworden und wird noch besser von den Leuten angenommen.“ Auch die Angestellten hätten durch das Arbeitsverhältnis eine sehr positive Entwicklung genommen.

Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, Anlaufstelle für Bedürftige und Fundgrube besonderer Schätze – all das umfasst das „NoWasWert“ in Moosburg.

Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, Anlaufstelle für Bedürftige und Fundgrube besonderer Schätze – all das umfasst das „NoWasWert“ in Moosburg.

Die Kürzungen der Förderungen vom Bund im Rahmen der Arbeitsmarktreform haben jedoch deutlich gegriffen, bemerkt Campe. Waren es im Jahr 2012 noch 30 Plätze, die mit jeweils 500 Euro pro Monat gefördert wurden, sind es nun nur noch 250 Euro für 15 Plätze, von denen allerdings auch nicht alle belegt sind. „Ich frage mich, was das Jobcenter mit den bedürftigen Leuten macht, die sind ja nicht auf einmal von der Bildfläche verschwunden“, erklärt der „NoWasWert“-Leiter. Klare Sache ist: Genau diese Förderungen fehlen nun, was das sechsstellige Defizit, welches die Caritas-Geschäftsführerin Carolin Dümer als Schließungsgrund der Rentabel-Kaufhäuser anführte, beweist. Zwar geht der von „NoWasWert“ erwirtschaftete Gewinn an das BRK, das die Mietkosten für den Laden übernimmt, zurück – die Kosten des Projekts sind damit aber nicht gedeckt.
Auf die Frage, ob er glaubt, dass das „NoWasWert“ noch gerettet werden könne, antwortet Campe mit ratlosem Blick: „Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.“ Dafür bräuchte es eine dauerhafte jährliche Leistung des Landratsamts von etwa 150 000 Euro, die aber erst einmal vom Kreistag genehmigt werden müsse. „Allerdings unterstützt uns der Landkreis ja schon jährlich mit 65 000 Euro.“ Für eine Rettung „müsste schon ein Wunder passieren“ – auf das Campe dennoch hofft, „denn einen Ersatz gibt es ja nicht“.
Im Landratsamt kam die Nachricht der Caritas zur Schließung sehr überraschend. Auf Nachfrage der MZ, ob man die Rentabel-Kaufhäuser noch zusätzlich unterstützen könnte, erklärte Pressesprecherin Eva Dörpinghaus, dass zunächst juristisch geprüft werden müsse, ob man in irgendeiner Weise tätig werden kann. Man könne nämlich nichts fördern, was nicht von der Landkreisordnung gedeckt wird. Landrat Josef Hauner zeigte sich laut Dörpinghaus ebenso schockiert und bedauere die bevorstehende Schließung.

Noch ist der Eingang zum Gebrauchtwarenladen „NoWasWert“ offen – ohne weitere Förderungen wird er Ende März schließen.

Noch ist der Eingang zum Gebrauchtwarenladen „NoWasWert“ offen – ohne weitere Förderungen wird er Ende März schließen.

Auch der BRK-Kreisvorsitzende und ehemalige Bürgermeister Toni Neumaier äußerte sein Bedauern über das Ende von „NoWasWert“. Er sehe es als unmögliches Verhalten des Bundes, die Förderungen zu kürzen. Auch in Bayern gebe es trotz einer „Sonnenschein“-Arbeitslosenquote Langzeitarbeitslose. Gerade vor dem Hintergrund der zahlreich ankommenden Flüchtlinge nehme der Gebrauchtwarenladen eine wichtige Funktion ein. Stellvertretend für die SPD-Fraktion erklärte er, dass man dort mit allen Mitteln versuchen werde, das „NoWasWert“ zu erhalten, da gerade sozial Schwache von der Schließung betroffen sind. Auch in der Kreistagssitzung im Dezember werde das Thema auf der Tagesordnung stehen, versicherte Neumaier.
Eins ist gewiss: Der günstige Gebrauchtwarenladen würde vielen bedürftigen Menschen fehlen. Dieser Meinung war auch die 65-jährige „NoWasWert“-Kundin Henny Beringer aus Nandlstadt, die auf die soziale Komponente des Ladens hinwies: „Eine solche Einrichtung ist notwendig, der Staat müsste dieses Projekt weiterfinanzieren.“

Über laurajuhu

23-jährige Journalistik-Studentin, die gerne über inspirierende, zukunftsorientierte Menschen und Themen bloggt und schreibt. Ab und zu auf zeitjung.de und idowa.de/freistunde zu lesen. Zuhause in der Nähe von München.

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